Trumps neue Zoll-Offensive: Warum sie diesmal grundlegend anders ist
Die USA verhängen neue Zölle gegen 60 Handelspartner – in einem wirtschaftlich deutlich schwierigeren Umfeld als zuvor.

Die Trump-Regierung hat am Freitag eine neue Zoll-Offensive gegen 60 Handelspartner gestartet, darunter die Europäische Union, China, Großbritannien und Kanada. Die neuen Abgaben traten um 00:01 Uhr ET in Kraft und ersetzen den am 24. Juli ausgelaufenen 10-Prozent-Basiszoll. Die Zölle liegen je nach Land zwischen 10 % und 12,5 % und betreffen 99,4 % aller amerikanischen Importe.
Die erste Marktreaktion fiel verhalten aus. Da das Auslaufen der bisherigen Zölle absehbar war, hatten Anleger den neuen Vorstoß weitgehend eingepreist. Dies unterscheidet sich deutlich vom sogenannten „Liberation Day" im April 2025, als überraschend angekündigte Abgaben die globalen Märkte einbrechen ließen.
Ein anderes wirtschaftliches Umfeld
Analysten und Investoren betonen jedoch, dass die Rahmenbedingungen diesmal erheblich schwieriger sind. Die neuen Zölle treffen auf eine Weltwirtschaft, die bereits mit den Folgen des anhaltenden Nahostkonflikts und hartnäckigem Inflationsdruck zu kämpfen hat. Die Ölpreise sind in dieser Woche erneut über die Marke von 100 US-Dollar gestiegen, da die Hoffnungen auf einen Waffenstillstand schwinden.
„Die Bedeutung ist dieses Mal zweigeteilt", sagte Emma Moriarty, Portfoliomanagerin bei CG Asset Management. „Es zeigt nicht nur das Bekenntnis der Trump-Regierung zu Zöllen, sondern dieses Bekenntnis erfolgt vor dem Hintergrund eines globalen Energieschocks und zunehmender Engpässe in den Lieferketten." Moriarty warnte: „Wir müssen uns auf ein Szenario mit geringem Wachstum und hoher Inflation einstellen."
Auch Russ Mould, Investment Director bei AJ Bell, sieht die Lage kritisch. „Obwohl das Ergebnis für die Märkte kein völliger Schock sein wird, stellt es dennoch eine weitere unwillkommene Quelle der Unsicherheit dar, da die Stimmung durch den erneuten Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie Sorgen über die Ausgaben im Technologiesektor belastet wird", so Mould.
Neuer rechtlicher Rahmen nach Gerichtsurteil
Die neue Zollrunde basiert auf einem anderen rechtlichen Fundament als die Vorgänger-Maßnahmen. Nachdem der Oberste Gerichtshof im Februar geurteilt hatte, dass die vorherigen Zölle rechtswidrig waren, suchte die Regierung einen alternativen Weg. Der neue Vorstoß wird über Abschnitt 301 des US-Handelsgesetzes von 1974 verfolgt. Als Begründung führen Beamte angebliche Zwangsarbeitspraktiken in den betroffenen Ländern an.
Konkret gilt: Länder, die Verbote gegen Zwangsarbeit eingeführt oder sich dazu verpflichtet haben, werden mit 10 % belastet. Länder ohne solche Maßnahmen zahlen 12,5 %. Alan Siow, Co-Leiter für EM-Unternehmensanleihen bei Ninety One Asset Management, erklärte, das Weiße Haus scheine sich an solche rechtlichen Beschränkungen anzupassen und fühle sich möglicherweise durch begrenzte Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder sowie das Ausbleiben eines deutlichen Inflationsschubs ermutigt.
Droht eine dauerhafte Belastung für die Märkte?
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Zur AktienanalyseExperten sehen in den neuen Maßnahmen mehr als nur eine kurzfristige Verhandlungstaktik. Martin Jacob, Professor für Rechnungswesen und Controlling an der IESE Business School in Barcelona, sagte, die Wiedereinführung der Zölle deute darauf hin, dass das Weiße Haus Importabgaben als „dauerhaftes Merkmal" der US-Wirtschaftspolitik etablieren wolle. Das nahende Auslaufen der bisherigen befristeten Maßnahmen habe die Regierung unter Druck gesetzt, dauerhaftere Zollregime einzuführen.
Matthew Ryan, Leiter der Marktstrategie beim globalen Finanzdienstleister Ebury, warnte ebenfalls, dass die Beständigkeit der neuen Abgaben das Risiko eines dauerhafteren strukturellen Belastungspunkts für die Märkte berge. Siow ergänzte, er erwarte, dass andere Länder zunächst maßvoll reagieren und eine Eskalation vorerst zurückhalten würden, bis die tatsächlichen Auswirkungen der Politik klarer werden.
Für deutsche und europäische Anleger ist die Entwicklung besonders relevant: Die EU gehört zu den direkt betroffenen Handelspartnern. Sollten die Zölle dauerhaft bestehen bleiben und weitere Vergeltungsmaßnahmen folgen, könnten exportorientierte Unternehmen – ein Rückgrat der deutschen Wirtschaft – unter erheblichen Druck geraten.


