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US-Aktien vor schwierigem Sommer: Was Anleger jetzt wissen müssen

Nach der starken Rally zum inoffiziellen Sommerauftakt warnen Experten vor einer Konsolidierungsphase – wichtige Daten stehen bevor.

US-Aktien vor schwierigem Sommer: Was Anleger jetzt wissen müssen

Der US-Aktienmarkt startet mit guter Stimmung in den inoffiziellen Sommerbeginn. Der S&P 500 erklomm im Mai nach einer kräftigen Erholung von den Märztiefstständen neue Allzeithochs von über 7.500 Punkten. Am Freitag notierte der Index knapp unter diesem Rekordwert – und die Börsen bleiben am Montag wegen des amerikanischen Memorial-Day-Feiertags geschlossen.

Doch trotz der positiven Stimmung mehren sich die Warnsignale. Experten sehen den Markt an einem Punkt, an dem eine Atempause nicht nur möglich, sondern sogar gesund wäre. Mit dem Ende der Berichtssaison für das erste Quartal und einem dünner werdenden Nachrichtenkalender fehlen kurzfristig wichtige Kurstreiber.

„Man braucht eine kleine Pause und eine Phase der Konsolidierung", sagt Mark Hackett, Chefstratege für Anlagestrategie bei der Investment Management Group von Nationwide. „Denn man möchte nicht so weit vorauslaufen, dass man den Bezug zur Realität verliert."

Wachsende Risiken im Hintergrund

Der Aktienmarkt hat sich zuletzt als außergewöhnlich widerstandsfähig erwiesen – und das angesichts erheblicher Belastungsfaktoren. Der anhaltende Krieg im Iran hat die globalen Lieferketten stark beeinträchtigt. Experten gehen davon aus, dass die Benzinpreise in absehbarer Zeit nicht auf das Niveau vor dem Krieg zurückkehren werden, was vor allem Verbraucher mit geringerem Einkommen belasten dürfte.

Hinzu kommt: Die Renditen länger laufender Staatsanleihen sind auf ein Niveau gestiegen, das seit der Zeit vor der Finanzkrise nicht mehr erreicht wurde. Zudem wird nun erwartet, dass der nächste Schritt der US-Notenbank Federal Reserve eine Zinserhöhung und keine Senkung sein wird – da Zentralbanken weltweit versuchen, die steigende Inflation einzudämmen.

Ein weiteres Warnsignal liefert eine viel beachtete Umfrage unter Fondsmanagern von Bank of America Securities: Die durchschnittlichen Cash-Quoten in den Portfolios sind von 4,3 % auf 3,9 % gesunken. Ein Rückgang unter die 4,0 %-Marke gilt traditionell als Verkaufssignal. Wenn professionelle Anleger ihre Barreserven aufbrauchen, um der Rally hinterherzujagen, fehlt ihnen künftig das Kapital für weitere Käufe – etwa in Halbleiter- oder Quanten-Aktien.

„Ich erwarte, dass ein Großteil des leicht verdienten Geldes – diese Rally von 20 % – wahrscheinlich hinter uns liegt", so Hackett von Nationwide.

Wichtige Wirtschaftsdaten in der kommenden Woche

Die verkürzte Handelswoche nach dem Feiertag bringt dennoch marktbewegende Ereignisse. Besonders im Fokus steht der PCE-Preisindex (Preisindex für persönliche Konsumausgaben), der am Donnerstag veröffentlicht wird. Für den Kern-PCE, der Lebensmittel und Energie ausschließt, wird im April ein Anstieg von 3,4 % im Jahresvergleich erwartet – nach 3,2 % im März. Damit würde sich die Inflation weiter vom 2-%-Ziel der Notenbank entfernen.

Auf der Unternehmensseite könnten Quartalszahlen von Salesforce (Bestandteil des Dow Jones Industrial Average), Dell Technologies, Costco Wholesale und Dollar Tree für Bewegung sorgen. Negative Kommentare zum Konsumverhalten dieser Unternehmen hätten das Potenzial, die Märkte spürbar zu belasten.

Auch der saisonale Ausblick gibt wenig Anlass zur Euphorie. Laut dem Stock Trader's Almanac ist der Juni in Zwischenwahljahren historisch gesehen der schlechteste Monat für die wichtigsten US-Indizes. Der S&P 500 hat in diesem Monat im Durchschnitt 2,1 % verloren.

Fundamentaldaten bleiben solide

Trotz aller Risiken ist das fundamentale Bild nicht düster. Die abgelaufene Berichtssaison hat gezeigt, dass Unternehmen zunehmend starke Renditen aus ihren KI-Investitionen erzielen. Der US-Verbraucher zeigt sich bislang widerstandsfähig, wobei die Auswirkungen der Steuersenkungen aus dem One Big Beautiful Bill Act dazu beitragen, die höheren Energiepreise teilweise auszugleichen.

Für deutsche Anleger, die in US-Aktien investiert sind, bleibt die Lage damit zweigeteilt: Kurzfristig droht Gegenwind durch Inflation, steigende Anleiherenditen und saisonale Schwäche. Mittelfristig stützen jedoch solide Unternehmensgewinne und die KI-getriebene Wachstumsdynamik den Markt. Eine selektive und disziplinierte Anlagestrategie dürfte in den kommenden Wochen entscheidend sein.

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