UN warnt: Lebensmittel- und Treibstoffkosten bleiben trotz Hormus-Öffnung hoch
Die UNCTAD sieht gefährdete Volkswirtschaften weiterhin unter Druck – Lieferketten brauchen länger zur Erholung als Energiemärkte.

Die Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) hat am Dienstag vor anhaltenden wirtschaftlichen Risiken gewarnt. Trotz der Wiedereröffnung der Straße von Hormus, die den Energiemärkten sofortige Entlastung brachte, bleiben gefährdete Volkswirtschaften erhöhten Lebensmittel- und Treibstoffkosten ausgesetzt.
Laut einem UNCTAD-Bericht werden Lebensmittel- und Transportsysteme voraussichtlich deutlich länger für eine Erholung benötigen als die Energiemärkte. Gestörte Lieferketten nach mehr als 100 Tagen schwerwiegender Beeinträchtigungen der Schifffahrt durch die strategische Wasserstraße brauchen mehr Zeit für eine Neuausrichtung.
Die Meerenge, durch die normalerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasvorräte transportiert wird, war während des Konflikts faktisch gelähmt. Ausgelöst wurde dieser durch gemeinsame US-israelische Angriffe auf den Iran Ende Februar. Nach dem vorläufigen Abkommen zwischen den USA und dem Iran ist der Preis für Rohöl der Sorte Brent deutlich auf rund 73 US-Dollar pro Barrel zurückgefallen und nähert sich damit dem Niveau vor dem Konflikt an.
Düngemittel und Treibstoff belasten Landwirtschaft
Die UNCTAD warnt, dass höhere Kosten für Treibstoff, Gas und Düngemittel weiterhin die landwirtschaftliche Produktion, die Transportkosten und die Haushaltsbudgets belasten könnten. Gefährdete Volkswirtschaften bleiben dabei besonders anfällig für Öl- und Düngemittelpreisschocks. Anhaltend hohe Lebensmittelpreise könnten den Druck auf ärmere Haushalte weiter erhöhen.
Besonders alarmierend: Laut UNCTAD kann ein Anstieg der Lebensmittelpreise um lediglich 5 Prozent das Risiko von Auszehrung bei Kindern erheblich steigern. Dies verdeutlicht die humanitäre Dimension der wirtschaftlichen Verwerfungen, die über die reinen Marktpreise weit hinausgeht.
Die Organisation identifizierte insgesamt 61 gefährdete Volkswirtschaften, die Schocks bei Öl- und Getreideimporten im Zusammenhang mit der Unterbrechung in der Straße von Hormus ausgesetzt sind. Darunter befinden sich Länder mit besonders fragilen wirtschaftlichen Strukturen.
61 Länder besonders gefährdet
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Zur AktienanalyseAls konkretes Beispiel nennt die UNCTAD Kap Verde, das stark auf importierten Treibstoff angewiesen ist. Dort verzeichnete man steigende Kosten für Strom, Transport und Lebensmittel – Belastungen, die auch nach einer Stabilisierung der Energiemärkte anhalten könnten.
Länder, die Grundnahrungsmittel importieren, wie etwa der Jemen, bleiben ebenfalls hochgradig gefährdet. Ihre fragilen Volkswirtschaften sind kaum in der Lage, höhere Getreidepreise und Transportkosten abzufangen. Der Jemen gilt als eines der ärmsten Länder der Welt und ist auf Nahrungsmittelimporte existenziell angewiesen.
Angesichts dieser Lage fordert die UNCTAD internationale Unterstützung, um den am stärksten betroffenen Ländern bei der Erholung von den jüngsten Schocks zu helfen. Für deutsche Anleger und Unternehmen mit globalen Lieferketten unterstreicht der Bericht, dass geopolitische Spannungen in Schlüsselregionen wie dem Persischen Golf weitreichende und langanhaltende wirtschaftliche Folgen haben können – auch wenn sich die unmittelbaren Energiepreise wieder normalisieren.


