UBS: EZB erhöht Zinsen kurzfristig, senkt sie 2027 wieder
UBS erwartet EZB-Zinserhöhungen im Juni und Juli – doch sobald der Inflationsschock abklingt, folgen 2027 Zinssenkungen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht vor einer geldpolitischen Kehrtwende: UBS erwartet, dass die Notenbank im Juni und voraussichtlich erneut im Juli die Leitzinsen anheben wird – die erste Erhöhung seit September 2023. Auslöser ist ein erneuter Anstieg der Inflation in der Eurozone, der die Währungshüter unter Zugzwang setzt. Gleichzeitig betont die Schweizer Großbank, dass der Straffungszyklus kurzfristiger Natur sein dürfte.
Hintergrund ist ein deutlicher Inflationsanstieg im Mai. Eurostat meldete eine jährliche Verbraucherpreisinflation von 3,2 Prozent, nach 3,0 Prozent im April. Besonders auffällig: Die Kerninflation – ohne Lebensmittel und Energie – kletterte von 2,2 auf 2,5 Prozent, während die Dienstleistungsinflation von 3,0 auf 3,5 Prozent zulegte. Diese Entwicklung schürt Sorgen, dass höhere Energiekosten auf Löhne und Preise durchschlagen könnten.
Energiepreisschock statt breiter Nachfragedruck
UBS argumentiert jedoch, dass der aktuelle Inflationsanstieg primär auf einen energiepreisgetriebenen Preisschock zurückzuführen ist – und nicht auf einen breit angelegten Nachfragedruck. Dies ist eine entscheidende Unterscheidung für die Geldpolitik: Ein angebotsseitiger Schock rechtfertigt keine dauerhaft restriktive Haltung der Notenbank. Die Bank hält das Risiko von Zweitrundeneffekten – also höherer Lohnforderungen als Reaktion auf die Teuerung – derzeit für gering.
Vor diesem Hintergrund erwartet UBS, dass die EZB die Zinsen im Jahr 2027 wieder senken wird, sobald der Inflationsschock vorüber ist. „Unter der Annahme, dass nur ein geringes Risiko für Zweitrundeneffekte bei der Inflation durch höhere Lohnforderungen besteht – was wir derzeit für unwahrscheinlich halten –, erwarten wir, dass die EZB die Zinsen im Jahr 2027 wieder senken wird, sobald der Inflationsschock vorüber ist", zitiert UBS aus ihrer eigenen Analyse.
Schwächelnde Konjunktur begrenzt Spielraum der EZB
Ein weiteres Argument gegen eine aggressive Straffung liefert die schwächelnde Wirtschaftsaktivität in der Eurozone. Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex (PMI) – ein wichtiger Frühindikator für die Konjunktur – fiel im Mai von 48,8 auf 47,5 Punkte. Das markiert den stärksten monatlichen Rückgang der Privatwirtschaft seit Oktober 2023. Werte unter 50 signalisieren eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung.
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Zur AktienanalyseUBS schätzt auf Basis dieser Umfragedaten, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone im zweiten Quartal um rund 0,1 bis 0,2 Prozent schrumpfen könnte. Für das Gesamtjahr 2026 senkte die Bank ihre Wachstumsprognose für die Eurozone auf 0,8 Prozent – gegenüber 1,3 Prozent vor dem aktuellen Konflikt. Eine schwerwiegendere Störung der Ölströme könnte das Wachstum laut UBS um weitere 50 bis 60 Basispunkte drücken und die Wirtschaftsaktivität nahezu zum Stillstand bringen.
Für Anleger bedeutet das Szenario von UBS: Die EZB agiert zwar entschlossen gegen den Inflationsanstieg, doch der Zinserhöhungszyklus bleibt begrenzt. „Dieses schwächere Wachstumsumfeld dürfte die Fähigkeit der EZB einschränken, die Geldpolitik so aggressiv zu straffen, wie es die aktuellen Inflationsschlagzeilen vermuten lassen könnten", so UBS. Für Rentenanleger und Immobilieninvestoren könnte das bedeuten, dass der Hochpunkt der Zinsen näher ist als befürchtet – und eine Lockerung ab 2027 wieder in Sichtweite rückt.


