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Ukraine-Krise: Stromversorgung bei nur 60% nach Angriffen

Die Ukraine kämpft mit der schwersten Energiekrise seit Kriegsbeginn. Nach massiven russischen Angriffen auf die Infrastruktur kann das Land nur noch 60% des Strombedarfs decken – bei eisigen Temperaturen von minus 16 Grad.

Ukraine-Krise: Stromversorgung bei nur 60% nach Angriffen

Die Ukraine steht vor einer dramatischen Energiekrise. Präsident Wolodymyr Selenskyj gab am Freitag bekannt, dass das ukrainische Stromnetz nach anhaltenden russischen Drohnen- und Raketenangriffen nur noch 60% des nationalen Bedarfs decken kann. Bei einer verfügbaren Kapazität von 11 Gigawatt (GW) liegt der tatsächliche Bedarf bei 18 GW – eine Lücke von 7 GW.

Die Lage verschärft sich durch extreme Kältewelle. In der Hauptstadt Kiew fielen die Temperaturen auf minus 16 Grad Celsius. Angesichts drohender Netzzusammenbrüche hat die Regierung in dieser Woche den Energienotstand ausgerufen. Die Situation gilt als die schwierigste seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022.

Hauptstadt Kiew besonders betroffen

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko berichtet von dramatischen Zuständen in der 3,6-Millionen-Metropole. Die Stadt verfügt nur über etwa die Hälfte des benötigten Stroms – 850 von 1.700 Megawatt. Einige Bewohner sind bis zu 20 Stunden täglich ohne Netzstrom. Rund 100 Gebäude haben noch immer keine Heizung, obwohl Reparaturteams rund um die Uhr im Einsatz sind.

Neben Kiew sind die zweitgrößte Stadt Charkiw, der Haupthafen Odessa sowie frontnahe Städte besonders betroffen. Energieminister Denys Schmyhal stellte klar: "Kein einziges Kraftwerk in der Ukraine ist übrig geblieben, das der Feind nicht angegriffen hat." Die Intensität der Angriffe nehme täglich zu.

Notmaßnahmen und internationale Unterstützung

Die Ukraine hat die Stromimporte aus EU-Ländern massiv erhöht. Allerdings liegt die maximale Importkapazität nur bei 2,3 GW – ein Bruchteil des Defizits. Hohe Marktpreise erschweren zudem größere Einkäufe. Minister Schmyhal forderte Staatsunternehmen wie Naftogaz und Ukrzaliznytsia auf, eigene Importe zu steigern.

In Kiew wurden 1.300 Wärmestationen eingerichtet. Die Stadt plant die Installation dezentraler Mini-Wärmekraftwerke. Internationale Partner lieferten zusätzliche Generatoren. Täglich werden allein für die kritische Infrastruktur – Wasserversorgung, Krankenhäuser, Kindergärten – etwa 300 Tonnen Treibstoff benötigt.

Appelle an die Bevölkerung

Bürgermeister Klitschko rief die Einwohner auf, die Stadt wenn möglich zu verlassen, um die Infrastruktur zu entlasten. Schulen verlängerten die Winterferien, viele Unternehmen stellten auf Homeoffice um. Die Bevölkerung wird gebeten, unnötigen Stromverbrauch zu vermeiden – etwa durch Abschalten von Außenwerbung und Bildschirmen.

Hintergrund der Angriffe

Moskau rechtfertigt die Angriffe auf zivile Infrastruktur damit, dass deren Zerstörung die Kriegsführungskapazität der Ukraine mindere. Kiew sieht darin einen Versuch, die Zivilbevölkerung zu demoralisieren und den Widerstandswillen zu brechen. Die systematischen Angriffe auf das Energiesystem dauern bereits seit Monaten an und haben die Stromversorgung nachhaltig geschwächt.

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