Unsicherheit bei Thyssen-Krupp-Teilverkauf
Pensionslasten und Finanzbedarf belasten Verhandlungen mit Kretinsky

Wenige Tage vor der Aufsichtsratssitzung von Thyssen-Krupp sind wesentliche Details zum Teilverkauf der Stahlsparte ungeklärt. Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky soll sich über seine Beteiligungsfirma EPCG mit 20 Prozent an der Stahltochter beteiligen, langfristig ist ein 50:50-Joint-Venture vorgesehen. Doch bislang fehlt eine klare Entscheidung über das Engagement von Kretinsky, da wichtige Fragen offen bleiben. Besonders die Pensionsverpflichtungen der Stahlsparte, die rund 2,6 Milliarden Euro betragen, stellen ein erhebliches Hindernis dar. Vertreter aus dem Konzern fordern, dass diese Verpflichtungen ausfinanziert werden, was bisher nicht geschehen ist.
Ein weiteres Problem sind die hohen Pensionsrückstellungen, die jährlich etwa 400 Millionen Euro kosten. Diese Verpflichtungen sind für den geplanten Teilverkauf ein großer Nachteil und könnten dazu führen, dass die Stahlsparte unter Wert verkauft wird. Insider berichten, dass der Preis für Kretinskys Beteiligung bei rund 200 Millionen Euro liegen soll, was deutlich unter dem Buchwert der Sparte liegt. Zudem zeigt Kretinsky bisher keine Bereitschaft, die Pensionslasten zu übernehmen.
Neben den Pensionslasten benötigt die Stahlsparte zusätzliche Finanzmittel, um die Liquidität in den kommenden Jahren zu sichern. Insider schätzen, dass hierfür rund drei Milliarden Euro erforderlich sind, doch über deren Verbleib gibt es bislang keine Einigung. Ein Konzernsprecher erklärte, dass die Pensionsverbindlichkeiten bei einer 20-prozentigen Beteiligung weiterhin bei den Gesellschaften der Stahlsparte verbleiben und aus der operativen Ertragskraft des Unternehmens bedient werden müssen.
Zudem ist die generelle Zukunft der Stahlsparte ungewiss. Thyssen-Krupp plant, die Produktionskapazität am Standort Duisburg deutlich zu reduzieren, von derzeit 11,5 Millionen Tonnen auf 9 bis 9,5 Millionen Tonnen im Jahr. Dies wird auch zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen, der sowohl die Produktions- als auch die Verwaltungsbereiche betrifft. Die Arbeitnehmerseite des Konzerns und die Gewerkschaft IG Metall haben wiederholt betont, um den Standort kämpfen zu wollen.
Die Zustimmung zum Umbau und möglichen Teilverkauf liegt beim Aufsichtsrat der Stahltochter, der dem Montanmitbestimmungsgesetz unterliegt. Mit dem Einstieg Kretinskys könnte der Beherrschungsvertrag zwischen Thyssen-Krupp und seiner Stahltochter auf der Kippe stehen. Sollte dieser Vertrag aufgelöst werden, müsste die Stahlsparte alleine für ihre Verluste aufkommen. Kretinsky hat zudem ein Rückzugsrecht aus der Beteiligung, das er noch in einem halben Jahr nach Vertragsabschluss ziehen kann, sodass bis dahin kein Geld für den Teilverkauf an den Konzern fließen würde.
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Zur AktienanalyseDie Arbeitnehmerseite kritisiert den Verhandlungsprozess und die Umbaupläne scharf und wirft dem Vorstand Intransparenz vor. Am 30. April hatten Tausende Stahlarbeiter mit der Gewerkschaft IG Metall am Standort in Duisburg protestiert, und für den 23. Mai ist eine weitere Protestaktion in Essen angekündigt. Der Ausgang der Verhandlungen ist ungewiss, und die Zukunft der Stahlsparte von Thyssen-Krupp bleibt weiterhin in der Schwebe.


