Tschechien plant Haushaltsdefizit von 2,8 Prozent des BIP 2027
Das tschechische Finanzministerium veröffentlichte einen neuen Haushaltsplan mit höheren Defiziten als die Vorgängerregierung vorgesehen hatte.

Das tschechische Finanzministerium hat am Dienstag einen neuen mittelfristigen Haushaltsplan vorgelegt. Demnach soll das Haushaltsdefizit des Landes von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2026 auf 2,8 Prozent im Jahr 2027 ansteigen. Damit liegen die Prognosen der neuen Regierung deutlich über den Schätzungen der Vorgängerregierung, die Ende 2025 aus dem Amt schied.
Ein zentrales Ziel des Plans ist es, das Defizit unterhalb der 3-Prozent-Schwelle der Europäischen Union zu halten. Diese Grenze wird derzeit von mehreren anderen EU-Mitgliedstaaten überschritten. Tschechien will sich damit als fiskalisch verantwortungsvolles Land innerhalb der EU positionieren.
Finanzministerin Alena Schillerova kommentierte den Plan mit den Worten: „Der Plan hält Tschechien unter den leistungsstärksten Ländern Europas und ermöglicht gleichzeitig die Durchführung wichtiger wachstumsfördernder Reformen."
Defizit soll ab 2028 schrittweise sinken
Nach dem Höchststand im Jahr 2027 sieht der Plan einen kontinuierlichen Rückgang des Defizits vor. Konkret sind folgende Werte geplant:
- 2028: 2,1 Prozent des BIP
- 2029: 1,7 Prozent des BIP
- 2030: 1,3 Prozent des BIP
Zum Vergleich: Der vorangegangene Haushaltsplan aus dem Jahr 2024 hatte für 2027 lediglich ein Defizit von 0,9 Prozent und für 2028 sogar nur 0,5 Prozent vorgesehen. Die neue Regierung setzt damit auf einen deutlich lockereren fiskalischen Kurs.
Die derzeitige Regierung hat zur Begründung die nationalen Haushaltsregeln geändert. Sie argumentiert, dass die bisherigen Vorschriften zu restriktiv gewesen seien, um den Haushalt für das kommende Jahr ohne drastische Ausgabenkürzungen aufstellen zu können. Kritiker warnen jedoch, dass diese Regeländerungen zu einem erheblichen Anstieg des Defizits führen könnten.
Staatsverschuldung erreicht 2027 ihren Höchststand
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseNeben dem laufenden Defizit prognostiziert der Plan auch die Entwicklung der Bruttostaatsverschuldung. Diese soll im Jahr 2027 mit 46,8 Prozent des BIP ihren Höchststand erreichen und in den Folgejahren leicht zurückgehen. Damit bleibt Tschechien im europäischen Vergleich noch weit unter dem EU-Durchschnitt, der deutlich über 80 Prozent liegt.
Das Kabinett wird den Haushaltsplan am 15. Juni beraten. Anschließend soll er der Europäischen Kommission vorgelegt werden, wie das Finanzministerium mitteilte. Die Kommission prüft die nationalen Haushaltspläne im Rahmen des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts auf ihre Vereinbarkeit mit den EU-Fiskalregeln.

