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US-Aktien auf Rekordniveau: Berichtssaison übernimmt das Steuer

Nach beeindruckender Erholung von kriegsbedingten Verlusten richten Anleger ihren Blick auf die laufende US-Quartalssaison.

US-Aktien auf Rekordniveau: Berichtssaison übernimmt das Steuer

Die US-Aktienmärkte haben ihre kriegsbedingten Verluste vollständig aufgeholt und neue Rekordstände erreicht. Der S&P 500 verzeichnete am Mittwoch seinen ersten Rekordschlussstand seit dem 27. Januar, der Nasdaq Composite seinen ersten Allzeithoch-Schlussstand seit dem 29. Oktober. Auslöser der Rally war die Hoffnung auf eine Entspannung der Spannungen zwischen den USA und dem Iran.

Seit seinem jüngsten Tiefstand am 30. März ist der S&P 500 um beeindruckende 12% gestiegen und schloss erstmals über der Marke von 7.000 Punkten. Zuvor hatte der Rückgang nach Kriegsbeginn den Index um 9% von seinem Januar-Hoch nach unten gezogen. Die Geschwindigkeit der Erholung ist historisch einmalig: Laut der Bespoke Investment Group war der S&P 500 noch nie zuvor in nur 11 Handelstagen von einem Rücksetzer zwischen 5% und 10% wieder auf Allzeithochs geklettert.

„Die Geschwindigkeit dieses Anstiegs war schlichtweg erstaunlich", schrieb Jim Reid, Leiter des Bereichs Makro- und Themenresearch bei der Deutschen Bank. Auch der Nasdaq glänzte mit einer bemerkenswerten Serie: Er beendete den Freitag den 13. Handelstag in Folge mit einem Plus – das erste Mal seit 1992.

Berichtssaison als nächster Kurstreiber

Mit den Rekordständen im Rücken richten die Anleger ihren Fokus nun auf die laufende Berichtssaison für das erste Quartal. Fast ein Fünftel der im S&P 500 gelisteten Unternehmen wird in der kommenden Woche seine Ergebnisse vorlegen. Laut LSEG IBES werden die Gewinne im S&P 500 im ersten Quartal voraussichtlich um etwa 14% gegenüber dem Vorjahr steigen.

„Ich denke, der Markt hat seine Aufmerksamkeit nun auf die Unternehmensgewinne verlagert und darauf, wie die Aktien auf diese Gewinne reagieren", sagte Chuck Carlson, Chief Executive Officer bei Horizon Investment Services. Carlson betonte jedoch auch, dass man „sicherlich noch nicht über den Berg" sei, was kriegsbedingte Entwicklungen angeht, die tägliche Marktschwankungen auslösen könnten.

Besonders im Fokus steht Tesla, das als erster der sogenannten „Magnificent Seven"-Megacaps am Mittwoch über das abgelaufene Quartal berichten wird. Weitere wichtige Unternehmen auf dem Berichtskalender sind der Flugzeugbauer Boeing, der Halbleiterhersteller Intel sowie der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble. Schwergewichte wie Microsoft, Alphabet und Meta folgen in der darauffolgenden Woche.

Die Großbanken eröffneten die Berichtssaison bereits in dieser Woche mit sprunghaft ansteigenden Handelserträgen nach einem volatilen ersten Quartal. Sie äußerten sich zwar vorsichtig zu den wirtschaftlichen Risiken, betonten jedoch gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit der Verbraucher und Haushalte.

Risiken durch hohe Ölpreise und Überhitzungszeichen

Nicht alle Marktteilnehmer teilen den Optimismus uneingeschränkt. US-Rohöl notierte am Freitag bei rund 85 Dollar pro Barrel – ein deutlicher Anstieg gegenüber rund 67 Dollar Ende Februar, kurz vor den US-israelischen Militärschlägen gegen den Iran. Michael Mullaney, Direktor für globale Marktforschung bei Boston Partners, warnt vor den Folgeeffekten dauerhaft erhöhter Ölpreise, darunter höhere Inflation und steigende Renditen von Staatsanleihen.

„Der Aktienmarkt behandelt die Ereignisse der letzten sechs Wochen so, als wäre er gerade aus einem bösen Traum erwacht", sagte Mullaney. „Als gäbe es keine weiteren Auswirkungen oder Konsequenzen daraus. Dem stimme ich nicht zu."

Anleger achten zudem auf Anzeichen von Überhitzung am Markt. Als Beispiel gilt der Kurssprung der Aktien des Schuhherstellers Allbirds, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, sich auf KI-Recheninfrastruktur zu konzentrieren. Dennoch sehen viele Strategen die breite Marktbeteiligung als positives Zeichen. „Wenn man eine breite Marktbeteiligung sieht, neue Höchststände erreicht werden und die Schwergewichte nun wieder etwas zum Leben erwachen, dann ist das meiner Meinung nach eine ziemlich gesunde Entwicklung", sagte Jeff Weniger, Leiter der Aktienstrategie bei WisdomTree.

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