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UBS senkt Ölpreisprognosen für 2026 und 2027 deutlich

Nach dem US-Iran-Abkommen erholen sich die Hormus-Ölflüsse schneller als erwartet – UBS korrigiert Brent- und WTI-Prognosen kräftig nach unten.

UBS senkt Ölpreisprognosen für 2026 und 2027 deutlich

UBS hat ihre Ölpreisprognosen für die Jahre 2026 und 2027 spürbar gesenkt. Auslöser ist die schneller als erwartete Erholung der Warenströme durch die Straße von Hormus, nachdem die USA und der Iran am 17. Juni eine vorläufige Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) unterzeichnet haben. Die Schweizer Großbank erwartet nun, dass die Nordseesorte Brent im Jahr 2026 durchschnittlich 84 US-Dollar pro Barrel kosten wird – neun Dollar weniger als bisher prognostiziert.

Für 2027 senkt UBS die Brent-Prognose um zehn Dollar auf 75 US-Dollar pro Barrel. Auch die US-Sorte WTI wird tiefer eingeschätzt: 79 Dollar für 2026 und 71 Dollar für 2027. „Geringere geopolitische Risiken und eine schnelle Erholung der Ströme haben zu einem stärkeren Preisrückgang geführt, als wir erwartet hatten", schrieben die Analysten um Henri Patricot in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Erholung der Ölflüsse durch die Straße von Hormus

Seit der Bekanntgabe des MoU haben sich die Öltransporte durch die strategisch bedeutende Meerenge auf etwa 50 Prozent des Niveaus vor dem Konflikt erholt. Gleichzeitig gewannen die iranischen Rohölexporte wieder an Dynamik, nachdem eine US-Blockade gelockert wurde. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) konnten ihre Exporte dank Umgehungsrouten bereits auf fast 85 Prozent des Vorkonfliktniveaus steigern.

Die saudi-arabischen Exporte hinken der Erholung noch hinterher und liegen weiterhin 25 Prozent unter dem Niveau vor dem Konflikt. Allerdings stiegen die Volumina im Juni gegenüber Mai um rund 10 Prozent. Das UBS-Team geht davon aus, dass sich Brent in der zweiten Jahreshälfte 2026 leicht auf durchschnittlich 80 Dollar pro Barrel erholen wird – getragen von einer Normalisierung der schwimmenden Lagerbestände im Golf sowie einer anziehenden Nachfrage.

Marktbilanz: Defizit bis Q3 2026, dann Überschuss

Die Marktbilanzen der Bank zeigen ein differenziertes Bild: Bis zum dritten Quartal 2026 bleibt der Markt im Defizit. Im vierten Quartal dreht die Bilanz dann in einen Überschuss von 2,9 Millionen Barrel pro Tag, der sich 2027 auf 3,8 Millionen Barrel pro Tag ausweitet. Angesichts des Tempos der Angebotsreparatur erwartet UBS kein so großes Bestandsdefizit mehr und senkte die Schätzung für den Lageraufbau 2027 auf rund 1 Milliarde Barrel, nach zuvor etwa 1,5 Milliarden Barrel.

Die langfristige Preisannahme der Bank bleibt ab 2028 unverändert bei 75 US-Dollar pro Barrel. Bemerkenswert ist zudem die Rolle Chinas als sogenannter Swing-Buyer: Die chinesischen Rohölimporte fielen im Juni kräftig auf 6 Millionen Barrel pro Tag – deutlich unter der typischen Spanne von 10 bis 11 Millionen Barrel.

Risiken bleiben zweiseitig

Die UBS-Analysten betonen, dass die Risiken für den Ausblick in beide Richtungen zeigen. Auf der Oberseite könnte ein Scheitern des MoU die Ölpreise wieder in Richtung 100 Dollar pro Barrel treiben. Sollten wichtige Infrastrukturen angegriffen werden und der Konflikt über den Sommer hinaus andauern, wäre sogar ein Anstieg auf 120 Dollar oder mehr möglich.

Auf der Unterseite hingegen könnte ein schnellerer Hochlauf der Lieferströme in Verbindung mit einer erhöhten Produktion der VAE und des Irans „Brent wieder unter 70 Dollar pro Barrel drücken", so die Analysten. Ein Szenario, das dies mit einer stärkeren Erholung der venezolanischen Produktion kombiniert, könnte die Preise potenziell sogar auf 60 Dollar oder darunter fallen lassen. Für Anleger, die in Öl-Aktien oder Energie-ETFs investiert sind, bleibt die geopolitische Entwicklung rund um die Straße von Hormus damit der entscheidende Faktor.

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