Tuyo-Kryptokarte: Zufallsprinzip entscheidet über Rückerstattung beim Einkauf
Das Fintech-Unternehmen Tuyo kombiniert Stablecoins mit Glücksspielelementen – Käufe werden nur manchmal belastet.

Ein neues Finanzprodukt sorgt für Aufsehen: Das Fintech-Unternehmen Tuyo hat eine Prepaid-Debitkarte mit einer sogenannten „Buy-now-pay-maybe"-Funktion eingeführt. Das Besondere daran ist, dass Karteninhaber beim Bezahlen an der Kasse dem Zufallsprinzip überlassen, ob ihr Guthaben tatsächlich belastet wird oder nicht. Das Modell basiert auf Stablecoins – digitalen Währungen, die an einen anderen Vermögenswert, in der Regel den US-Dollar, gekoppelt sind.
Das Konzept lehnt sich bewusst an die bekannten „Buy-now-pay-later"-Produkte an, die es Verbrauchern ermöglichen, Einkäufe in Raten zu bezahlen. Bei Tuyo geht das Prinzip jedoch einen Schritt weiter: Statt einer garantierten Ratenzahlung erstattet die Kryptowährungskarte bestimmte Käufe zurück – oder eben nicht. Wann und ob eine Rückerstattung erfolgt, entscheidet der Zufall.
Gamification im Finanzbereich auf dem Vormarsch
Kritiker sehen in diesem Modell ein weiteres Beispiel für den wachsenden Einfluss der Glücksspielkultur auf alltägliche Ausgaben. Finanzprodukte integrieren zunehmend sogenannte Gamification-Elemente – also spielerische Mechanismen, die Wettbewerb oder sofortige Belohnung suggerieren, um Nutzer langfristig an ein Produkt zu binden. Das Tuyo-Modell steht exemplarisch für diesen Trend.
Für deutsche Verbraucher ist das Konzept besonders erklärungsbedürftig: Während hierzulande Produkte wie Klarna oder Ratenkauf-Optionen bereits weit verbreitet sind, geht das „Pay-maybe"-Prinzip deutlich über klassische Zahlungsaufschübe hinaus. Hier wird nicht nur der Zeitpunkt der Zahlung verschoben, sondern die Zahlung selbst zur Glückssache gemacht.
Stablecoins als technische Grundlage
Die technische Basis der Karte bilden Stablecoins, die im Kryptobereich als vergleichsweise risikoarme digitale Währungen gelten, da ihr Wert an einen stabilen Vermögenswert – meist den US-Dollar – gekoppelt ist. Für Nutzer bedeutet das, dass sie ihr Guthaben in dieser digitalen Währungsform halten, während das Zufallsprinzip über die tatsächliche Belastung entscheidet.
Die Verbindung von Kryptowährungstechnologie und spielerischen Belohnungsmechanismen ist ein wachsender Trend in der Fintech-Branche. Unternehmen versuchen, jüngere, technikaffine Zielgruppen anzusprechen, die sowohl mit digitalen Währungen als auch mit gamifizierten Erlebnissen vertraut sind.
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Zur AktienanalyseKritische Stimmen warnen vor Risiken
Kritiker mahnen jedoch zur Vorsicht: Wenn finanzielle Entscheidungen mit Zufallselementen verknüpft werden, besteht die Gefahr, dass Verbraucher ihr Ausgabeverhalten nicht mehr rational steuern. Das Versprechen einer möglichen Rückerstattung könnte dazu verleiten, mehr auszugeben als ursprünglich geplant – in der Hoffnung, beim nächsten Kauf „Glück" zu haben.
Die Frage, die sich Verbraucher stellen sollten, lautet daher: Zu welchem Preis kommt die Chance auf eine Rückerstattung? Wer sein Ausgabeverhalten von Zufallsmechanismen abhängig macht, riskiert, die Kontrolle über seine persönlichen Finanzen zu verlieren – unabhängig davon, ob die zugrundeliegende Währung digital oder klassisch ist.


