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Ungarn: Klimawandel verwandelt einstiges Feuchtgebiet-Paradies in Halbwüste

Ungarns wasserreiche Landschaft steht vor einer existenziellen Bedrohung – Grundwasserspiegel sinken dramatisch, Investitionen von 12 Milliarden Euro nötig.

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Ungarn: Klimawandel verwandelt einstiges Feuchtgebiet-Paradies in Halbwüste

Ungarn war einst ein Paradies aus Feuchtgebieten. Die Auen der Donau und der Theiß, der beiden großen Flüsse des Landes, erstreckten sich über eine Breite von bis zu 30 Kilometern und verzweigten sich in unzählige Kanäle. Diese Landschaft versorgte eine reiche Tierwelt und fruchtbares Ackerland gleichermaßen. Heute ist dieses Wasser fast vollständig verschwunden – beschleunigt durch den Klimawandel.

Premierminister Péter Magyar wählte für seine erste Kabinettssitzung im Mai einen symbolträchtigen Ort: den Nationalen Gedenkpark Ópusztaszer, die Gedenkstätte zur ungarischen Landnahme im Jahr 895. Dort schlug er sogleich Alarm. „Es herrscht eine immense Dürre", erklärte er. „An manchen Orten liegt der Grundwasserspiegel sieben Meter unter dem Niveau von vor einem Jahrzehnt. Dies ist ein Teufelskreis, der immer mehr an Dynamik gewinnt."

Historische Wurzeln einer Wasserkultur

Die Bedeutung des Wassers für Ungarn reicht weit zurück. Der Legende nach erhielten die ersten Magyarenstämme bei ihrer Ankunft im Karpatenbecken Proben von Wasser, Erde und Gras als Symbole für den Besitz des fruchtbaren Landes. Die wasserreiche Landschaft ermöglichte es den nomadischen Magyaren, sesshaft zu werden. Mehr als ein Jahrtausend später steht dieses Erbe vor dem Kollaps.

Magyar – dessen Partei Tisza nach dem Fluss benannt ist und ein Akronym für Respekt und Freiheit darstellt – bewies dabei ein ungewöhnliches Verständnis der Hydrologie. Er erläuterte, dass der Pegel der Theiß inzwischen so niedrig sei, dass der Fluss, anstatt das Grundwasser aufzufüllen, den umliegenden Aquiferen aktiv Feuchtigkeit entziehe. Dieser Mechanismus verschärft die Lage zusätzlich und macht eine natürliche Erholung des Systems nahezu unmöglich.

Semiaride Verhältnisse und ein 12-Milliarden-Euro-Problem

Magyar warnte eindringlich, dass Teile Ungarns bereits semiarid würden. Im Boden fehle die Regenmenge eines ganzen Jahres. Die Wiederherstellung des natürlichen Wassersystems des Landes würde Investitionen von rund 12 Milliarden Euro erfordern – eine Summe, für die Ungarn kaum Aussichten hat, sie aufzubringen.

Die Lage verdeutlicht ein Problem, das weit über Ungarn hinausgeht. In ganz Mittel- und Osteuropa setzen steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster jahrhundertealten Wasserkreisläufen zu. Für ein Land, dessen nationale Identität und Landwirtschaft historisch eng mit seinen Flüssen und Feuchtgebieten verknüpft sind, ist der Wasserverlust jedoch besonders gravierend.

Die Botschaft des ungarischen Regierungschefs war unmissverständlich: Der Klimawandel ist keine abstrakte Zukunftsbedrohung, sondern verändert bereits heute die Grundlagen des Landes – buchstäblich von unten herauf.

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