UBS warnt: Märkte unterschätzen Risiko weiterer EZB-Zinserhöhungen
UBS erwartet eine EZB-Zinserhöhung im Juni, warnt aber vor unterschätzten Risiken weiterer Straffungen im Jahresverlauf.

Die Schweizer Großbank UBS erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung am 11. Juni die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent anheben wird. Dieser Schritt gilt laut UBS-Ökonomen als nahezu ausgemachte Sache – gestützt durch klare Signale von EZB-Präsidentin Christine Lagarde bei der Sitzung vom 30. April sowie durch spätere Kommentare der Ratsmitglieder Isabel Schnabel und Philip Lane.
Einen größeren Zinsschritt um 50 Basispunkte schließt UBS dabei ausdrücklich aus. Die Ökonomen unter der Leitung von Reinhard Cluse begründen dies damit, dass „die aktuelle Inflationsdynamik weniger dramatisch erscheint als in den Jahren 2022/23 und das Risiko pro-inflationärer Zweitrundeneffekte deutlich geringer zu sein scheint". Dementsprechend sehe die EZB keinen Grund, die Zinsen sehr aggressiv anzuheben.
Was kommt nach dem Juni?
Die entscheidendere Frage für Anleger ist laut UBS jedoch, was nach der Juni-Sitzung passiert. Presseberichte unter Berufung auf EZB-Kreise deuten darauf hin, dass die Bank die Zinsen in diesem Jahr möglicherweise „mindestens zweimal" anheben muss. Dies öffnet implizit die Tür für insgesamt drei Zinsschritte – ein Szenario, das die Märkte bereits teilweise eingepreist haben. Bis Dezember 2026 wird am Markt eine Straffung um etwa 56 Basispunkte impliziert.
UBS selbst geht in seinem Basisszenario bislang von lediglich zwei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte aus. Die Ökonomen räumen jedoch ein Aufwärtsrisiko für diese Prognose ein. Konkret wollen sie am 11. Juni genau beobachten, ob die EZB Signale für eine zweite Zinserhöhung bereits am 23. Juli sendet – anstatt wie im Basisszenario bis zum 10. September zu warten. Ein aktueller Reuters-Bericht unter Berufung auf EZB-Kreise bestätigt diese Offenheit: Eine Zinserhöhung im Juni sei „nahezu besiegelt, aber der Juli ist völlig offen".
EZB-Projektionen unter der Lupe
Neben der Zinsentscheidung selbst richtet UBS den Blick auf die aktualisierten makroökonomischen Projektionen der EZB. Die Bank erwartet, dass die EZB ihre BIP-Wachstumsprognose für 2026 um 0,2 Prozentpunkte auf 0,7 Prozent nach unten korrigiert. Gleichzeitig dürfte die Inflationsprognose für 2026 um 0,3 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent angehoben werden – primär bedingt durch höhere Energiepreise.
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Zur AktienanalyseDiese Inflationsrevisionen würden eine Verschlechterung gegenüber dem Basisszenario vom März darstellen, wenn auch nicht so gravierend wie das eigene Negativszenario der EZB aus jener Sitzung. Für Anleger bedeutet dies: Die Inflationsentwicklung bleibt ein zentraler Unsicherheitsfaktor für die weitere Geldpolitik im Euroraum.
Als besonders wichtige Frühindikatoren für potenzielle Zweitrundeneffekte nennen die UBS-Ökonomen die Inflationserwartungen sowie Lohnindikatoren. Auch Anzeichen für eine deutliche Verlangsamung des Wachstums in der Eurozone – einschließlich der Beschäftigungsdaten – würden von der EZB genau unter die Lupe genommen. Letztlich, so UBS, werde das Ergebnis der weiteren Zinsentscheidungen vollständig von der Datenlage abhängen.


