Überinvestitionen in Erdgas könnten US-Stromrechnungen deutlich erhöhen
Ein neuer RMI-Bericht warnt: Übermäßige Gasinvestitionen für Rechenzentren könnten US-Haushalte bis zu 118 Dollar jährlich mehr kosten.

Der rasante Ausbau von Rechenzentren in den USA treibt Energieversorger dazu, massiv in neue Gasinfrastruktur zu investieren. Analysten warnen nun, dass diese Entwicklung finanzielle Risiken für Millionen von Stromkunden birgt. Ein exklusiver Bericht des Nachhaltigkeits-Thinktanks RMI (früher Rocky Mountain Institute) zeigt, dass Überinvestitionen in Gasressourcen die Stromrechnung eines durchschnittlichen US-Haushalts um 94 bis 118 Dollar pro Jahr erhöhen könnten.
Das Kernproblem: Viele Versorgungsunternehmen treffen weitreichende Investitionsentscheidungen, bevor sie durch eine systemweite Planung ermittelt haben, welche Kombination aus Erzeugung, Speicherung und Übertragung am kosteneffizientesten wäre. Hinzu kommt, dass einige der geplanten Rechenzentren möglicherweise nie gebaut werden – und die Kunden dann auf den Kosten für teure neue Gaskraftwerke sitzen bleiben, die schlicht nicht benötigt werden.
„Da die Anfragen von Rechenzentren sehr schnell online gehen, schlagen die Versorgungsunternehmen und manchmal die Großabnehmer selbst sehr große Einzelkraftwerke vor, um diesen Bedarf zu decken. Das unterscheidet sich ein wenig von einem systemweiten Portfolio-Planungsansatz", sagte Jesse Cohen, Senior Associate bei RMI. „Die Geschwindigkeit, mit der sich die Dinge entwickeln, sprengt den traditionellen Planungsprozess", fügte er hinzu.
USA zum weltweiten Spitzenreiter bei Gaskapazitäten aufgestiegen
Das Ausmaß dieses Ausbaus hat die USA laut Global Energy Monitor zum internationalen Spitzenreiter bei der Entwicklung von Gaskapazitäten gemacht – und damit erstmals China überholt. Konkrete Beispiele verdeutlichen die Dimension: Entergy Louisiana plant den Bau von zehn Gaskraftwerken, um die Rechenzentren von Meta im Bundesstaat zu unterstützen. Der Versorger Northern Indiana Public Service Company plant zwei Gaskraftwerke, um die geplanten Rechenzentren von Amazon in Indiana zu versorgen.
Auch Georgia Power zeigt, wie stark der Planungsprozess unter Druck geraten ist. Der Versorger reicht traditionell alle drei Jahre ein vollständiges systemweites Planungsdokument ein, legt aber inzwischen jährlich Aktualisierungen vor. Im Jahr 2023 erhielt das Unternehmen die Genehmigung für den Bau von 1.300 Megawatt neuer Gasinfrastruktur – nur ein Jahr nach Einreichung seines offiziellen Planungsdokuments. Bis 2025 stieg dieser Wert auf weitere 3.692 Megawatt an neuen Gaskapazitäten.
Gaskraftwerke gelten als riskante Vermögenswerte: Sie sind steigenden Baukosten, Verzögerungen durch Auftragsrückstau bei Turbinen und volatilen Brennstoffpreisen ausgesetzt. Überinvestitionen auf Basis unsicherer Nachfrageprognosen verschärfen dieses Risiko, da die Fixkosten dann von weniger Kunden als erwartet getragen werden müssen.
Lösungsansätze: Bessere Planung und gestaffelte Beschaffung
Lauren Shwisberg, Leiterin der Abteilung für kohlenstofffreien Strom bei RMI, beobachtet, dass sich viele Versorgungsunternehmen zum Bau neuer Erzeugungskapazitäten verpflichten, die nicht mit den Systemplänen oder den typischen Planungszyklen übereinstimmen. „Ein Großteil dessen, was in vielen dieser außerplanmäßigen Beschaffungen geplant ist, entfällt auf Gas", sagte sie.
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Zur AktienanalyseDer RMI-Bericht nennt konkrete Maßnahmen, mit denen Versorgungsunternehmen das Risiko von Überinvestitionen steuern können:
- Verbesserung der Prognosen für Großabnehmer
- Beschleunigung der systemweiten Planungszyklen
- Gestaffelte Beschaffung, sodass sich Versorger schrittweise an neue Ressourcen binden
- Zuweisung verbleibender Risiken durch Tarife und Verträge
Als positives Beispiel gilt der Versorger Exelon: Das Unternehmen restrukturierte seine Vereinbarungen mit neuen Großabnehmern, um echte finanzielle Verpflichtungen einzubeziehen. In der Folge revidierte Exelon seine Pipeline für das Wachstum von Rechenzentren um etwa 11 Gigawatt nach unten – was dem Unternehmen half, spekulative Anfragen herauszufiltern, bevor Investitionen getätigt wurden.
Cohen bringt die Kernbotschaft des Berichts auf den Punkt: „Es ist für den Großabnehmer immer noch teurer, ein großes Gaskraftwerk zu bauen, als eine Systemplanung durchzuführen. Es ist für alle besser, einfach die kostengünstigsten Lösungen zu verfolgen." Für US-Haushalte, die bereits mit rasant steigenden Stromkosten kämpfen, könnte eine verbesserte Systemplanung also bares Geld bedeuten.


