Ubisoft-Aktie stürzt 38% ab – Milliardenverlust angekündigt
Dramatischer Kurseinbruch bei Ubisoft: Die Aktie des französischen Spieleentwicklers verlor am Donnerstag 38 Prozent an Wert. Grund ist ein angekündigter operativer Verlust von rund einer Milliarde Euro.

Der französische Gaming-Riese Ubisoft erlebt seinen bislang schwärzesten Tag an der Börse. Am Donnerstag brach die Aktie um 38 Prozent ein, nachdem das Unternehmen ein drastisches Sparprogramm und einen Milliardenverlust für das laufende Geschäftsjahr ankündigte. Für Anleger markiert dies einen weiteren Tiefpunkt in einer bereits seit Jahren schwierigen Phase.
Milliardenverlust durch Abschreibungen und schwache Verkäufe
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Ubisoft mit einem operativen Verlust von etwa einer Milliarde Euro. Zwar entfallen davon 650 Millionen Euro auf einmalige Abschreibungen, doch auch das operative Kerngeschäft schwächelt erheblich. Hochkarätige Titel wie "Avatar: Frontiers of Pandora" und "Star Wars Outlaws" blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Selbst die traditionsreiche "Assassin's Creed"-Reihe konnte zuletzt nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen.
Radikaler Kahlschlag im Spieleportfolio
Die Konsequenzen sind drastisch: Sechs Spiele werden komplett eingestellt, darunter das mit Spannung erwartete Remake von "Prince of Persia: The Sands of Time". Weitere sieben nicht näher benannte Projekte verschieben sich auf unbestimmte Zeit. "Das Verzögern von sieben Spielen und das Streichen von sechs ist massiv und ein Zeichen dafür, dass das interne Betriebsmodell kaputt ist", kommentiert Edward James, Analyst bei Cantor Fitzgerald. Das Management habe offenbar keinen Überblick mehr über die Entwicklungszyklen.
300 Millionen Euro Kosteneinsparungen geplant
Ubisoft schnallt den Gürtel extrem eng: Bis März 2026 – ein Jahr früher als ursprünglich geplant – sollen mindestens 100 Millionen Euro an Fixkosten eingespart werden. In den folgenden zwei Jahren kommen weitere 200 Millionen Euro hinzu. Die Studios in Stockholm und Halifax, Kanada, werden geschlossen. Wie angespannt die Lage ist, zeigt auch eine Kreditvereinbarungsverletzung 2025, die zu einer ungewöhnlichen einwöchigen Verzögerung bei der Veröffentlichung der Halbjahresergebnisse führte.
Umstrukturierung in fünf kreative Häuser
Das Unternehmen plant eine grundlegende Neuorganisation. Künftig soll es fünf "kreative Häuser" geben, die sich jeweils auf spezifische Spielgenres konzentrieren. Externe Studios sollen verstärkt bei der Entwicklung unterstützen, um Ressourcen zu schonen. Mit Vantage Studios – verantwortlich für "Assassin's Creed" – wurde bereits eine Einheit ausgegliedert, an der sich unter anderem der chinesische Tech-Konzern Tencent beteiligte.
CEO verspricht nachhaltiges Wachstum – Analysten skeptisch
"Dieser Neustart wird die Gruppe stärken und es ihr ermöglichen, wieder nachhaltiges Wachstum und eine robuste Cash-Generierung zu erreichen", verspricht CEO Yves Guillemot. Allerdings räumt er ein, dass die Neuausrichtung "erhebliche Auswirkungen auf die kurzfristige finanzielle Entwicklung" haben wird, besonders in den Geschäftsjahren 2026 und 2027. Finanzexperten äußern bereits Zweifel, ob die angekündigten Maßnahmen ausreichen, um die gesteckten Ziele zu erreichen.
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Zur AktienanalyseStrukturwandel setzt Gaming-Branche unter Druck
Ubisoft steht exemplarisch für die Herausforderungen klassischer Spieleentwickler. Der Vormarsch von Smartphone-Games verändert die Spielegewohnheiten fundamental und macht die aufwendige Produktion von PC- und Konsolenspielen weniger profitabel. Auch Konkurrent Electronic Arts kämpft mit ähnlichen Problemen. Die Branche versucht verzweifelt, durch neue Geschäftsmodelle die Margen zu stabilisieren.
Kritik an Monetarisierungsstrategien wächst
Doch viele dieser Versuche stoßen bei Spielern auf Ablehnung. Immer häufiger werden Titel in abgespeckten Basisversionen verkauft, die durch kostenpflichtige Erweiterungen und Zusatzinhalte ergänzt werden müssen. Hinzu kommt wachsende Kritik an austauschbaren, generischen Spieleerzählungen. Diese Entwicklung führt zu Kaufzurückhaltung – ein Teufelskreis für Entwickler wie Ubisoft, die dringend auf stabile Einnahmen angewiesen sind.

