Unternehmensanleihen: Hohe Renditen reichen Anlegern dennoch nicht aus
US-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating werfen knapp 6% ab – doch die Risikoprämie gegenüber Staatsanleihen ist historisch gering.

Anleger, die ihr Kapital in langfristige Anleihen der kreditwürdigsten US-Unternehmen investieren, können derzeit Renditen von knapp unter 6% erzielen. Das zeigen aktuelle Indexdaten von ICE BofA via FactSet für Investment-Grade-Anleihen mit einer Mindestlaufzeit von zehn Jahren. Die gewichtete durchschnittliche Laufzeit der Papiere in diesem Index liegt sogar bei über 20 Jahren.
Damit befinden sich die Renditen auf einem Niveau, das während der langen Niedrigzinsphase nach der Finanzkrise 2008/09 kaum vorstellbar war. Damals lagen die Renditen vergleichbarer Anleihen oft deutlich unter 5%. Für langfristig orientierte Anleger, die primär auf regelmäßige Erträge setzen, klingt das Angebot zunächst attraktiv.
Risikoprämie auf historischem Tiefstand
Doch der Blick auf die Risikoprämien – also die Renditeaufschläge gegenüber sicheren US-Staatsanleihen (Treasurys) – trübt das Bild. Der sogenannte Spread zwischen langfristigen Investment-Grade-Unternehmensanleihen mit Laufzeiten über zehn Jahren und kurzlaufenden Papieren mit ein bis drei Jahren Laufzeit beträgt laut ICE BofA-Indexdaten derzeit nur rund einen halben Prozentpunkt. Dieser Wert bewegt sich nahe dem Tiefpunkt der gesamten Ära nach der Finanzkrise von 2008 – abgesehen von einem kurzen, starken Einbruch während der Covid-19-Pandemie.
Zum Vergleich: Im Jahr 2022 lag diese Differenz zeitweise bei einem vollen Prozentpunkt. Anleger erhalten also heute für die Übernahme des deutlich höheren Langzeitrisikos vergleichsweise wenig Entschädigung. Denn je länger die Laufzeit einer Anleihe, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich wirtschaftliche, unternehmensspezifische oder geopolitische Rahmenbedingungen dramatisch verändern.
Zweifel an der Nachhaltigkeit der Unternehmensgewinne
Ein niedriger Spread ist grundsätzlich dann gerechtfertigt, wenn das Gewinnwachstum der Unternehmen über einen langen Zeitraum stark bleibt und die Kreditaufnahme verhältnismäßig verhalten ausfällt. Genau das stellen Marktbeobachter jedoch zunehmend in Frage. Es gibt Hinweise darauf, dass die aktuellen Unternehmensgewinne durch Sonderfaktoren vorübergehend aufgebläht sein könnten – etwa durch Zollrückerstattungen oder die verzögerte Abschreibung von Vermögenswerten im Bereich der künstlichen Intelligenz, wie beispielsweise Speicherchips.
Hinzu kommt eine weitere strukturelle Sorge: Der massive Ausbau von KI-Infrastruktur dürfte in den kommenden Jahren erheblichen Fremdkapitalbedarf erzeugen. Sollten Unternehmen deutlich mehr Schulden aufnehmen müssen, um ihre KI-Investitionen zu finanzieren, könnte dies die Kreditqualität belasten und die aktuell engen Spreads unter Druck setzen.
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Zur AktienanalyseFazit für Anleger
Für deutsche Privatanleger, die in US-Unternehmensanleihen investieren möchten, ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Die absoluten Renditen von knapp 6% sind im historischen Vergleich durchaus attraktiv und liegen weit über dem, was in der Niedrigzinsphase der 2010er-Jahre möglich war. Wer jedoch das eingegangene Laufzeit- und Kreditrisiko ins Verhältnis zur erhaltenen Prämie setzt, stellt fest: Die Entschädigung für dieses Risiko ist derzeit ungewöhnlich gering. Anleger sollten daher genau abwägen, ob die aktuellen Renditen das langfristige Risiko tatsächlich angemessen vergüten.


