Tyson Foods senkt Prognose wegen anhaltender Verluste im Rindfleischgeschäft
Knappes US-Rinderangebot und hohe Viehkosten zwingen den US-Fleischriesen zur Gewinnwarnung – Aktie bricht ein.

Tyson Foods hat am Montag seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr gesenkt und vor einer Ausweitung der Verluste im Rindfleischsegment gewarnt. Der US-Fleischverarbeiter leidet unter einem historisch knappen Angebot an US-Rindern, das die Viehkosten auf einem hohen Niveau hält. Die Aktien des in Springdale, Arkansas, ansässigen Unternehmens fielen im frühen Handel um rund 5 Prozent.
US-Fleischverarbeiter stehen seit Längerem unter Druck, weil die gestiegenen Kosten für Rinder die Zuwächse durch höhere Verkaufspreise für Steaks und Hackfleisch übertreffen. Die Prognosekorrektur von Tyson verdeutlicht den anhaltenden finanziellen Druck im gesamten Sektor. Das Unternehmen hatte in diesem Jahr bereits ein großes Rindfleischwerk in Nebraska geschlossen und den Betrieb in einer Anlage in Texas drastisch reduziert, was zur Entlassung Tausender Mitarbeiter führte.
Dürre und Schädlingsbefall verschärfen Angebotsknappheit
US-Rancher haben den nationalen Rinderbestand auf den niedrigsten Stand seit 75 Jahren reduziert. Eine lang anhaltende Dürre hat Weideflächen vernichtet und die Futterkosten in die Höhe getrieben, was die Rindfleischpreise steigen ließ und die Margen der Verarbeiter unter Druck setzte. Höhere Preise belasteten zudem die Nachfrage, da inflationsbewusste Verbraucher ihre Ausgaben einschränken.
Das US-Rinderangebot wurde zusätzlich eingeschränkt, nachdem Washington vor mehr als einem Jahr die Importe von Nutztieren aus Mexiko ausgesetzt hatte, um den fleischfressenden Schädling Neuwelt-Schraubenwurmfliege fernzuhalten. Die Behörde plant, dieses Verbot noch im laufenden Monat aufzuheben. CEO Donnie King erklärte jedoch in einer Telefonkonferenz, dass die Wiederaufnahme der Importe keine wesentlichen Auswirkungen auf das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr haben werde. „Die Wiedereröffnung der mexikanischen Grenze wird die gesamte Lücke bei den Rindfleischverlusten, die wir derzeit sehen, nicht schließen", sagte King. Potenzial für Verbesserungen sieht er erst ab dem Jahr 2027 und darüber hinaus.
Neue Prognose: Deutlich höhere Verluste im Rindfleischsegment
Tyson erwartet für das im September endende Geschäftsjahr 2026 nun ein bereinigtes Betriebsergebnis von 2,1 bis 2,3 Milliarden US-Dollar – gegenüber der bisherigen Prognose von 2,2 bis 2,4 Milliarden US-Dollar. Besonders drastisch fällt die Korrektur im Rindfleischsegment aus: Das Unternehmen rechnet nun mit einem bereinigten Betriebsverlust von 500 bis 650 Millionen US-Dollar, nachdem zuvor ein Verlust von 350 bis 500 Millionen US-Dollar erwartet worden war.
Im Quartal, das am 27. Juni endete, sank das Absatzvolumen bei Rindfleisch um 15,9 Prozent, während die Preise gleichzeitig um 12,1 Prozent stiegen. Der Quartalsumsatz lag mit 13,87 Milliarden US-Dollar unter den Analystenerwartungen von 14,12 Milliarden US-Dollar. Beim jährlichen Umsatzwachstum rechnet Tyson nun mit einem Plus von 2,5 bis 3,5 Prozent – Analysten hatten laut LSEG-Daten ein Wachstum von 4,3 Prozent erwartet. Zuvor hatte das Unternehmen selbst ein Wachstum von 2 bis 4 Prozent prognostiziert.
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Zur AktienanalyseHähnchensegment federt Schwäche teilweise ab
Angesichts steigender Rindfleischpreise weichen einige Verbraucher auf Hähnchen als günstigere Proteinquelle aus – ein Trend, der Tyson zugutekam. Das Absatzvolumen bei Hähnchen stieg im Quartal um 1 Prozent, während die bereinigte operative Marge in diesem Segment um 11,2 Prozent zulegte. Das Hähnchensegment konnte damit einen Teil der Schwäche im größeren Rindfleischbereich ausgleichen.
Arun Sundaram, Analyst bei CFRA Research, brachte die Lage auf den Punkt: „Das Rindfleischgeschäft war in den letzten drei Jahren ein anhaltender Gegenwind und ein Hauptgrund dafür, dass die Aktie die Erwartungen trotz der deutlichen Trendwende und Margenverbesserung im Hähnchensegment nicht erfüllen konnte." Für Anleger bleibt die Frage, wann sich das Rinderangebot in den USA nachhaltig erholt und die Margen der Fleischverarbeiter wieder normalisieren.


