Ungarns Haushaltsdefizit 2026 könnte laut Magyar 7% übersteigen
Premierminister Peter Magyar warnt vor einem Rekorddefizit – und macht seinen Vorgänger Viktor Orban dafür verantwortlich.

Ungarns neuer Premierminister Peter Magyar hat am Montag vor einem massiven Haushaltsdefizit gewarnt. Demnach könnte das Defizit im Jahr 2026 die Marke von 7% der Wirtschaftsleistung überschreiten – und das trotz einer Einigung zur Freigabe von EU-Fördergeldern in Milliardenhöhe. Ein solches Defizit wäre das größte Haushaltsloch unter allen EU-Mitgliedstaaten, basierend auf den jüngsten Wirtschaftsprognosen der Europäischen Kommission.
Magyar hatte seinen Vorgänger Viktor Orban bei den Wahlen am 12. April in einem Erdrutschsieg besiegt. Seitdem zeichnet sich ein düsteres Bild der ungarischen Staatsfinanzen ab. Das Haushaltsdefizit war in den ersten vier Monaten des Jahres deutlich angestiegen – Magyar zufolge eine direkte Folge vorwahlbedingter Ausgaben unter der rechtsgerichteten Regierung Orban. Im Mai sank das Defizit leicht, nachdem der Ausgabenanstieg zunächst seinen Höhepunkt erreicht hatte.
Orban unter Beschuss: Vorwurf der Täuschung
Magyar warf seinem Vorgänger vor, die Öffentlichkeit über den tatsächlichen Zustand der Staatsfinanzen getäuscht zu haben. Ohne die erzielte Einigung über die Freigabe von EU-Mitteln hätte das Defizit für 2026 sogar 8% der Wirtschaftsleistung überschritten, erklärte der Premierminister. Die Vereinbarung mit der EU war möglich geworden, nachdem Magyar versprochen hatte, Korruption zu bekämpfen und von Orban eingeführte Reformen rückgängig zu machen, die als demokratiefeindlich eingestuft worden waren.
Die neue Regierung hat sich verpflichtet, dem Parlament nach einer gründlichen Prüfung der öffentlichen Finanzen bis Ende August einen revidierten Haushalt für 2026 vorzulegen. Darüber hinaus soll ein mittelfristiger Finanzplan folgen, der Ungarns Strategie zur Erfüllung der Kriterien für die Euro-Einführung bis etwa 2030 skizziert. Damit sendet Budapest ein klares Signal in Richtung Brüssel und der Finanzmärkte.
Ratingagenturen beobachten Ungarn genau
Die Lage ist auch für internationale Investoren und Ratingagenturen von Bedeutung. Diese beobachten Ungarns Bemühungen um eine glaubwürdige Finanzplanung sowie die Kontrolle des Schuldenwachstums aufmerksam. Das Schuldenwachstum des Landes ist das höchste in der EU außerhalb der Eurozone – ein Umstand, der die Kreditwürdigkeit des Landes unter Druck setzt.
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Zur AktienanalyseFür deutsche Anleger und EU-Beobachter ist die Entwicklung in Ungarn aus mehreren Gründen relevant:
- Ein Defizit von über 7% würde Ungarn zum Spitzenreiter unter den EU-Defizitsündern machen
- Die Freigabe von EU-Mitteln ist an politische Reformen geknüpft
- Die angestrebte Euro-Einführung bis 2030 erfordert strikte Haushaltsdisziplin
- Ratingagenturen könnten bei ausbleibender Konsolidierung die Kreditwürdigkeit herabstufen
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die neue Regierung Magyar die nötige Haushaltsdisziplin durchsetzen kann. Der bis Ende August angekündigte revidierte Haushalt gilt dabei als erster wichtiger Prüfstein für die Glaubwürdigkeit der neuen Führung in Budapest.

