US-Dollar vor Trendwende: Experten erwarten Erholung nach monatelanger Schwäche
Nach vier Monaten Abwärtstrend sehen Analysten erste Anzeichen für eine Dollar-Stärkung trotz anhaltender politischer Unsicherheit.

Der US-Dollar könnte nach monatelanger Schwächephase vor einer Trendwende stehen. Analysten beobachten, dass der Druck auf die amerikanische Währung durch die Euro-Rally, Zinssenkungserwartungen der Federal Reserve und die Unsicherheit rund um die Handels- und Fiskalpolitik von Präsident Donald Trump vorerst nachgelassen hat.
Der Dollar-Index, der den Wert der Währung gegenüber sechs wichtigen Handelspartnern misst, notiert seit November unter der psychologisch wichtigen Marke von 100 Punkten. Seit dem sogenannten Liberation Day ist die US-Währung um 6,7 Prozent gefallen und rutschte im Januar auf ein Vierjahrestief. Besonders stark verlor der Dollar gegenüber dem hochverzinslichen Australischen Dollar, aber auch gegenüber dem traditionell schwachen Japanischen Yen musste er Federn lassen.
Wachstumsaussichten stützen Dollar
Trotz der jüngsten Schwäche mehren sich die Stimmen, die eine baldige Erholung erwarten. "Wir sind derzeit Dollar-Bullen in einer Welt von Dollar-Bären", erklärt Dan Tobon, Leiter der G10-FX-Strategie bei Citi in New York. Er prognostiziert eine Stärkung des Dollars bis mindestens zum dritten Quartal, vor allem gegenüber Euro, Kanadischem Dollar und Britischem Pfund.
Als Rückenwind für den Greenback nennen Experten die verbesserten US-Wachstumsaussichten, das positive Geschäftsklima sowie das anhaltende Interesse ausländischer Investoren an amerikanischen Aktien und Anleihen. Zudem erwarten Analysten, dass Trump im Vorfeld der Zwischenwahlen eine weniger aggressive Politik verfolgen wird. "Wir glauben, dass die 'Animal Spirits' ein Stück weit zurückkehren werden", so Tobon.
Warsh-Nominierung beruhigt Märkte
Eine wichtige Rolle für die veränderte Marktstimmung spielt die Nominierung von Kevin Warsh für den Vorsitz der US-Notenbank. Sein Ruf als besonnener Akteur, der gegen weitere Marktanlagen durch die Fed ist, hat Sorgen über eine übermäßige Lockerung der Geldpolitik und einen möglichen Verlust der Notenbank-Unabhängigkeit besänftigt.
Daten vom Derivatemarkt zeigen bereits eine langsame Stimmungsänderung. Laut OptionMetrics steigt das Interesse an sogenannten "Butterflies" – Strukturen, die auf relative Stabilität der Währungspaare setzen. "Zusammengenommen deutet dies darauf hin, dass der Markt Wetten auf eine Abwertung des US-Dollars zurücknimmt", erklärt Garrett DeSimone, Leiter der quantitativen Forschung bei OptionMetrics.
Jane Foley, Leiterin der Devisenstrategie bei der Rabobank in London, sieht ebenfalls Potenzial: "Ein Großteil der negativen Stimmung ist bereits im Dollar eingepreist." Die relative Stärke der US-Verbraucher ziehe weiterhin Investitionen ins Land.
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Zur AktienanalyseSkeptische Stimmen bleiben
Nicht alle Experten teilen den Optimismus. Analysten von J.P. Morgan und Bank of America zweifeln an einer deutlichen Dollar-Stärkung. Francesca Fornasari, Leiterin des Währungsbereichs bei Insight Investment, warnt: "Wir befinden uns in einem Umfeld, in dem die Regierung einen schwächeren Dollar bevorzugen würde. Wir gehen davon aus, dass der Dollar im Laufe des Jahres weiter nachgeben wird."
Eine mögliche Trendwende beim Dollar hätte weitreichende Auswirkungen auf die globalen Märkte. Sie würde Handelsströme beeinflussen, die Unternehmensgewinne multinationaler Konzerne verändern und Anlagestrategien für Billionen Dollar an grenzüberschreitendem Kapital neu ausrichten. Auch der Druck auf Schwellenländerwährungen würde nachlassen, während sich die Hedging-Kalkulationen von Investoren weltweit ändern würden.


