US-Großhandelspreise sinken im Juni unerwartet um 0,3 Prozent
Fallende Energiekosten und ein Benzinpreiseinbruch von 12 Prozent sorgten für eine positive Überraschung beim amerikanischen Erzeugerpreisindex.

Die US-Großhandelspreise sind im Juni überraschend gesunken. Das Bureau of Labor Statistics (BLS) meldete am Mittwoch, dass der Erzeugerpreisindex (PPI) saisonbereinigt um 0,3 Prozent zurückging. Ökonomen hatten laut einer Konsensschätzung von Dow Jones lediglich eine unveränderte Entwicklung erwartet. Auf Jahresbasis liegt die Inflationsrate beim PPI weiterhin bei 5,5 Prozent.
Besonders auffällig: Der Wert für Mai wurde deutlich nach unten korrigiert. Statt des ursprünglich gemeldeten Anstiegs von 1,1 Prozent wies das BLS nun nur noch ein Plus von 0,6 Prozent aus. Diese Revision verstärkt das Bild einer nachlassenden Inflation auf der Erzeugerebene.
Benzinpreise als Haupttreiber des Rückgangs
Der Rückgang wurde maßgeblich von den Energiekosten getrieben. Die Warenpreise insgesamt verzeichneten einen monatlichen Einbruch von 1,4 Prozent – der stärkste Rückgang seit Juli 2022. Die Energiekosten brachen dabei um 6,4 Prozent ein, während die Lebensmittelpreise für die Endnachfrage um 0,6 Prozent zurückgingen. Innerhalb der Warenkategorie stachen die Benzinpreise besonders hervor: Sie fielen um 12 Prozent und machten damit etwa zwei Drittel des gesamten monatlichen Rückgangs aus.
Als Hintergrund gilt eine kurze Entspannung der geopolitischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran, die den Ölpreis sinken ließ. Dieser Effekt hatte sich bereits beim Verbraucherpreisindex (CPI) bemerkbar gemacht. Auf der Gegenseite stiegen die Dienstleistungspreise um 0,2 Prozent, angetrieben durch einen Anstieg der Handelsdienstleistungen um 0,4 Prozent.
Der Kern-PPI – also der Index ohne Nahrungsmittel und Energie – stieg um 0,2 Prozent und fiel damit ebenfalls besser aus als die prognostizierten 0,3 Prozent. Der Kern-PPI ohne Handelsdienstleistungen legte um 0,1 Prozent zu und liegt damit auf Jahresbasis um 5,1 Prozent über dem Vorjahreswert.
Positive Signale für den PCE-Index der Fed
Die PPI-Daten erschienen einen Tag nach den ebenfalls überraschend positiven Verbraucherpreisdaten. Der CPI verzeichnete im Juni einen monatlichen Rückgang von 0,4 Prozent – der stärkste monatliche Rückgang seit April 2020, unmittelbar nach Ausrufung der Covid-Pandemie. Die jährliche Inflationsrate sank dadurch auf 3,5 Prozent. Die Kerninflation der Verbraucher fiel auf 2,6 Prozent, nachdem die Preise im Monatsvergleich unverändert geblieben waren.
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Zur AktienanalyseSowohl der CPI als auch der PPI fließen stark in die Berechnung des von der US-Notenbank Federal Reserve bevorzugten Inflationsmaßes ein: den Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE). Dieser soll Ende des Monats vom US-Handelsministerium veröffentlicht werden. Für Mai wies der PCE-Index eine Gesamtinflation von 4,1 Prozent und eine Kernrate von 3,4 Prozent aus. Beide Werte dürften nach den Veröffentlichungen dieser Woche sinken.
Trotz der positiven Entwicklungen liegen die Inflationskennzahlen weiterhin deutlich über dem Ziel der Federal Reserve von 2 Prozent. Fed-Vorsitzender Kevin Warsh erklärte am Dienstag vor Abgeordneten des Repräsentantenhauses, dass der Preisrückgang im Juni keinen „Mission erfüllt"-Moment für die Inflation darstelle. Die Märkte erwarten dennoch, dass die Fed in diesem Jahr eine weitere Zinserhöhung beschließen wird – möglicherweise bereits im September.

