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US-Anleiherenditen: Anleger fürchten Inflation unter Fed-Chef Warsh

Investoren meiden langlaufende US-Staatsanleihen und erwarten steigende Renditen – angetrieben durch Energiepreise und Inflationssorgen.

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US-Anleiherenditen: Anleger fürchten Inflation unter Fed-Chef Warsh

Anleger weltweit stellen sich auf ein dauerhaft hohes Zinsniveau bei US-Staatsanleihen ein. Der Hintergrund: Steigende Ölpreise infolge des anhaltenden Nahostkonflikts befeuern die Inflation – und Investoren zweifeln daran, ob der künftige Fed-Vorsitzende Kevin Warsh die Lage in den Griff bekommen wird. Die Renditen langlaufender US-Papiere, allen voran die richtungsweisende zehnjährige Staatsanleihe, sind zuletzt sprunghaft angestiegen.

Seit Anfang März ist die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe um rund 45 Basispunkte geklettert und erreichte am Mittwoch ein Elfmonatshoch. Zuletzt notierte sie bei 4,484 Prozent. Einige Marktteilnehmer halten sogar einen Anstieg in Richtung der 5-Prozent-Marke für möglich – ein Niveau, das zuletzt im Oktober 2023 erreicht wurde.

Inflation im fünften Jahr über dem Zielwert

Christian Hoffman, Leiter des Bereichs festverzinsliche Wertpapiere bei Thornburg Investment Management in Santa Fe, New Mexico, bringt die Stimmung am Markt auf den Punkt: „Es ist keine Untertreibung zu sagen, dass die Inflation unangenehm war und über dem Zielwert lag. Das geht nun schon ins fünfte Jahr, und es gibt auch keine richtungsweisende Möglichkeit, die Anleger zu beruhigen und ihnen Sicherheit zu geben."

Investoren fordern angesichts des anhaltenden Preisdrucks eine höhere Entschädigung für das Inflationsrisiko – was sich direkt in steigenden Renditen niederschlägt. Höhere langfristige Renditen verteuern Kredite in der gesamten Wirtschaft: Hypotheken, Unternehmensanleihen und gehebelte Kredite werden teurer. Das belastet sowohl Verbraucher als auch Unternehmen.

Besonders eng verknüpft ist der Renditeanstieg mit der Entwicklung an den Energiemärkten. Byron Anderson, Leiter des Bereichs festverzinsliche Wertpapiere bei Laffer Tengler Investments in Scottsdale, Arizona, fasst es prägnant zusammen: „Wohin sich das Öl bewegt, dahin bewegen sich auch die Renditen." Für deutsche Anleger ist das relevant, da steigende US-Renditen auch die globalen Kapitalmärkte und den Euro-Raum beeinflussen.

Anleger meiden das lange Ende der Zinskurve

Das Szenario anhaltend hoher Renditen hat bereits konkrete Konsequenzen für die Portfolioallokation. Anderson erklärte, dass sein Unternehmen das lange Ende der Zinskurve derzeit fast vollständig meidet. Andere Investoren reduzieren ebenfalls ihr Engagement in Anleihen mit längerer Laufzeit, um sich gegen weiteren Renditeanstieg abzusichern.

Höhere Benchmark-Renditen könnten zudem Gegenwind für US-Aktienkurse bedeuten. Wenn Anleihen attraktivere Renditen bieten, werden sie als Anlageklasse wettbewerbsfähiger gegenüber Aktien. Gleichzeitig belasten steigende Kreditkosten das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne – ein doppelter Belastungsfaktor für die Aktienmärkte.

Warsh vor schwieriger Aufgabe

Der designierte Fed-Vorsitzende Kevin Warsh steht vor einer komplexen Ausgangslage. Investoren sehen ihn mit einer hartnäckigen Inflation konfrontiert, die durch externe Faktoren wie Energiepreise angetrieben wird und damit nur begrenzt durch Geldpolitik steuerbar ist. Hinzu kommt, dass Warsh laut Marktbeobachtern auf eine gespaltene Gruppe von Entscheidungsträgern innerhalb der Federal Reserve treffen könnte.

Für deutsche Privatanleger bedeutet das Umfeld erhöhter US-Renditen eine wichtige Orientierungsgröße: Steigende amerikanische Zinsen ziehen Kapital an, beeinflussen Wechselkurse und setzen auch europäische Anleihemärkte unter Druck. Die Entwicklung der US-Inflation und der Fed-Politik bleibt damit ein zentrales Thema für alle, die in internationale Anleihen oder Aktien investieren.

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