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UBS-Tochter Credit Suisse: 890 Nazi-Konten entdeckt

Eine unabhängige Untersuchung der Credit Suisse-Archive hat weitreichende Verbindungen zur NS-Kriegsmaschinerie offengelegt. Ermittler Neil Barofsky berichtete vor dem US-Senat von rund 890 Konten mit mutmaßlichen Nazi-Verbindungen – darunter Konten des d

UBS-Tochter Credit Suisse: 890 Nazi-Konten entdeckt

Die Schweizer Großbank UBS sieht sich mit brisanten Enthüllungen über die dunkle Vergangenheit ihrer übernommenen Tochter Credit Suisse konfrontiert. Bei einer Anhörung vor dem Justizausschuss des US-Senats am Dienstag präsentierte der unabhängige Ermittler Neil Barofsky erschütternde Erkenntnisse über die Rolle der Credit Suisse während des Zweiten Weltkriegs.

Systematische Verbindungen zur NS-Kriegsmaschinerie

Barofsky, der die Archive der Credit Suisse durchleuchtet hat, identifizierte insgesamt etwa 890 Bankkonten mit potenziellen Verbindungen zu Nationalsozialisten. Besonders brisant: Unter den Kontoinhabern befand sich das deutsche Auswärtige Amt, das aktiv an den Massendeportationen von Juden in Konzentrationslager beteiligt war. Auch Agenten der berüchtigten SS unterhielten demnach Konten bei der Schweizer Bank.

Die Untersuchung förderte nach Angaben des Ermittlers deutlich tiefgreifendere Verbindungen zwischen der Credit Suisse und den Kriegsanstrengungen der Nationalsozialisten zutage als bisher bekannt. "Die Dimension übertrifft das bisherige Wissen erheblich", erklärte Barofsky vor den Senatoren.

Zwangsübertragungen jüdischer Vermögen

Besonders schwer wiegen die Vorwürfe der Zwangsübertragungen. Barofsky präsentierte bislang nicht dokumentierte Fälle, in denen die Credit Suisse Vermögenswerte jüdischer Kunden auf Banken mit NS-Verbindungen übertrug. Diese Zwangsmaßnahmen erfolgten offenbar systematisch und trugen zur Enteignung verfolgter Juden bei.

Zudem fand der Ermittler Hinweise darauf, dass die Bank flüchtigen Nazi-Funktionären nach Kriegsende bei der Umsiedlung nach Argentinien behilflich war. Diese Fluchtroute, historisch als "Rattenlinie" bekannt, ermöglichte zahlreichen Kriegsverbrechern die Flucht vor der Justiz.

UBS zwischen Transparenz und Rechtsstreit

Die UBS, die die Credit Suisse 2023 übernommen hat, zeigt sich in der Aufarbeitung ambivalent. Während die Bank öffentlich erklärt, für mehr Transparenz bezüglich dieses dunklen Kapitels sorgen zu wollen, verfolgt sie vor einem Bundesgericht in Brooklyn eine andere Strategie. Dort wehrt sich die UBS gegen weitere Forderungen des Simon Wiesenthal Centers – jener jüdischen Organisation, die 2020 die Untersuchung initiiert hatte.

Bei der Senatsanhörung waren neben Barofsky auch UBS-Führungskräfte und ein Rabbiner des Simon Wiesenthal Centers geladen. Die Anhörung machte deutlich, dass die Aufarbeitung der Schweizer Bankenrolle im Zweiten Weltkrieg noch längst nicht abgeschlossen ist.

Bedeutung für deutsche Anleger

Für Investoren der UBS-Aktie (aktuell +0,32 Prozent) könnten die Enthüllungen rechtliche und Reputationsrisiken bedeuten. Mögliche Entschädigungsforderungen und der Imageschaden durch die historische Aufarbeitung dürften das Schweizer Finanzinstitut noch länger beschäftigen. Die vollständige Dimension der Nazi-Verbindungen und potenzielle finanzielle Konsequenzen bleiben abzuwarten.

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