TSMC-Zahlen, Iran-Spannungen und Wall Street im Fokus
Chip-Sektor unter Druck, Ölpreise steigen, DAX kämpft um 25.000 Punkte – ein turbulenter Börsentag mit vielen Schauplätzen.

Die laufende Berichtssaison stellt Anleger weltweit auf die Probe. Besonders im Chip-Sektor ist die Nervosität spürbar: Vor den mit Spannung erwarteten Quartalszahlen des Halbleiter-Riesen TSMC zeigten sich Investoren in Asien auffallend zurückhaltend. Die Unsicherheit rund um Künstliche Intelligenz (KI) und die hohen Erwartungen an die Branche lasten auf den Kursen.
Selbst positive Nachrichten verpufften wirkungslos. ASML, der wichtigste Ausrüster der Chip-Industrie, hob seine Umsatzprognosen an – und schloss dennoch leicht im Minus. JPMorgan-Händler Brian Heavey brachte es auf den Punkt: „Ich glaube nicht, dass es eine einzelne negative Schlagzeile gibt, die den Ausverkauf bei Halbleitern antreibt. Ich denke, es zeigt nur, wie hoch die Messlatte für die Chip-Ergebnisse liegt."
Die Folgen waren an den asiatischen Börsen deutlich spürbar. Der südkoreanische Kospi brach um 6,3 Prozent ein – belastet von massiven Kursverlusten bei Samsung und SK Hynix. Der japanische Nikkei verlor drei Prozent.
Ölpreise steigen: Iran-Konflikt heizt Märkte auf
Parallel dazu sorgen die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten für steigende Rohstoffpreise. US-Präsident Donald Trump drohte Iran mit Angriffen auf die zivile Infrastruktur des Landes. Das US-Militär meldete unterdessen eine zweite Angriffswelle des Tages, die sich gegen militärische Kapazitäten Irans richtete – jene, die laut US-Angaben genutzt worden seien, um Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu bedrohen.
Am Rohstoffmarkt schlug sich das nieder: Die Nordsee-Rohölsorte Brent verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 85,36 Dollar je Barrel. Das US-amerikanische Pendant WTI notierte 0,7 Prozent fester bei 80,17 Dollar.
Der DAX blieb von dieser Gemengelage nicht unberührt. Der deutsche Leitindex gab am Mittwoch erneut nach und schloss mit einem Minus von 0,6 Prozent bei 24.999 Punkten. Die viel beachtete 50-Tage-Chartlinie – ein Indikator für den mittelfristigen Trend – erwies sich dabei als wichtige Unterstützung. Broker IG taxierte den DAX zur Stunde mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent bei 25.027 Punkten, das Ringen um die psychologisch wichtige 25.000-Punkte-Marke geht also weiter.
Consorsbank-Chefmarktanalyst Jochen Stanzl ordnete die Lage nüchtern ein: „Die relative Stärke der Aktienmärkte deutet darauf hin, dass kaum ein Anleger von einer Rückkehr zu einem Krieg mit unkontrolliertem gegenseitigen Beschuss ausgeht." Schnäppchenjäger würden darauf setzen, dass Trumps Drohkulisse lediglich eine Verhandlungstaktik sei.
Wall Street in Kauflaune – Fed-Hoffnungen beflügeln
Ganz anders die Stimmung an der Wall Street: Dort dominierten die Käufer. Der Dow Jones schloss 0,3 Prozent höher bei 52.659 Punkten, der S&P 500 legte um 0,4 Prozent auf 7.572 Zähler zu, und der technologielastige Nasdaq gewann 0,6 Prozent auf 26.269 Punkte.
Treiber der guten Stimmung waren überraschend gesunkene Erzeugerpreise, die Hoffnungen auf ein Ende der Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed nährten. Bereits am Dienstag hatten unerwartet niedrige Verbraucherpreise für Erleichterung gesorgt. Laut dem FedWatch-Tool der CME preisen die Märkte eine weitere Zinserhöhung im laufenden Monat nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 10,2 Prozent ein – vor einer Woche lag dieser Wert noch bei 31 Prozent.
Zusätzlichen Rückhalt lieferte das sogenannte „Beige Book" der Fed: Demnach hat sich die US-Konjunktur zuletzt leicht belebt, die Beschäftigung stieg und die Inflation schwächte sich möglicherweise ab. Fed-Chef Kevin Warsh zeichnete bei seiner Anhörung im Kongress ein weitgehend positives Bild: Die US-Wirtschaft wachse in solidem Tempo und zeige sich trotz des Energiepreisschocks durch den Nahost-Konflikt als widerstandsfähig.
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Zur AktienanalyseStarke Bankzahlen, Netflix und Uber im Blick
Positive Impulse kamen auch aus dem Finanzsektor. Vermögensverwalter BlackRock und Investmentbank Morgan Stanley übertrafen die Gewinnerwartungen für das zweite Quartal deutlich. BlackRock-Aktien sprangen um 6,6 Prozent nach oben, Morgan Stanley legte 0,4 Prozent zu. Johnson & Johnson hingegen verlor 2,7 Prozent – trotz angehobener Jahresziele bemängelten Anleger durchwachsene Umsätze im Arzneimittelgeschäft.
Nun rückt die Tech-Branche in den Vordergrund. Streaming-Riese Netflix läutet mit seinen Quartalsergebnissen die Bilanzsaison der US-Techgiganten ein. Der Konzern steht unter Druck, Investoren von seiner Wachstumsstrategie zu überzeugen. Da der Schub durch das Vorgehen gegen das Passwort-Teilen und durch Preiserhöhungen nachlässt, gilt das Werbegeschäft als entscheidend. Netflix setzt dabei auf Live-Events und prüft Medienberichten zufolge ein Gebot für die US-Übertragungsrechte der Fußball-Weltmeisterschaften 2030 und 2034.
Für Aufsehen sorgt zudem ein möglicher Mega-Deal im Lieferdienst-Sektor: Fahrdienst-Anbieter Uber soll laut einem Bericht der Financial Times ein rund 12,5 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für den Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero vorbereiten. Uber biete den Aktionären demnach 41 Euro je Aktie.


