US-Dollar nahe Zweimonatshoch: Nahost-Spannungen und Zinspolitik treiben Kurs
Geopolitische Risiken am Golf und robuste US-Wirtschaftsdaten stützen den Dollar – Nonfarm Payrolls im Fokus.

Der US-Dollar notiert am Donnerstag nahe einem Zweimonatshoch. Ausschlaggebend sind die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten sowie die Erwartung, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen länger auf hohem Niveau halten wird. Der US-Dollar-Index zeigte sich im asiatischen Handel kaum verändert, nachdem er in der Nacht zuvor auf den höchsten Stand seit rund zwei Monaten gestiegen war.
Die geopolitische Lage sorgt für erhöhte Unsicherheit an den Devisenmärkten. Washington hatte zwar mitgeteilt, dass Israel und der Libanon einem Waffenstillstandsabkommen zugestimmt hätten – allerdings unter der Bedingung, dass die Hisbollah ihre Feindseligkeiten einstellt. Neue Eskalationen trübten die Stimmung jedoch erneut ein: Berichte über iranische Raketenangriffe auf Kuwait und Bahrain sowie US-Angriffe auf die iranische Insel Qeschm nahe der strategisch wichtigen Straße von Hormus sorgten für Vorsicht unter den Marktteilnehmern.
Starke US-Wirtschaftsdaten befeuern Dollar-Stärke
Zusätzlichen Rückenwind erhielt der Greenback durch besser als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten. Der Personaldienstleister ADP meldete für Mai einen Stellenzuwachs von 122.000 Stellen in der US-Privatwirtschaft – ein Zeichen für die anhaltende Widerstandsfähigkeit des amerikanischen Arbeitsmarktes. Gleichzeitig stieg der Dienstleistungsindex des Institute for Supply Management (ISM) im Mai von 53,6 auf 54,5 Punkte und signalisiert damit eine stetige Expansion im Dienstleistungssektor.
Besondere Aufmerksamkeit zog die Inflationskomponente der ISM-Umfrage auf sich: Der Index für die bezahlten Preise sprang auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren. Diese Entwicklung verstärkt die Sorgen, dass der Inflationsdruck in den USA erhöht bleibt. Die Märkte schraubten daraufhin ihre Erwartungen für eine baldige Zinssenkung durch die Fed weiter zurück – ein Umfeld, das den Dollar traditionell stützt.
Nonfarm Payrolls als nächster großer Kurstreiber
Das Hauptaugenmerk der Investoren richtet sich nun auf den vielbeachteten US-Arbeitsmarktbericht – die sogenannten Nonfarm Payrolls – der am Freitag veröffentlicht wird. Die Daten gelten als wichtiger Gradmesser für den künftigen Kurs der Fed-Geldpolitik und dürften die Richtung am Devisenmarkt maßgeblich beeinflussen.
Besonders angespannt bleibt die Lage beim Währungspaar USD/JPY. Der Kurs notierte zuletzt bei 159,97 Yen und damit gefährlich nah an der psychologisch bedeutsamen Marke von 160 Yen. Diese Nähe hält Händler in Alarmbereitschaft hinsichtlich möglicher Devisenmarktinterventionen der japanischen Behörden, die bereits am Mittwoch erneut entsprechende Warnungen ausgesprochen hatten.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseBank of Japan zwischen Zinserhöhung und Yen-Schwäche
Bank-of-Japan-Gouverneur Kazuo Ueda erklärte am Mittwoch, dass die Notenbanker Zinserhöhungen in Betracht ziehen müssten, falls die Aufwärtsrisiken für die Inflation deutlicher werden als die Risiken für das Wirtschaftswachstum. Der japanische Yen steht durch die sich ausweitenden Renditedifferenzen zwischen Japan und den USA weiter unter Druck, wenngleich die Erwartung einer geldpolitischen Straffung durch die BOJ die Verluste begrenzt.
Die Analysten der ING-Bank zeigen sich wenig optimistisch für den Yen: „Wir gehen davon aus, dass die Märkte die Oberseite bei USD/JPY weiter testen werden, auch angesichts der Tatsache, dass der Juni saisonal bedingt ein schwacher Monat für den Yen ist", heißt es in einer aktuellen Einschätzung des Instituts. Für deutsche Anleger mit Engagements in US-Dollar oder japanischen Yen bleibt das Umfeld damit volatil und von mehreren Risikofaktoren geprägt.


