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UniCredit sichert sich Stimmrechtskontrolle über die Commerzbank

Andrea Orcel hat trotz massivem Widerstand der Bundesregierung eine Beinahe-Mehrheitsbeteiligung an der Commerzbank erlangt.

UniCredit sichert sich Stimmrechtskontrolle über die Commerzbank

UniCredit-Chef Andrea Orcel hat einen der spektakulärsten Banken-Coups der jüngeren europäischen Geschichte vollzogen. Der italienische Banker hat für sein Institut eine Beteiligung von knapp unter 50 Prozent an der Commerzbank eingefädelt – und damit die Stimmrechtskontrolle über das deutsche Geldhaus erlangt. Dies geschah trotz lautstarken Widerstands der Bundesregierung und des Commerzbank-Vorstands selbst.

UniCredit teilte am Mittwoch mit, dass die Bank sich die Stimmrechtskontrolle über die Commerzbank-Aktien wahrscheinlich gesichert hat, nachdem sie ihren Anteil im Rahmen eines öffentlichen Übernahmeangebots auf knapp unter 50 Prozent ausgebaut hat. Damit dürfte UniCredit nun in der Lage sein, auf der Hauptversammlung im nächsten Jahr die Besetzung von Aufsichtsrat und Vorstand zu diktieren und die gewünschten Strategieänderungen durchzusetzen.

Die Commerzbank reagierte zurückhaltend auf das Ergebnis. Das deutsche Geldhaus erklärte am Mittwoch, man habe das Ergebnis zur Kenntnis genommen und sei offen für einen konstruktiven Dialog im Hinblick auf eine einvernehmliche Lösung. Eine klare Ablehnung klingt anders – ein Zeichen, dass die Kräfteverhältnisse sich verschoben haben.

Hedgefonds und Regulierer auf Orcels Seite

Entscheidend für den Erfolg der Transaktion war die Unterstützung durch paneuropäische Regulierungsbehörden sowie durch Hedgefonds und andere Investoren. Diese zeigten sich bereit, Orcels Vision einer Umgestaltung der als verkrustet geltenden deutschen Bankenlandschaft zu unterstützen. Damit setzte sich der Markt letztlich gegen den politischen Widerstand aus Berlin durch.

Die Transaktion gilt als Lackmustest für die Fähigkeit Europas, seine Wirtschaft enger zu verzahnen und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Eine grenzüberschreitende Bankenfusion dieser Größenordnung wäre ein starkes Signal für die europäische Kapitalmarktunion – ein Projekt, das seit Jahren auf politischer Ebene diskutiert, aber kaum vorangetrieben wird.

Orcel: Vom Star-Banker zum Architekt eines Bankenriesen

Andrea Orcel ist in europäischen Bankenkreisen keine unbekannte Größe. Bereits während seiner Karriere im Investmentbanking fädelte er für andere Finanzunternehmen bedeutende Deals ein. Bekannt wurde er auch durch ein geplatztes Stellenangebot der spanischen Großbank Santander, das ihn einer Berichterstattung zufolge um 75 Millionen Dollar reicher machte.

Orcel selbst gibt sich kämpferisch – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Er boxt als Ausgleich und nennt als frühe Inspiration den römischen Feldherrn Scipio, der mit kluger Taktik den Karthager Hannibal und seine Kriegselefanten besiegte, um eine scheinbar aussichtslose Schlacht zu gewinnen. Die Parallele zu seinem Vorgehen bei der Commerzbank drängt sich auf: Geduld, Strategie und der Wille, auch gegen übermächtig wirkende Gegner anzutreten.

Für deutsche Privatanleger und Beobachter des Finanzmarkts stellt sich nun die Frage, wie sich die neue Machtstruktur bei der Commerzbank auf die Strategie, die Dividendenpolitik und die Mitarbeiter des Frankfurter Instituts auswirken wird. Die Hauptversammlung im nächsten Jahr dürfte zur entscheidenden Bühne für die nächste Phase dieses historischen Übernahmedramas werden.

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