US-Anleiherenditen fallen deutlich – Ölpreise brechen ein
Hoffnungen auf ein Ende des Nahost-Krieges drücken Energiepreise und Kreditkosten gleichzeitig nach unten.

Die Renditen für US-Staatsanleihen sind am Mittwoch deutlich gefallen. Auslöser war die wachsende Hoffnung auf ein Ende des zweimonatigen Krieges im Nahen Osten, die zugleich die Energiepreise stark unter Druck setzte. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen – die wichtigste Benchmark für staatliche Kreditaufnahmen weltweit – sank um mehr als 5 Basispunkte auf 4,358%. Ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozent; Renditen und Anleihekurse bewegen sich dabei stets in entgegengesetzte Richtungen.
Auch die anderen Laufzeiten gaben spürbar nach. Die zweijährige Schatzanleihe, die die kurzfristigen Zinsbewegungen der US-Notenbank Federal Reserve besonders eng widerspiegelt, verlor mehr als 6 Basispunkte und fiel auf 3,872%. Die Rendite der 30-jährigen Staatsanleihe sank um mehr als 4 Basispunkte auf 4,941%.
Trumps „Project Freedom" pausiert – Iran prüft Friedensvorschlag
Ausgelöst wurde die Bewegung an den Anleihemärkten durch eine Erklärung von US-Präsident Donald Trump. Er gab bekannt, dass „Project Freedom" – der militärische Einsatz der USA zur Begleitung von Handelsschiffen durch die strategisch bedeutsame Straße von Hormus – vorerst pausiert wird. Die Straße von Hormus gilt als eines der wichtigsten Nadelöhre im globalen Ölhandel; ein erheblicher Teil der weltweiten Ölexporte passiert täglich diese Meerenge.
Der Optimismus wurde zusätzlich befeuert, als das US-Nachrichtenportal Axios berichtete, dass die USA und der Iran kurz vor der Einigung auf ein einseitiges Abkommen zur Beendigung des Krieges stünden. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums bestätigte gegenüber dem Sender CNBC, dass Teheran einen 14 Artikel umfassenden Friedensvorschlag der USA „prüfe". Auf seiner Plattform Truth Social erklärte Präsident Trump, dass „große Fortschritte auf dem Weg zu einem vollständigen und endgültigen Abkommen mit Vertretern des Irans erzielt wurden".
Ölpreise brechen massiv ein
Die Energiemärkte reagierten mit starken Kursverlusten auf die Friedenshoffnungen. Die Futures für die US-Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) brachen um 8% auf 93 US-Dollar pro Barrel ein. Die internationale Referenzsorte Brent verbilligte sich um 7% auf 101 US-Dollar pro Barrel. Sinkende Ölpreise gelten als wichtiger Faktor für die Inflationsentwicklung und damit auch für die künftige Zinspolitik der Federal Reserve – was die Bewegung an den Anleihemärkten zusätzlich erklärt.
US-Arbeitsmarkt überrascht positiv
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Zur AktienanalyseParallel dazu behielten Anleger den amerikanischen Arbeitsmarkt im Blick. Der Personaldienstleister ADP meldete, dass die Beschäftigtenzahlen im privaten Sektor im April die Erwartungen übertrafen. Unternehmen schufen im Laufe des Monats 109.000 neue Stellen – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 61.000 Stellen im Vormonat und über den von Dow Jones befragten Ökonomen erwarteten 84.000.
Dennoch mahnen Experten zur Vorsicht bei der Interpretation der Daten. „Einige werden die heutige ADP-Schlagzeile als Zeichen dafür deuten, dass die Einstellungsdynamik ihre jüngste Schwächephase hinter sich lässt, aber wir haben unsere Zweifel", sagte Oliver Allen, Senior US-Ökonom bei Pantheon Macro. Er ergänzte: „Die erste offizielle Schätzung der privaten Lohn- und Gehaltslisten lag in letzter Zeit in der Regel höher als die erste Lesung von ADP, aber die Lücke ist alles andere als konsistent. Die im April implizierte Rebeschleunigung könnte schlichtweg Rauschen sein."
Die Kombination aus geopolitischer Entspannung, fallenden Ölpreisen und einem robusten Arbeitsmarktbericht sorgte damit für einen vielbeachteten Handelstag an den US-Finanzmärkten. Für deutsche Anleger sind die Entwicklungen bei US-Staatsanleihen besonders relevant, da sie als globale Referenzgröße für Zinsen und Bewertungen weltweit gelten.

