Uber und DoorDash sondieren Übernahme von Delivery Hero
Laut Financial Times führen beide US-Konzerne Gespräche mit Investoren – Aktionäre fordern über 40 Euro je Aktie.

Uber und DoorDash haben Sondierungsgespräche mit Investoren des deutschen Essenslieferdienstes Delivery Hero über ein mögliches Übernahmeangebot geführt. Das berichtete die Financial Times am Samstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Reuters konnte den Bericht zunächst nicht unabhängig verifizieren. Uber, DoorDash und Delivery Hero reagierten zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.
Mehrere Investoren hätten signalisiert, dass sie für den deutschen Konzern einen Preis von über 40 Euro pro Aktie anstreben würden, heißt es in dem Bericht. Zum aktuellen Wechselkurs entspricht das einem Wert von rund 46,41 US-Dollar je Aktie. Damit zeichnet sich eine mögliche Bewertung ab, die erhebliche Aufschläge gegenüber dem zuletzt gehandelten Kurs implizieren würde.
Komplettverkauf oder Aufspaltung des Konzerns
Laut FT erwäge der Vorstand von Delivery Hero entweder einen vollständigen Verkauf des Unternehmens oder eine Reihe von Transaktionen, um die Geschäftsbereiche im Nahen Osten und in Südkorea abzuspalten. Damit stehen gleich mehrere strategische Optionen im Raum, die das Gesicht des Unternehmens grundlegend verändern könnten.
DoorDash sei dabei primär am Nahost-Geschäft von Delivery Hero interessiert, zu dem die Plattformen Talabat und HungerStation gehören, so die FT. Diese Regionen gelten als besonders wachstumsstark im globalen Markt für Essenslieferungen. Uber hingegen hatte Bloomberg zufolge bereits am Freitag eine vollständige Übernahme von Delivery Hero geprüft.
Uber bereits größter Aktionär bei Delivery Hero
Uber hatte seinen Anteil an Delivery Hero zuletzt mehr als verdoppelt und ist damit zum größten Einzelaktionär aufgestiegen. Das Unternehmen gab bekannt, seine Beteiligung von rund 7 Prozent auf etwa 19,5 Prozent des ausgegebenen Kapitals erhöht zu haben. Laut Berechnungen von Reuters hat dieser Anteil einen Wert von rund 1,7 Milliarden Euro.
Der Schritt Ubers erfolgte in einem turbulenten Umfeld für Delivery Hero. Vorstandsvorsitzender Niklas Östberg erklärte letzte Woche seinen Rücktritt, nachdem mehrere Großaktionäre eine strategische Überprüfung des Unternehmens gefordert hatten. Der Abgang des langjährigen Firmenchefs gilt als Signal für einen tiefgreifenden Wandel beim Berliner Konzern.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseRisiken: Regulierung und Rückzug möglich
Trotz der Berichte über konkrete Sondierungen bleibt die Lage offen. Beide Interessenten könnten sich laut FT noch dazu entscheiden, ihre Bemühungen einzustellen. Zudem könnte jede mögliche Transaktion von den Regulierungsbehörden blockiert werden – ein Risiko, das bei grenzüberschreitenden Übernahmen im Technologie- und Plattformsektor zuletzt deutlich gestiegen ist.
Für deutsche Anleger ist die Situation bei Delivery Hero von besonderer Bedeutung: Das Unternehmen ist im MDAX gelistet und zählt zu den bekanntesten deutschen Tech-Konzernen mit globaler Reichweite. Ein möglicher Verkauf an einen US-Konzern würde das Ende eines eigenständigen deutschen Schwergewichts im internationalen Liefermarkt bedeuten.


