US-Dollar unter Druck: ING erwartet Schwäche bei Fed-Pause
Hält die Fed die Zinsen stabil, könnte der Dollar nachgeben und wieder den sinkenden Ölpreisen folgen, warnt ING-Stratege Pesole.

Der US-Dollar steht vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Laut der Großbank ING könnte die US-Währung unter Abwärtsdruck geraten, sofern die Federal Reserve die Leitzinsen unverändert lässt. Der Bloomberg-Dollar-Index notierte am Mittwoch weniger als 0,1 Prozent im Minus – bereits der vierte Handelstag in Folge mit minimalen Kursbewegungen.
Trotz der jüngsten Volatilität an den Ölmärkten zeigte sich der Dollar zuletzt bemerkenswert stabil. Die rollierende 60-Tage-Korrelation zwischen dem Bloomberg Dollar Spot Index und den Brent-Rohöl-Futures fiel am Mittwoch jedoch auf den niedrigsten Stand seit Ende März – ein Signal, das Analysten aufhorchen lässt.
ING-Stratege sieht Dollar-Positionierungen auf dem Prüfstand
„Diese Widerstandsfähigkeit wird heute einer harten Prüfung unterzogen", schrieb Francesco Pesole, Währungsstratege bei ING. „Ein Stillhalten der Fed dürfte die Auflösung vorsorglicher Dollar-Positionierungen auslösen und es der Währung ermöglichen, wieder dem Signal der niedrigeren Ölpreise zu folgen."
Hintergrund ist die außergewöhnlich bullische Stimmung gegenüber dem Greenback: Händler sind in diesem Jahr zunehmend optimistisch für den Dollar gestimmt und zeigen sich laut Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) so zuversichtlich für die US-Währung wie seit dem Jahr 2015 nicht mehr. Diese ausgeprägte Positionierung macht den Dollar anfällig für eine Korrektur, sollte die Fed keine hawkishen Signale senden.
Ölpreise und Geopolitik als treibende Kräfte
Ein wesentlicher Faktor für die jüngste Marktdynamik ist der geopolitische Konflikt im Nahen Osten. Der US-Angriff auf den Iran störte die globalen Energieströme erheblich und löste eine Rallye bei den Ölpreisen aus, was weltweit Sorgen vor einer galoppierenden Inflation schürte. Die Ölpreise schwankten seither im Einklang mit den Entwicklungen in dem seit sechs Monaten andauernden Krieg.
Diese Inflationssorgen hatten den Dollar zunächst gestützt, da höhere Energiepreise die Erwartung weiterer Zinserhöhungen durch die Fed befeuerten. Nun jedoch preisen die Märkte eine Zinserhöhung erst für den September vollständig ein – was den unmittelbaren Handlungsdruck auf die Notenbank vorerst mindert.
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Zur AktienanalyseWas bedeutet das für Anleger?
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung des US-Dollars von besonderer Bedeutung, da er direkten Einfluss auf Euro-Dollar-Wechselkurse, internationale Rohstoffpreise und die Bewertung US-amerikanischer Aktien in Euro hat. Ein schwächerer Dollar würde US-Investments für europäische Anleger tendenziell weniger attraktiv machen, gleichzeitig aber Importpreise aus den USA dämpfen.
Die Entscheidung der Federal Reserve und die anschließende Pressekonferenz dürften daher nicht nur an den Devisenmärkten, sondern auch an den Aktien- und Rohstoffmärkten für Bewegung sorgen. Anleger sollten die Entwicklungen rund um die Fed-Sitzung und die Ölpreise eng verfolgen, um ihre Portfolios entsprechend zu positionieren.


