United Airlines senkt Gewinnprognose wegen explodierender Kerosinpreise
Der Iran-Krieg treibt die Treibstoffkosten in die Höhe – United Airlines reagiert mit Prognosekürzung und Flugplanreduzierungen.

United Airlines hat am Dienstag seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2026 deutlich nach unten korrigiert. Als Hauptgrund nennt die US-Fluggesellschaft den massiven Anstieg der Kerosinpreise infolge des Krieges gegen den Iran. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll nun zwischen 7 und 11 US-Dollar liegen – ein erheblicher Rückgang gegenüber der bisherigen Prognose.
Noch im Januar hatte United einen bereinigten Gewinn je Aktie von 12 bis 14 US-Dollar in Aussicht gestellt – mehr als einen Monat vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran. Von der Nachrichtenagentur LSEG befragte Analysten hatten zuletzt im Schnitt 9,58 US-Dollar je Aktie für das Gesamtjahr erwartet. Die neue Spanne von 7 bis 11 Dollar verdeutlicht, wie stark der Treibstoffkostenschock das Unternehmen belastet.
Kerosinpreise auf dem Höchststand
Der Preis für Kerosin in den USA lag am Montag bei 3,51 US-Dollar pro Gallone. Zwar ist das weniger als der Höchststand von 4,78 Dollar am 2. April, doch liegt er weit über dem Niveau von 2,39 Dollar vom 27. Februar – dem Tag vor den ersten Angriffen auf den Iran. Diese Preisentwicklung, ermittelt vom Datenanbieter Platts, setzt die gesamte Luftfahrtbranche unter Druck.
Für das zweite Quartal 2026 erwartet United einen bereinigten Gewinn zwischen 1 und 2 US-Dollar je Aktie. Analysten hatten hier mit 2,08 Dollar gerechnet. United schätzt, dass der Treibstoffpreis im zweiten Quartal durchschnittlich 4,30 US-Dollar pro Gallone betragen wird. Das Unternehmen geht davon aus, dass der Umsatz im zweiten Quartal lediglich 40 bis 50 Prozent des Treibstoffpreisanstiegs abdecken kann – im dritten Quartal sollen es bis zu 80 Prozent sein, bis Jahresende zwischen 85 und 100 Prozent.
Starkes erstes Quartal trotz Gegenwind
Trotz des schwierigen Umfelds präsentierte United für das erste Quartal 2026 solide Zahlen. Der Gesamtumsatz stieg um mehr als 10 Prozent auf 14,61 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 13,21 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn legte um 80 Prozent auf 699 Millionen US-Dollar zu – das entspricht 2,14 US-Dollar je Aktie, nach 387 Millionen bzw. 1,16 Dollar je Aktie im Vorjahr. Bereinigt um Einmaleffekte wies United einen Gewinn von 1,19 US-Dollar pro Aktie aus.
Besonders stark entwickelte sich der Erlös pro angebotener Sitzmeile (Unit Revenue), ein zentraler Leistungsindikator der Branche. Im US-Inlandsgeschäft stieg dieser Wert im Vergleich zum Vorjahr um 7,9 Prozent auf 7,9 Milliarden US-Dollar – ein Zeichen für erhebliche Preissetzungsmacht im Quartal.
Flugpläne werden angepasst
United bekräftigte, dass die Flugpläne angepasst werden, um auf die höheren Treibstoffkosten zu reagieren. Für die zweite Jahreshälfte wird eine Kapazität erwartet, die im Vergleich zum Vorjahr unverändert bleibt oder um etwa 2 Prozent steigt. Im ersten Quartal hatte das Wachstum noch 3,4 Prozent betragen. Damit folgt United dem Branchentrend: Auch andere Fluggesellschaften kürzen geplante Flüge, um Kosten zu senken.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseAlaska Airlines zog am Montag aufgrund der höheren Treibstoffpreise seine Prognose für 2026 vollständig zurück. Alaska-CEO Ben Minicucci erklärte am Dienstag vor Analysten, dass die Flugpreise um etwa 25 US-Dollar angehoben wurden, um die gestiegenen Kosten weiterzugeben. Führungskräfte der Branche betonen, dass die Nachfrage trotz höherer Ticketpreise und Gepäckgebühren robust geblieben sei. Die Luftfahrtbranche setzt dabei zunehmend auf zahlungskräftige Reisende, die weniger preissensibel sind und bereit sind, für mehr Komfort und größere Sitze zu zahlen.
Fusionsspekulationen rund um United-Chef Kirby
Neben den Quartalszahlen dürfte United-CEO Scott Kirby bei der Telefonkonferenz am Mittwoch um 10:30 Uhr ET auch zu möglichen Fusionsplänen befragt werden. Kirby hatte Anfang des Jahres gegenüber einem Beamten der Trump-Regierung eine mögliche Fusion mit American Airlines ins Gespräch gebracht, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person berichtete. US-Präsident Donald Trump sprach sich jedoch gegen die Idee aus. Auch American Airlines lehnte eine Fusion ab.


