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UBS-Untersuchung: 890 Schweizer Konten mit Nazi-Verbindungen entdeckt

Ermittler decken bei Credit Suisse bislang unbekannte Geschäftsbeziehungen zum NS-Regime auf

UBS-Untersuchung: 890 Schweizer Konten mit Nazi-Verbindungen entdeckt

Eine unabhängige Untersuchung hat bei der von UBS übernommenen Credit Suisse rund 890 Bankkonten mit mutmaßlichen Verbindungen zum Nazi-Regime aufgedeckt. Die Enthüllungen gehen weit über das bisherige Wissen über die Verstrickungen Schweizer Banken in die Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs hinaus.

Der unabhängige Ermittler Neil Barofsky präsentierte die Ergebnisse seiner Untersuchung am Dienstag vor dem Justizausschuss des US-Senats. Dabei legte er dar, dass die Credit Suisse deutlich tiefere Verbindungen zu den Nazi-Kriegsanstrengungen unterhielt als bisher angenommen. Unter den entdeckten Konten befanden sich solche des deutschen Auswärtigen Amtes, das aktiv an der Massendeportation von Juden in Konzentrationslager beteiligt war. Auch Agenten der SS, der berüchtigten Schutzstaffel, führten demnach Konten bei der Schweizer Bank.

Die Untersuchung wurde 2020 vom Simon Wiesenthal Center, einer jüdischen Organisation, angestoßen. Barofsky fand bei seiner Durchsicht der Archive bislang nicht gemeldete Fälle, in denen die Credit Suisse erzwungene Vermögensübertragungen von jüdischen Kunden auf Banken mit Nazi-Verbindungen vornahm. Diese Entdeckungen werfen ein neues Licht auf die Rolle Schweizer Finanzinstitute während des Holocausts.

Nachkriegszeit: Fluchthelfer für NS-Funktionäre

Besonders brisant sind Barofskys Erkenntnisse über die Nachkriegszeit. Der Ermittler stieß auf Hinweise, dass die Credit Suisse fliehenden Nazi-Funktionären nach Kriegsende bei der Umsiedlung nach Argentinien half. Argentinien galt bekanntlich als bevorzugtes Fluchtland für hochrangige NS-Verbrecher.

Die UBS, die die Credit Suisse 2023 übernommen hat, betont zwar öffentlich ihr Interesse an größerer Transparenz bezüglich dieses dunklen Kapitels der Schweizer Geschichte. Vor dem Bundesgericht in Brooklyn verfolgt die Großbank jedoch eine andere Strategie: Sie fordert das Simon Wiesenthal Center auf, keine weiteren finanziellen Forderungen zu stellen und die Angelegenheit ruhen zu lassen.

Politischer Druck aus Washington

Die Anhörung im Senat verdeutlicht den wachsenden politischen Druck auf die UBS. Neben Barofsky sagten auch Führungskräfte der UBS sowie ein Rabbiner des Simon Wiesenthal Centers vor dem Justizausschuss aus. Die UBS-Aktie notiert aktuell bei einem Minus von 0,19 Prozent. Die historische Aufarbeitung könnte für die Bank nicht nur reputatorische, sondern auch finanzielle Konsequenzen haben, sollten weitere Entschädigungsforderungen folgen.

Die Schweizer Banken hatten bereits Ende der 1990er Jahre in einem Vergleich 1,25 Milliarden Dollar an Holocaust-Überlebende und deren Nachkommen gezahlt. Die neuen Erkenntnisse könnten diese Aufarbeitung wieder aufleben lassen und zeigen, dass das Ausmaß der Verstrickungen möglicherweise noch größer war als damals angenommen.

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