US-Arbeitsmarkt: Stellenaufbau im Juni voraussichtlich abgekühlt
Nach drei starken Monaten erwartet der Markt für Juni nur noch 110.000 neue Stellen – die Fed-Zinsentscheidung bleibt offen.

Der US-Arbeitsmarkt dürfte im Juni an Schwung verloren haben. Laut einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen wird für den viel beachteten Arbeitsmarktbericht des US-Arbeitsministeriums ein Anstieg der Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft um 110.000 erwartet – nach einem Plus von 172.000 im Mai. Die Arbeitslosenquote soll den vierten Monat in Folge stabil bei 4,3 Prozent verharren.
Die erwartete Abschwächung folgt auf drei außergewöhnlich starke Monate: Im März und April legten die Beschäftigtenzahlen um 214.000 bzw. 179.000 zu. Der monatliche Durchschnitt der Stellenzuwächse in den drei Monaten bis Mai lag damit bei 188.000 – verglichen mit lediglich 63.000 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Schätzungen für Juni reichen dabei von 25.000 bis zu 200.000 neuen Stellen.
„Vor einigen Monaten war ich tatsächlich besorgt, weil wir in fünf Monaten Arbeitsplätze verloren hatten", sagte Dan North, Senior-Ökonom bei Allianz Trade Americas. „Wir haben in den letzten drei Monaten eine Festigung des Arbeitsmarktes erlebt, und ich sehe kein besonderes Ungleichgewicht. Wir befinden uns in dieser sehr ermüdenden ‚no hire, no fire'-Phase des Arbeitsmarkts."
Einwanderungspolitik senkt die Break-even-Rate
Ökonomen schätzen, dass die US-Wirtschaft monatlich zwischen null und 50.000 Arbeitsplätze schaffen muss, um mit dem Wachstum der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter Schritt zu halten. Diese sogenannte Break-even-Rate ist zuletzt gesunken, da ein härteres Vorgehen gegen Einwanderung das Arbeitskräfteangebot verringert hat – was die Arbeitslosenquote trotz geringerer Stellenzuwächse stabil hält.
Trotz der Unsicherheiten durch Zölle und den Nahostkonflikt zögern Unternehmen, Mitarbeiter zu entlassen. Der Hintergrund: Nach der COVID-Pandemie hatten viele Betriebe erhebliche Schwierigkeiten, Arbeitskräfte zu finden. Historisch niedrige Entlassungsraten gelten als wesentlicher Treiber des jüngsten Beschäftigungsanstiegs.
Allerdings spiegelt sich die Stärke der offiziellen Beschäftigtenzahlen nicht in allen anderen Indikatoren wider. Eine Umfrage des Conference Board zeigte, dass der Anteil der Verbraucher, die Arbeitsplätze als „schwer zu finden" einschätzen, im Juni ein fast 5,5-Jahres-Hoch erreichte. „Das eher Verwirrende ist, dass die Beschäftigungszahlen ziemlich stark waren, während alle anderen Arbeitsmarktindikatoren bei weitem nicht so robust ausfielen", sagte James Knightley, Chefökonom für internationale Märkte bei ING.
FIFA-Weltmeisterschaft als möglicher Sonderfaktor
Ökonomen sind geteilter Meinung über den Einfluss der FIFA-Weltmeisterschaft, die gemeinsam von den USA, Kanada und Mexiko ausgerichtet wird. Die Beschäftigtenzahlen im Gastgewerbe und Freizeitsektor sprangen im Mai um 70.000 nach oben. Analysten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass die WM das Beschäftigungswachstum im Juni um rund 40.000 Stellen ankurbeln könnte – konzentriert auf das Gastgewerbe, professionelle Dienstleistungen sowie Handel und Transport.
JPMorgan-Analysten hingegen sind skeptisch, ob die WM die Mai-Zahlen im Gastgewerbe maßgeblich beeinflusst hat. Sie verweisen stattdessen auf den früh liegenden Memorial Day. Dennoch erwarten auch sie, dass WM-bezogene Einstellungen einen stärkeren Rückgang in diesem Sektor im Juni begrenzen dürften.
Zinsentscheidung der Fed rückt in den Fokus
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Zur AktienanalyseDer Arbeitsmarktbericht hat unmittelbare Relevanz für die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve. Ökonomen erwarten, dass der Bericht eine Zinserhöhung im September weiterhin im Bereich des Möglichen hält – auch angesichts steigender Inflation. Die Fed beließ ihren Leitzins zuletzt in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent, signalisierte in aktualisierten Quartalsprognosen jedoch, dass die Entscheidungsträger in diesem Jahr mit einer Erhöhung der Kreditkosten rechnen.
Laut dem FedWatch-Tool der CME Group liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf der Fed-Sitzung am 15. und 16. September bei rund 50,7 Prozent. „Die Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt, die im letzten Jahr zu Zinssenkungen führten, sind nicht eingetreten", sagte Shruti Mishra, Ökonomin bei Bank of America Securities. „In Kombination mit der hartnäckigen Inflation stärkt dies das Argument für eine Rücknahme dieser Senkungen."
Beim Lohnwachstum wird für Juni ein Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne um 3,5 Prozent im Jahresvergleich erwartet, nach einem Plus von 3,4 Prozent im Mai. Der Bericht wird einen Tag früher als üblich veröffentlicht, da am Freitag ein gesetzlicher Feiertag anlässlich des 250. Jahrestages der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten begangen wird.


