Ukraine lockert Devisenbeschränkungen so stark wie nie seit Kriegsbeginn
Die ukrainische Zentralbank verabschiedet die weitreichendsten Währungsreformen seit der russischen Invasion 2022 – mit vervierfachten Freibeträgen.

Die ukrainische Nationalbank (NBU) hat am Montag die umfangreichsten Maßnahmen zur Devisenliberalisierung seit dem Beginn der großangelegten russischen Invasion im Februar 2022 angekündigt. Ziel der am späten Abend veröffentlichten Regelungen ist es, das Vertrauen von Unternehmen und Investoren in den ukrainischen Finanzmarkt zu stärken. Die Reformen betreffen sowohl Bargeldabhebungen als auch den Kauf von Fremdwährungen und ausländischen Wertpapieren.
Konkret wurde der monatlich zulässige Betrag für den Kauf von bargeldlosen Devisen, Anlagen, Edelmetallen sowie ausländischen Wertpapieren von 50.000 auf 200.000 Ukrainische Hrywnja vervierfacht. Das entspricht umgerechnet rund 4.450 US-Dollar. Damit erhalten ukrainische Bürger und Unternehmen deutlich mehr Spielraum beim Zugang zu internationalen Finanzmärkten.
Auch die Limits für Bargeldabhebungen wurden erheblich ausgeweitet. Das tägliche Limit für Abhebungen von Konten im In- und Ausland wurde auf 200.000 Hrywnja verdoppelt. Zusätzlich hob die Zentralbank das monatliche Limit für Transaktionen mit auf Hrywnja lautenden Karten auf ebenfalls 200.000 Hrywnja an.
Erleichterungen für Ukrainer im Ausland
Die NBU betonte in ihrer offiziellen Mitteilung, dass das Maßnahmenpaket eine besonders wichtige Komponente für im Ausland lebende Ukrainer enthält. „Das Paket zur Lockerung der Devisenbeschränkungen enthält eine starke Komponente, die das Leben der Ukrainer im Ausland erleichtert und die Möglichkeiten für die in der Ukraine lebenden Bürger erweitert", erklärte die Zentralbank. Seit Kriegsbeginn haben Millionen Ukrainer das Land verlassen – viele davon in europäische Staaten, darunter auch Deutschland.
Die Zentralbank versicherte zugleich, dass die Maßnahmen keine Risiken für die Stabilität des Devisenmarktes darstellen würden. Die Bank begründete dies mit einer sorgfältigen Analyse jeder einzelnen Maßnahme sowie den festgelegten Rahmenbedingungen. Damit signalisiert die NBU, dass die Lockerungen trotz des anhaltenden Krieges kontrolliert und berechenbar umgesetzt werden sollen.
Reserven sollen bis 2026 auf fast 70 Milliarden Dollar wachsen
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Zur AktienanalyseDie neuen Maßnahmen wurden nach Angaben der Nationalbank bereits in der aktualisierten makroökonomischen Prognose der NBU berücksichtigt. Diese Prognose sieht ein Anwachsen der internationalen Reserven auf fast 70 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2026 vor. Das ist ein bedeutendes Signal für internationale Investoren, die die Stabilität der ukrainischen Währung und Wirtschaft im Blick behalten.
Für deutsche Anleger und Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen zur Ukraine sind diese Entwicklungen von Bedeutung. Eine schrittweise Normalisierung des ukrainischen Devisenmarktes könnte mittelfristig den Wiederaufbau des Landes erleichtern und neue Investitionsmöglichkeiten eröffnen. Die Lockerungen sind ein weiteres Zeichen dafür, dass die ukrainische Wirtschaft trotz des anhaltenden Krieges versucht, strukturelle Reformen voranzutreiben und das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft zu festigen.


