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US-Cannabismarkt: Erster Umsatzrückgang und regulatorische Umbrüche

Der US-Cannabismarkt schrumpft erstmals auf 29,1 Milliarden Dollar – Überangebot, Preisdruck und unsichere Bundesregulierung belasten die Branche.

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US-Cannabismarkt: Erster Umsatzrückgang und regulatorische Umbrüche

Die US-Cannabisindustrie durchlebt eine tiefgreifende strukturelle Transformation. Erstmals seit ihrer Entstehung verzeichnet die Branche einen Umsatzrückgang im Jahresvergleich: Der nationale Cannabisumsatz sank 2025 auf 29,1 Milliarden US-Dollar. Als Hauptursachen gelten Preiskompression und anhaltende Überversorgung des Marktes. Das geht aus dem „2025 U.S. Cannabis Jobs Report" von Vangst und Whitney Economics hervor.

Trotz dieser Belastungen sehen Analysten in einer möglichen Neueinstufung von Cannabis auf Bundesebene – von Schedule I auf Schedule III – einen potenziellen Wachstumskatalysator. Eine solche Neueinstufung würde die Aufhebung von Section 280E des US-Steuergesetzes ermöglichen, die Cannabisunternehmen bislang erheblich benachteiligt, indem sie übliche Betriebsausgaben steuerlich nicht absetzen können.

Marktkonzentration in Illinois: Wenige profitieren vom Boom

In Illinois zeigt sich exemplarisch, wie Marktkonzentration und Gerechtigkeitsansprüche in Konflikt geraten. Ein Bericht des Parabola Center for Law and Policy belegt eine hohe Unternehmenskonzentration im Bundesstaat: Obwohl 264 Marken am Markt aktiv sind, fließen rund 79 Cent jedes Umsatzdollars an eine schrumpfende Gruppe etablierter Betreiber.

Diese Konzentration ist laut dem Bericht auf konkrete politische Entscheidungen zurückzuführen. So erhielten medizinische Anbaubetriebe beim Start des Erwachsenenmarktes im Jahr 2020 einen Vorsprung von zwei Jahren. Zusätzlich begrenzen strukturelle Hürden wie Anbauflächen-Obergrenzen kleine Craft-Grower auf 14.000 Quadratfuß, während etablierte Anbaubetriebe bis zu 210.000 Quadratfuß nutzen dürfen. Die Folge: Unabhängige Betreiber sind auf den Blütenmarkt beschränkt, wo die Preise seit 2022 um fast 40 Prozent gefallen sind.

Besonders aufschlussreich ist die Diskrepanz zwischen Lizenzbesitz und wirtschaftlichem Erfolg. Zwar hält laut einer staatlichen Studie aus 2024 eine Mehrheit der Lizenzen Minderheiten- und frauengeführten Unternehmen – doch diese erwirtschafteten lediglich 12,5 Prozent des Gesamtumsatzes. Der Besitz einer Lizenz bedeutet demnach nicht automatisch die Teilhabe am Marktwert.

Illinois reguliert Hemp-THC neu – Konflikte vorprogrammiert

Illinois vollzieht auch im Bereich Hemp-THC einen regulatorischen Kurswechsel. Gouverneur JB Pritzker unterzeichnete den Illinois Hemp Act, der hanfbasierte THC-Produkte ab November in das regulierte Cannabisrahmenwerk des Bundesstaates integriert. Der Verkauf berauschender Hanfprodukte wird künftig auf staatlich lizenzierte Cannabishändler beschränkt, und Verpackungen, die beliebte Snacks imitieren, werden verboten.

Das Gesetz erzeugt erhebliche Spannungen zwischen dem 1,5 Milliarden Dollar schweren regulierten Cannabismarkt und dem 800 Millionen Dollar großen Hanfmarkt des Bundesstaates. Branchenverbände wie die Illinois Healthy Alternatives Association kritisieren das Gesetz als ungerecht gegenüber Kleinunternehmen und möglicherweise verfassungswidrig. Unklar bleibt zudem der rechtliche Status von hanfbasierten THC-Getränken, die derzeit unter anderem im United Center und in lokalen Supermärkten verkauft werden.

Bundesweite Neueinstufung: Nicht alle Bundesstaaten profitieren gleich

Während die Neueinstufung auf Bundesebene als potenzieller Segen gilt, warnen Regulatoren vor ungleichen Auswirkungen. Das Washington State Liquor and Cannabis Board (LCB) veröffentlichte ein Memo, das darauf hinweist, dass eine Neueinstufung auf Schedule III möglicherweise nicht für Washingtons Cannabisbetreiber gilt. Da Washington ausschließlich einen Freizeitmarkt ohne formelles medizinisches Lizenzsystem betreibt, könnten die Betreiber weiterhin der restriktiven Steuervorschrift Section 280E unterliegen.

Ähnliche Komplikationen drohen in New York, wo die Mehrheit der Lizenznehmer als Freizeitanbieter eingestuft ist. Die DEA bereitet Anhörungen vor, die am 29. Juni 2026 beginnen sollen. Die Branche befindet sich damit weiterhin in einem regulatorischen Schwebezustand.

Jobmarkt und gesellschaftliche Dimension

Trotz des nationalen Umsatzrückgangs zeigt die Branche punktuelle Widerstandsfähigkeit. Die Gesamtzahl der Arbeitsplätze im Cannabissektor sank 2025 zwar um 2,7 Prozent, doch neuere Märkte wie New York verzeichneten zweistelliges Beschäftigungswachstum mit über 16.000 neu geschaffenen Stellen.

Jenseits der Wirtschaftsdaten rückt die gesellschaftliche Rolle von Cannabis zunehmend in den Fokus. Analysen zeigen, dass der Zugang zu medizinischem Cannabis mit reduzierter Fehlzeiten am Arbeitsplatz korreliert – insbesondere in Berufen mit chronischen Schmerzen oder hohem Stressniveau. Studien zu Kriegsveteranen deuten zudem darauf hin, dass ein verringerter Cannabiskonsum mit einer Verschlechterung von PTBS-Symptomen und einer reduzierten Lebensqualität einhergeht.

Auf politischer Ebene setzt sich die National Restaurant Association aktiv beim US-Kongress für einen bundesweiten Regulierungsrahmen für hanfbasierte THC-Getränke ein. Diese sollen als sicherere, regulierte Alternative zu Alkohol positioniert werden – ein Zeichen dafür, dass die Grenzen zwischen Hanf, medizinischem Cannabis und Freizeitmarkt zunehmend verschwimmen.

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