US-Arbeitsmarktbericht Mai: So reagiert der S&P 500 laut JPMorgan
Am Freitag erscheint der US-Jobsbericht für Mai – JPMorgan analysiert fünf Szenarien und deren mögliche Auswirkungen auf den Aktienmarkt.

Der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht für Mai wird am Freitag vom Bureau of Labor Statistics veröffentlicht. Anleger weltweit richten ihren Blick auf die Daten, die inmitten geopolitischer Spannungen und anhaltender Inflationssorgen einen wichtigen Hinweis auf den Zustand der US-Wirtschaft liefern sollen. Von Dow Jones befragte Ökonomen erwarten, dass im Mai 80.000 neue Stellen geschaffen wurden, während die Arbeitslosenquote stabil bei 4,3 Prozent verbleiben soll.
Der Bericht erscheint in einem aufgeheizten Marktumfeld. Vorläufige Daten des Dienstleisters ADP zeigten bereits am Mittwoch, dass die Beschäftigung im Privatsektor im vergangenen Monat um 122.000 Stellen gestiegen ist – und damit die Dow-Jones-Prognose von 110.000 übertraf. Zusätzlich hatte ein weiterer BLS-Bericht ergeben, dass die Zahl der offenen Stellen im April den höchsten Stand seit fast zwei Jahren erreichte.
Was Strategen vom Bericht erwarten
Die Glenmede-Strategen Jason Pride und Michael Reynolds formulierten die Erwartungshaltung vieler Marktteilnehmer treffend: „Anleger werden den Arbeitsmarktbericht in dieser Woche genau beobachten, um eine Bestätigung dafür zu erhalten, dass der Arbeitsmarkt in einem stabilen, aber sich verlangsamenden Gleichgewicht bleibt, wobei sowohl Neueinstellungen als auch Entlassungen in einem anhaltenden ‚Low Hire, Low Fire'-Umfeld gedämpft sind."
Das sogenannte „Low Hire, Low Fire"-Umfeld beschreibt einen Arbeitsmarkt, in dem weder viele neue Stellen geschaffen noch viele Arbeitnehmer entlassen werden – ein Zustand relativer Stagnation, der zwar Stabilität signalisiert, aber auch auf eine nachlassende wirtschaftliche Dynamik hindeutet. Für die US-Notenbank Federal Reserve sind solche Daten entscheidend bei der Frage, ob und wann Zinssenkungen angemessen wären.
JPMorgan analysiert fünf Marktszenarien
Der Handelstisch von JPMorgan hat konkrete Wahrscheinlichkeiten und mögliche Marktreaktionen des S&P 500 für verschiedene Ergebnisse des Berichts ausgearbeitet:
40% Wahrscheinlichkeit
— Stellenwachstum zwischen 70.000 und 100.000: Der S&P 500 steigt um 0,5% bis 1,0%.
25% Wahrscheinlichkeit
— Stellenwachstum zwischen 40.000 und 70.000: Der S&P 500 notiert zwischen unverändert und minus 0,75%.
25% Wahrscheinlichkeit
— Stellenwachstum zwischen 100.000 und 130.000: Der S&P 500 könnte bis zu 0,75% steigen oder 0,25% fallen.
5% Wahrscheinlichkeit
— Weniger als 40.000 neue Stellen: Der S&P 500 bricht um 1,0% bis 1,5% ein.
5% Wahrscheinlichkeit
— Mehr als 130.000 neue Stellen: Der S&P 500 könnte bis zu 1,0% fallen oder bis zu 0,5% zulegen.
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Zur AktienanalyseStarke Zahlen könnten Aktien belasten
Besonders aufschlussreich ist die Einschätzung von JPMorgan zu einem überraschend starken Bericht. „Bei einem stärker als erwartet ausfallenden Bericht werden Aktien auf die Anleiherenditen reagieren, wobei Inflationssorgen die Renditen zusammen mit der Volatilität am Rentenmarkt nach oben treiben könnten, was sich negativ auf Aktien auswirken würde", erklärte der Handelstisch der US-Großbank.
Gleichzeitig räumt JPMorgan eine alternative Reaktion ein: Sollte ein starkes Ergebnis ohne wesentliche Veränderung der Arbeitslosenquote einhergehen, könnten Aktien positiv auf den günstigen Wachstumsausblick reagieren. Diese Ambivalenz verdeutlicht, wie komplex die aktuelle Gemengelage für Investoren ist – starke Wirtschaftsdaten sind in einem inflationären Umfeld nicht automatisch eine gute Nachricht für die Börse.
Für deutsche Anleger mit US-Engagements ist der Bericht besonders relevant, da er nicht nur kurzfristige Kursbewegungen im S&P 500 auslösen, sondern auch Signalwirkung für die weitere Geldpolitik der Fed und damit für globale Kapitalmärkte haben dürfte. Die Veröffentlichung erfolgt am Freitagnachmittag europäischer Zeit.


