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US-Erzeugerpreise fallen erstmals seit fast einem Jahr

Im Juni sank der US-PPI um 0,3% – getrieben von einbrechenden Energiepreisen. Die Entspannung könnte jedoch nur von kurzer Dauer sein.

US-Erzeugerpreise fallen erstmals seit fast einem Jahr

Die US-Erzeugerpreise sind im Juni erstmals seit fast einem Jahr gesunken. Der Erzeugerpreisindex (PPI) fiel laut dem Bureau of Labor Statistics im Monatsvergleich um 0,3% – der erste monatliche Rückgang seit August 2025. Haupttreiber war ein kräftiger Rückgang der Energiepreise, der eng mit der geopolitischen Lage rund um die Straße von Hormus zusammenhängt.

Der Rückgang überraschte die Märkte positiv: Ökonomen hatten für den Gesamtindex einen unveränderten Wert erwartet. Die Kernrate des PPI – also ohne Energie und Lebensmittel – stieg um 0,2% gegenüber dem Vormonat und lag damit ebenfalls unter der Konsensschätzung von 0,3%. Im Vormonat Mai war der Gesamt-PPI noch um 0,6% und die Kernrate um 0,1% gestiegen.

Auf Jahresbasis legte der Gesamt-PPI um 5,5% zu, die Kernrate um 4,7%. Beide Werte lagen unter den Konsensschätzungen von 6,2% beziehungsweise 5,2% und auch unter den Mai-Werten von 6,0% und 4,6%.

Energiepreise als entscheidender Faktor

Der Rückgang des Gesamtindex wurde maßgeblich durch den Index für Waren der Endnachfrage getrieben, der den stärksten monatlichen Rückgang seit Juli 2022 verzeichnete. Innerhalb dieser Kategorie brachen die Preise für Energiegüter der Endnachfrage um 6,4% im Monatsvergleich ein – der stärkste monatliche Rückgang seit Dezember 2022.

Hintergrund ist ein vorläufiges Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran, das Mitte Juni zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus führte. Diese strategisch bedeutende Wasserstraße ist ein Nadelöhr für rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasaufkommens. Die verbesserte Schifffahrtslage linderte die Versorgungsängste und drückte die Brent-Rohöl-Terminkontrakte im vergangenen Monat um mehr als 20%.

Die Entspannung spiegelte sich auch in den US-Verbraucherpreisdaten (CPI) vom Vortag wider, die eine ähnliche Abschwächung des Preisdrucks zeigten.

Geopolitische Risiken trüben den Ausblick

Die Lage hat sich im Juli jedoch rasch verändert. Das vorläufige Waffenstillstandsabkommen zwischen Washington und Teheran ist gescheitert. Berichte über iranische Angriffe auf kommerzielle Öltanker in der Meerenge sowie eine von US-Präsident Donald Trump verhängte Seeblockade gegen iranische Häfen und Küsten haben die Spannungen auf den höchsten Stand seit Unterzeichnung der Absichtserklärung getrieben. Brent-Rohöl stieg allein in dieser Woche um mehr als 9%.

David Russell, globaler Leiter der Marktstrategie bei TradeStation, kommentierte die Situation: „Die Disinflation war im letzten Monat im Gange, wurde aber eher von Waren als von Dienstleistungen getragen. Dies birgt das Risiko, dass der Druck zurückkehrt, wenn die Preise für Lebensmittel und Energie wieder steigen. Kurzfristig steht die Fed nicht unter Druck, aber längerfristig gibt der Ölpreis die Richtung vor. Die Energiepreise haben den Juni gerettet, aber das könnte bald Geschichte sein, wenn die Straße von Hormus nicht bald wieder geöffnet wird."

Bedeutung für die Federal Reserve

Die Fed bevorzugt für ihr langfristiges Inflationsziel von 2% den Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE), insbesondere dessen Kernrate. Komponenten aus dem CPI und dem PPI fließen in die PCE-Berechnung ein. Kevin Gordon, Leiter der Makroforschung und -strategie am Schwab Center for Financial Research, wies darauf hin, dass von den PPI-Komponenten, die in den PCE einfließen, im Juni lediglich eine Kategorie einen monatlichen Rückgang verzeichnete – die ambulante Krankenhausversorgung.

Bemerkenswert ist, dass die Kernrate des PCE seit über fünf Jahren hartnäckig über dem Inflationsziel der Fed liegt. Zuletzt lag der Wert im Februar 2021 unter der 2%-Marke.

Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh hat signalisiert, dass sich die Zentralbank vorrangig auf den Inflationsteil ihres dualen Mandats konzentriert. In seiner ersten Anhörung vor dem Kongress am Dienstag bekräftigte er erneut, dass der Offenmarktausschuss (FOMC) für Preisstabilität sorgen werde. Zudem hat Warsh eine umfassende Überprüfung der geldpolitischen Operationen eingeleitet und fünf Arbeitsgruppen eingesetzt – darunter eine zur Untersuchung der Inflationsrahmenbedingungen.

Die Juni-Daten deuten zwar darauf hin, dass die Fed kurzfristig keinen unmittelbaren Handlungsdruck verspürt, die Zinsen anzuheben. Der erneute Anstieg der Ölpreise im Juli könnte jedoch eine Erholung der Inflation bedeuten und die Lage für die Währungshüter rasch wieder komplizierter machen.

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