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Turkmenistan öffnet sich vorsichtig: Wandel im isolierten Zentralasien

Das abgeschottete Turkmenistan zeigt unter dem neuen Präsidenten zaghafte Reformsignale – E-Commerce und Diplomatie als Vorboten des Wandels.

Turkmenistan öffnet sich vorsichtig: Wandel im isolierten Zentralasien

Aschgabat gilt als eine der verschlossensten Hauptstädte der Welt. Doch mitten in der turkmenischen Metropole leitet der 38-jährige Azat Seyitmuhammedov ein E-Commerce-Startup namens Wabrum – ein Unternehmen, das er vor fast einem Jahrzehnt gegründet hat. In einem hell erleuchteten Großraumbüro koordiniert er Kuriere, die Kleidung und Schuhe überwiegend türkischer Herkunft an Kunden in der gesamten ehemaligen Sowjetrepublik liefern.

„Das mag in Europa oder den Vereinigten Staaten normal klingen, aber für Turkmenistan ist das neu", sagte der Vater von sechs Kindern. „Der E-Commerce steckt hier noch in den Kinderschuhen, und wir betrachten uns als Pioniere." Sein Unternehmen steht stellvertretend für eine aufblühende Szene versierter Privatunternehmen in einem Land, das lange Zeit nahezu vollständig von der Außenwelt abgeschirmt war.

Reuters erhielt seltenen Zugang zu Turkmenistan und konnte ohne Begleitung reisen sowie frei berichten – ein ungewöhnlicher Umstand für das zentralasiatische Land, das an den Iran und Afghanistan grenzt und weitgehend aus Wüste besteht.

Erbe der Isolation: Niyazovs Vermächtnis

Die Wurzeln der Abschottung reichen bis in die frühen 1990er-Jahre zurück. Nach der Unabhängigkeit von Moskau im Jahr 1991 erklärte Präsident Saparmurat Niyazov – bekannt als „Turkmenbaschi" oder Oberhaupt der Turkmenen – das Land für „dauerhaft neutral". Er verschloss die Türen für die meisten Besucher und führte eines der strengsten Visaregime der Welt ein. Gleichzeitig entstand ein ausgeprägter Personenkult, während die Hauptstadt Aschgabat mit Marmorbauten neu errichtet wurde – finanziert durch die Erdgasreserven des Landes, die zu den viertgrößten der Welt zählen.

Zwei Jahrzehnte nach Niyazovs Tod besteht dieses System weitgehend fort. Turkmenische Beamte begründen die Isolation mit der geografischen Lage des Landes und der Notwendigkeit, es vor islamistischen Militanten und Drogenschmuggel aus dem benachbarten Afghanistan zu schützen. Turkmenistan hat laut staatlichen Statistiken rund 7,7 Millionen Einwohner.

Vorsichtiges Tauwetter seit 2022

Seit 2022, als Präsident Serdar Berdymukhamedov das Amt von seinem Vater Gurbanguly Berdymukhamedov übernahm, sind jedoch Anzeichen eines bescheidenen Wandels erkennbar. Der neue Staatschef reist häufiger ins Ausland als seine Vorgänger und hat die diplomatischen Beziehungen Turkmenistans gestärkt. Das Land hat erklärt, sein Visaregime vereinfachen, der Welthandelsorganisation beitreten und die weitgehend staatlich gelenkte Wirtschaft diversifizieren zu wollen.

Einige ausländische Diplomaten in Aschgabat bestätigten gegenüber Reuters ein spürbares Gefühl des Wandels – wenn auch langsam. Ein in Turkmenistan ansässiger westlicher Diplomat erklärte, Teile der Elite seien an Reformen interessiert, und die persönlichen Freiheiten hätten in den letzten Jahren leicht zugenommen. Als Treiber des Wandels gilt ein Generationswechsel innerhalb der herrschenden Elite.

Dennoch bleibt das Land für ausländische Investoren ein schwieriges Terrain. Turkmenistan unterhält sowohl offizielle als auch inoffizielle Wechselkurse für den US-Dollar, die Politik bleibt undurchsichtig. Die internationalen Unternehmen, die im Land aktiv sind, stammen überwiegend aus der Türkei. Für westliche Investoren und Beobachter bleibt Turkmenistan damit vorerst ein Land im Wartemodus – mit ersten, vorsichtigen Schritten in Richtung Öffnung.

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