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Uniper-Privatisierung: Bund startet offiziellen Verkaufsprozess für Energiekonzern

Das Bundesfinanzministerium hat eine Verkaufsanzeige in der „Financial Times" geschaltet – der Startschuss für die Reprivatisierung des verstaatlichten Gasriesen.

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Uniper-Privatisierung: Bund startet offiziellen Verkaufsprozess für Energiekonzern

Deutschlands größter Gashändler steht zum Verkauf. Das Bundesfinanzministerium hat in der „Financial Times" eine Anzeige geschaltet, mit der offiziell Kaufinteressenten für den Energiekonzern Uniper gesucht werden. Damit ist der Startschuss für einen der größten Privatisierungsprozesse der jüngeren deutschen Geschichte gefallen.

Hintergrund ist die Rettung des Konzerns im Jahr 2022: Als Russland nach dem Angriff auf die Ukraine kein Pipelinegas mehr lieferte, explodierten die Preise für Ersatzlieferungen. Uniper stand kurz vor dem Zusammenbruch – auf dem Spiel stand zeitweise die Gasversorgung von rund 1.000 Stadtwerken und Industrieunternehmen. Der Staat griff mit Milliarden-Beihilfen ein und wurde faktisch Alleineigentümer des Konzerns.

EU-Auflage zwingt zum Handeln

Die EU-Kommission hatte die staatlichen Hilfen seinerzeit unter strengen Auflagen genehmigt. Eine davon: Deutschland muss seine Beteiligung bis spätestens Ende 2028 auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie reduzieren. Analysten rechnen damit, dass der Bund durch den Verkauf der Mehrheitsbeteiligung mehrere Milliarden Euro erlösen wird.

Investoren können ihr Interesse laut der Anzeige bis zum 12. Juni um 12.00 Uhr mittags registrieren lassen. Damit will der Bund zunächst die Nachfrage potenzieller Direktinvestoren sondieren. Ein Börsengang bleibe jedoch „weiterhin eine mögliche und gleichberechtigte Option", betonte eine Ministeriumssprecherin. Offen ist also noch, ob die Privatisierung über die Börse, direkt an Investoren oder in einer Kombination aus beidem erfolgt.

Klar ist hingegen, was der Bund nach dem Prozess behalten will: eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie an der Uniper SE. Zudem stellt das Ministerium klar, dass die Versorgungssicherheit Deutschlands im Verkaufsprozess gewahrt bleiben müsse.

Uniper-Chef sieht Konzern gut aufgestellt

Uniper-Chef Michael Lewis begrüßte die Ankündigung. Der Konzern sei heute „stabiler, resilienter und strategisch klarer aufgestellt" als noch vor einigen Jahren. Das Geschäft sei auf verlässliche Erträge ausgerichtet, die Bilanz stark. Lewis betonte, Uniper sei wieder in der Lage, Dividenden auszuschütten und gleichzeitig gezielt in Wachstum und Transformation zu investieren. Über Form und Zeitplan der Reprivatisierung entscheide jedoch der Bund.

Uniper ist dabei weit mehr als ein reiner Gashändler. Der Konzern betreibt Steinkohle- und Gaskraftwerke in Deutschland, Großbritannien und Schweden, erzeugt Strom aus Wasserkraft und ist in Schweden Mehrheitseigentümer eines Atomkraftwerks. In Deutschland ist Uniper zudem der größte Betreiber von Gasspeichern. Am Hauptsitz in Düsseldorf und weltweit beschäftigt das Unternehmen Ende März knapp 7.200 Mitarbeiter.

Gewerkschaft und Betriebsrat gegen Direktverkauf

Widerstand kommt von der Arbeitnehmerseite. Die Gewerkschaft Verdi lehnt einen außerbörslichen Verkauf ab und fordert stattdessen einen erneuten Börsengang – bei gleichzeitigem Verbleib einer staatlichen Sperrminorität. Verdi-Bundesfachgruppenleiter Rolf Wiegand betonte, man wolle Uniper als starkes, selbstständiges Unternehmen erhalten.

Noch deutlicher formulierte es der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats Martin Geilhorn gegenüber der „Rheinischen Post": „Einen außerbörslichen Verkauf lehnen wir kategorisch ab." Die Unabhängigkeit des Konzerns sei essenziell, um die Rechte und Interessen der Mitarbeitenden zu schützen. Die Linken-Bundestagsfraktion geht noch weiter und fordert, Uniper gar nicht zu privatisieren – ein staatlicher Energiekonzern sei angesichts hoher Energiepreise „zeitgemäßer denn je".

Auch Sefe steht zur Privatisierung an

Parallel zur Uniper-Privatisierung muss die Bundesregierung auch die Sefe GmbH wieder in private Hände überführen. Das Unternehmen – früher eine Tochter des russischen Gaskonzerns Gazprom und heute einer der größten Gasimporteure Deutschlands – wurde ebenfalls im Zuge der Gaskrise verstaatlicht. Auch hier gilt die EU-Frist bis Ende 2028. Wie die Privatisierung von Sefe konkret aussehen soll, ist laut Bundeswirtschaftsministerium noch offen – verschiedene Optionen würden „unvoreingenommen geprüft".

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