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US-Autobauer in der Krise: Aluminium-Zölle treffen Ford und GM hart

Brände in einem Schlüsselwerk und 50-Prozent-Zölle auf Ersatzimporte: Die US-Autoindustrie kämpft an zwei Fronten gleichzeitig.

US-Autobauer in der Krise: Aluminium-Zölle treffen Ford und GM hart

Die US-amerikanische Automobilindustrie steckt in einer ernsthaften Versorgungskrise. Ausgelöst durch zwei Fabrikbrände in einem zentralen Aluminiumwerk und verschärft durch die Zollpolitik der Trump-Administration, kämpfen Hersteller wie Ford, General Motors und Stellantis mit steigenden Kosten und drohenden Produktionsengpässen. Anträge auf Zollerleichterungen wurden von der Regierung bislang abgelehnt.

Im Mittelpunkt der Krise steht das Novelis-Aluminiumwalzwerk im US-Bundesstaat New York, genauer in Oswego. Das Werk ist der größte inländische Lieferant von Aluminiumblechen für die US-Automobilindustrie und versorgt rund ein Dutzend Hersteller mit dem Material für Karosserieteile. Im vergangenen Jahr kam es in dem Werk zu zwei separaten Bränden in jenem Bereich, der für das Walzen von Aluminium zu dünnen Blechen zuständig ist – einem unverzichtbaren Schritt in der Fertigung von Fahrzeugkarosserien.

Die Folge: Das Werk musste vollständig vom Netz genommen werden. Laut Mutterkonzern Hindalco wird die Anlage frühestens Ende des zweiten Quartals 2026 wieder in Betrieb gehen, einige Berichte nennen sogar den Juni als realistischsten Termin. Besonders hart trifft dies Ford, dessen meistverkauftes Modell, der F-150-Pickup, in hohem Maße auf Aluminiumkonstruktionen angewiesen ist.

Doppelte Belastung durch Zölle auf Ersatzimporte

Um den inländischen Engpass zu überbrücken, importiert Novelis Aluminium aus eigenen Werken in Südkorea und Europa. Doch diese Importe unterliegen im aktuellen US-Zollregime einem Einfuhrzoll von 50 Prozent. Für die Autohersteller entsteht dadurch eine doppelte Belastung: Sie müssen gleichzeitig die logistischen Herausforderungen der Lieferkettenstörung bewältigen und die erheblichen Mehrkosten durch die hohen Importzölle tragen.

Ford hat die gestiegenen Kosten aus dieser Versorgungskrise explizit als wesentlichen Faktor für die jüngste Geschäftsentwicklung genannt. Das Unternehmen meldete im Februar einen Rückgang des Quartalsgewinns um 50 Prozent auf rund eine Milliarde US-Dollar. Ford stellte daraufhin einen formellen Antrag an die Trump-Administration auf vorübergehende Befreiung von diesen Zöllen – um eine handhabbare Übergangsphase zu ermöglichen, während das Werk in Oswego repariert wird.

Die Trump-Administration hat diese Bitten jedoch abgelehnt. Laut mit den Gesprächen vertrauten Quellen hat die Regierung Anfragen von Ford und anderen Branchenvertretern auf Zollausnahmen zurückgewiesen. Weder das Weiße Haus noch Ford haben sich offiziell zu den Details dieser internen Verhandlungen geäußert. Die Haltung der Regierung deutet darauf hin, dass die handelspolitischen Ziele der Administration Vorrang vor der kurzfristigen Entlastung der heimischen Hersteller haben.

Systemisches Risiko für die gesamte Branche

Die Situation verdeutlicht die Fragilität moderner Automobilzulieferketten. Da das Novelis-Werk in Oswego mehrere große Hersteller gleichzeitig beliefert, ist die Störung nicht auf ein einzelnes Unternehmen beschränkt. Neben Ford sind auch General Motors, Stellantis sowie ausländische Hersteller mit US-Produktionsstätten von der Aluminiumknappheit betroffen.

Für Investoren und Analysten ist der Fall ein anschauliches Beispiel dafür, wie staatliche Handelspolitik die negativen Folgen eines Industrieunfalls erheblich verstärken kann. Was als lokaler Produktionsausfall begann, hat sich zu einer systemischen finanziellen Herausforderung für den gesamten US-Automobilsektor entwickelt. Solange das Novelis-Werk nicht wieder vollständig in Betrieb ist, bleibt der Konflikt zwischen der Zollpolitik der Administration und den operativen Bedürfnissen der US-Autobauer ein zentrales Spannungsfeld für die Branche.

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