Ukraine droht totaler Blackout: Russland greift Atomstrom-Infrastruktur an
Russland intensiviert seine Angriffe auf ukrainische Umspannwerke, die Atomstrom transportieren. Experten warnen vor einem kompletten Stromausfall, da Kernkraftwerke bereits 80% des ukrainischen Strombedarfs decken.

Während einer extremen Kältewelle hat Russland seine Attacken auf das ukrainische Energiesystem verschärft. Präsident Wolodymyr Selenskyj warnt vor einem drohenden totalen Blackout, sollten die Angriffe auf kritische Umspannwerke weitergehen.
Kernkraft als letzte Stütze der Stromversorgung
Die Ukraine betreibt derzeit drei Kernkraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 7,7 Gigawatt. Das größte europäische Atomkraftwerk Saporischschja bleibt unter russischer Besatzung außer Betrieb. Laut Branchenquellen deckt die nukleare Stromerzeugung inzwischen bis zu 80% des ukrainischen Stromverbrauchs – praktisch die gesamte noch intakte Erzeugungskapazität.
Das aktuelle Erzeugungsdefizit beträgt etwa 10 Gigawatt. Wirtschaftsminister Oleksiy Sobolev bezifferte die seit Oktober 2025 durch russischen Beschuss zerstörte Kapazität auf 8,5 Gigawatt. Dies betrifft vor allem thermische Kraftwerke und Wasserkraftwerke. Die Lücke wird nur teilweise durch Importe geschlossen, weshalb umfangreiche rollierende Stromabschaltungen notwendig sind.
Umspannwerke als Achillesferse des Systems
Ohne leistungsstarke Umspannwerke sind Kernkraftwerke funktionslos. Diese wandeln den erzeugten Strom für Hochspannungsnetze um und leiten ihn über kleinere Umspannwerke zu den Verbrauchern. Oleksandr Kharchenko, Direktor des Energieforschungszentrums in Kiew, identifizierte zehn kritische Umspannwerke, die mehr als die Hälfte des ukrainischen Atomstroms transportieren.
Einige dieser Anlagen befinden sich direkt neben den Kernkraftwerken, andere hunderte Kilometer entfernt. Rafael Grossi, Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), bestätigte diese Woche, dass wichtige ukrainische Umspannwerke bereits von russischen Raketensalven betroffen waren.
60 Angriffe im Kriegsverlauf
Kharchenko berichtet von mindestens 60 Angriffen auf Umspannwerke im Verlauf des fast vierjährigen Krieges. Bisher wurden vor allem Anlagen beschädigt, die weit von den Reaktoren entfernt liegen. Die Angriffe zielen auf seltene, leistungsstarke Transformatoren ab. Dank Schutzmaßnahmen wurde meist nur Zusatzausrüstung beschädigt, deren Reparatur normalerweise wenige Tage dauert.
Dennoch mussten Kernkraftwerke aufgrund solcher Attacken mehrfach die Leistung ihrer Reaktoren drosseln. Angriffe auf Umspannwerke in unmittelbarer Nähe der Reaktoren gab es bisher nicht.
Unvorhersehbare Folgen bei Reaktor-nahen Treffern
Energie-Analysten warnen vor unkalkulierbaren Risiken bei Angriffen auf reaktornahe Umspannwerke. Einige befinden sich nur wenige hundert Meter von den Reaktoren entfernt. Eine Explosion könnte das Rohrsystem mit radioaktivem Wasser oder andere nukleare Ausrüstung beschädigen, selbst wenn der Reaktor selbst nicht getroffen wird.
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Zur AktienanalyseBranchenquellen weisen darauf hin, dass die Reaktorgebäude aus dickem Beton zwar Drohnen-Sprengköpfen standhalten könnten, nicht jedoch ballistischen Raketen. Russische Raketen könnten bei Angriffen auf Umspannwerke den Reaktor direkt treffen oder kilometerlange Rohrleitungen mit radioaktivem Wasser, Turbinenausrüstung oder Kontrollsysteme beschädigen.
Erinnerung an Tschernobyl
Die Ukraine erlebte bereits 1986 eine nukleare Katastrophe, als ein Block des Kernkraftwerks Tschernobyl explodierte. Zehntausende Hektar Land nur 80 Kilometer von Kiew entfernt wurden unbewohnbar. Der Ausfall der verbliebenen Kernkraftwerke würde laut Experten zum Zusammenbruch der gesamten städtischen Infrastruktur führen.
Selenskyj hatte zuvor erklärt, dass inländische Erzeugung und Importe zusammen nur etwa 60% des Bedarfs decken können. Ein kompletter Blackout würde die Ukraine mitten im Winter in eine humanitäre Katastrophe stürzen.


