US-Arbeitsmarktbericht Juni: Experten und Analysten im Überblick
Der schwächer als erwartete US-Jobsbericht für Juni löst unterschiedliche Reaktionen unter Ökonomen und Marktexperten aus.

Der US-Arbeitsmarktbericht für Juni hat die Wall Street am Freitag in Atem gehalten. Laut dem US-Bureau of Labor Statistics stieg die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft (Non-Farm Payrolls) im Juni lediglich um 57.000 – deutlich unter der Konsensschätzung von 114.000. Die Arbeitslosenquote sank leicht auf 4,2 %, nachdem sie in den drei vorangegangenen Monaten bei 4,3 % stagniert hatte.
Zusätzlich wurden die Vormonatsdaten nach unten korrigiert: Das Beschäftigungswachstum für Mai wurde von 172.000 auf 129.000 revidiert, das für April von 179.000 auf 148.000. Diese Abwärtskorrekturen verstärken das Bild einer sich abkühlenden Arbeitswelt in den USA.
Die Aktienmärkte reagierten zunächst positiv und eröffneten fester, konnten die Gewinne jedoch nicht halten. Kursverluste bei Tesla und Technologiewerten belasteten die Stimmung. Gleichzeitig gaben der US-Dollar und die Renditen kürzer laufender Staatsanleihen nach – ein typisches Muster, wenn Märkte eine weniger restriktive Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) einpreisen.
Gemischte Signale für die Federal Reserve
Für die Fed liefert der Bericht wichtige Orientierung. Da der Arbeitsmarkt insgesamt widerstandsfähig bleibt, verfügt die Zentralbank über Spielraum, sich auf ihr Inflationsziel zu konzentrieren, ohne die Geldpolitik weiter zu straffen. Die Daten deuten darauf hin, dass die Fed die Zinsen stabil halten könnte – eine Perspektive, die Anleger grundsätzlich begrüßen.
Heather Long, Chefökonomin bei Navy Federal, brachte die Ambivalenz des Berichts auf den Punkt: „Der Arbeitsmarktbericht für Juni ist großartig für die Federal Reserve, aber enttäuschend für den Rest Amerikas."
Chris Zaccarelli, Chief Investment Officer bei Northlight Asset Management, sieht in den schwachen Zahlen einen möglichen Silberstreif für die Märkte: „Der heutige Bericht stellt eine deutliche Kehrtwende gegenüber den jüngsten Berichten dar, da viel weniger Arbeitsplätze geschaffen wurden als erwartet und die Zahlen der Vormonate nach unten korrigiert wurden. Wenn das Beschäftigungsmandat wieder ins Spiel kommt, kann dies die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Zinsen unverändert bleiben – was unter sonst gleichen Bedingungen für den Markt viel besser wäre als Zinserhöhungen."
Ökonomen sehen strukturelle Schwächen
Jeffrey Roach, Chefökonom bei LPL Financial, weist auf einen besorgniserregenden Trend hin: „Die Unternehmen stellen weiterhin Personal ein, aber die geleisteten Arbeitsstunden liegen unter dem Niveau vor der Pandemie, da die Unternehmen die Arbeitsauslastung reduzieren. Ein besorgniserregender Trend ist der zunehmende Strom von Personen, die ganz aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden."
Mohamed El-Erian, ehemaliger CEO von PIMCO, verweist auf weitere Details im Bericht: Die Erwerbsbeteiligung sank auf 61,5 %, das Lohnwachstum lag bei 3,5 %. El-Erian sieht die Angebotsseite der Erwerbsbevölkerung als Haupttreiber für die verfehlte Stellenschaffung. Er dämpft zudem Erwartungen an baldige Zinserhöhungen: „Dies dürfte die Markterwartungen für eine Zinserhöhung in diesem Jahr dämpfen – ein Szenario, von dem ich behauptet habe, dass es eine Fehlinterpretation der wahrscheinlichen Haltung der Fed war."
Jamie Cox, geschäftsführender Gesellschafter bei Harris Financial, zweifelt hingegen an der Aussagekraft der Daten: „Diese Daten sind irreführend und sollten ignoriert werden – es besteht keine Chance, dass das Freizeit- und Gastgewerbe mitten in der Weltmeisterschaft negative Zahlen schreibt. In den nächsten Monaten wird es Aufwärtskorrekturen geben."
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Zur AktienanalyseZwei Zinserhöhungen bis Jahresende erwartet
Michael Feroli, Chefökonom für die USA bei JPMorgan, bewertet den Bericht insgesamt als solide: „Der Arbeitsmarktbericht für Juni war nicht ganz so schwungvoll wie die drei vorangegangenen Berichte, deutet aber dennoch auf eine allgemeine Gesundheit des Arbeitsmarktes hin. Für die Fed sollte der heutige Bericht alle Sorgen zerstreuen, dass eine erneute Beschleunigung des Arbeitsmarktes ein Risiko für die Inflation darstellt."
Diane Swonk, Chefökonomin bei KPMG U.S., warnt hingegen vor übertriebenen Zinssenkungshoffnungen: „Die Hoffnungen der Finanzmärkte, dass die Fed als Reaktion auf den Bericht die Zinsen nicht anheben wird, sind deplatziert – wir erwarten weiterhin zwei Zinserhöhungen bis zum Jahresende." Sie betont zudem, dass die Lohnzuwächse die Untergrenze der Dienstleistungsinflation verstärken – ein Faktor, der die geldpolitischen Falken bei der Fed weiter beunruhigen dürfte.
Für deutsche Anleger ist der US-Arbeitsmarktbericht von besonderer Bedeutung, da die Geldpolitik der Fed globale Auswirkungen hat – auf Wechselkurse, Anleiherenditen und internationale Aktienmärkte. Die Debatte über den weiteren Zinskurs in den USA bleibt damit ein zentrales Thema für alle, die in US-Werte oder globale ETFs investiert sind.


