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Ukraine startet medizinisches Cannabisprogramm: Erste Patienten versorgt

Veteranen und eine MS-Patientin erhielten in Winnyzja die ersten legalen medizinischen Cannabisprodukte der Ukraine.

Ukraine startet medizinisches Cannabisprogramm: Erste Patienten versorgt

Die Ukraine hat einen historischen Schritt vollzogen: Das medizinische Cannabisprogramm des Landes ist offiziell in Betrieb. Am Donnerstag erwarben die ersten Patienten ihre verschriebenen Produkte in einer Apotheke in der Stadt Winnyzja. Zu den ersten Empfängern zählten zwei Kriegsveteranen, die unter chronischen neuropathischen Schmerzen und Phantomschmerzen nach Amputationen leiden, sowie eine Frau mit Multipler Sklerose.

Die ausgegebenen Produkte sind THC-Kapseln, die nun in sechs Apotheken eines einzigen lizenzierten Unternehmens erhältlich sind. Die Standorte befinden sich in Winnyzja, Dnipro, Lwiw, Iwano-Frankiwsk, Ternopil und Chmelnyzkyj. Behördenvertreter gaben bekannt, dass etwa 17 weitere Apotheken in Kürze mit dem Verkauf beginnen sollen.

Rechtlicher Rahmen und Lizenzierung

Der staatliche Dienst der Ukraine für Arzneimittel- und Drogenkontrolle erklärte: „Patienten, die täglich mit starken Schmerzen leben und moderne Behandlungen benötigen, haben nun eine zusätzliche Option für den Zugang zu moderner Pharmakotherapie." Das Gesundheitsministerium betonte, dass die Herstellung und Abgabe von Medikamenten auf Basis von medizinischem Cannabis nur durch Unternehmen mit entsprechenden Lizenzen für Produktion, Groß- und Einzelhandel sowie Import von Arzneimitteln erlaubt ist. Zusätzlich ist eine Lizenz für Tätigkeiten im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln, psychotropen Stoffen und Vorläuferstoffen erforderlich.

Darüber hinaus müssen Unternehmen für die Rezeptur solcher Medikamente in einer Apotheke auch eine spezielle Quote erhalten. Nach Regierungsangaben verfügen derzeit etwa 36 öffentliche und 30 private Einrichtungen über die entsprechenden Cannabis-Lizenzen an insgesamt 180 Standorten im Land.

Gesetz seit 2024 in Kraft

Präsident Wolodymyr Selenskyj unterzeichnete das Gesetz zur Legalisierung von medizinischem Cannabis im Jahr 2024, kurz nachdem die Abgeordneten der Maßnahme zugestimmt hatten. Vor etwa einem Jahr erteilten die Behörden die erste Lizenz überhaupt für den Import von Cannabis in das Land. Der Weg zur Legalisierung war jedoch nicht geradlinig: Die Abgeordneten stimmten der Gesetzgebung erstmals Ende 2023 zu, doch die oppositionelle Batkiwschtschyna-Partei nutzte eine Verfahrenstaktik, um das Vorhaben zunächst zu blockieren.

Das Gesetz legalisierte medizinisches Cannabis ursprünglich für Patienten mit schweren Erkrankungen sowie posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD), die aus dem anhaltenden Konflikt mit Russland resultiert. Während der ursprüngliche Gesetzestext lediglich Krebs und kriegsbedingte PTBS als qualifizierende Erkrankungen anführte, berichtete der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Juli, dass die Abgeordneten täglich Berichte von Patienten mit anderen Krankheiten wie Alzheimer und Epilepsie erhielten.

Erweiterte Indikationen

Das Gesundheitsministerium hat das Spektrum der zugelassenen Indikationen seither deutlich ausgeweitet. Zu den anerkannten Erkrankungen zählen nun unter anderem:

  • Chronische oder neuropathische Schmerzen
  • Spastik
  • Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie bei Krebserkrankungen
  • Parkinson

Die Entwicklung in der Ukraine ist vor dem Hintergrund des anhaltenden Krieges mit Russland besonders bedeutsam. Eine große Zahl von Kriegsveteranen leidet unter schweren körperlichen Verletzungen und psychischen Traumata, für die medizinisches Cannabis nun als zusätzliche Behandlungsoption zur Verfügung steht. Die schrittweise Ausweitung des Programms auf weitere Apotheken und Indikationen zeigt, dass die ukrainischen Behörden die medizinische Versorgung der Bevölkerung trotz der schwierigen Kriegssituation aktiv vorantreiben.

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