Trump-Xi-Gipfel in Peking: Die Welt schaut gebannt zu
Wenn Trump und Xi in Peking zusammentreffen, stehen Handel, Taiwan, Seltene Erden und KI auf der Agenda – mit globalen Folgen.

US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping treffen sich in Peking zu einem Gipfel mit potenziell enormer Reichweite. Die Agenda umfasst Handel, Technologie, Exportkontrollen für Seltene Erden, Taiwan, den Iran-Krieg und künstliche Intelligenz. Staats- und Regierungschefs von Singapur bis Brüssel verfolgen die Entwicklungen genau – auch wenn sie nicht im Raum sind, wenn weitreichende Entscheidungen fallen.
Die Ausgangslage ist angespannt: Washington wirft Peking Kampagnen im „industriellen Maßstab" zum Diebstahl amerikanischer KI-Technologie vor. China seinerseits hat Unternehmen angewiesen, US-Sanktionen gegen iranisches Öl nicht zu befolgen, und empfing den iranischen Außenminister zu einem Besuch. Beide Seiten haben den Druck im Vorfeld des Gipfels spürbar erhöht.
Das ursprünglich für März geplante Treffen wurde verschoben, nachdem Washington in seinen Krieg gegen den Iran verwickelt wurde – ein Konflikt, der nach Einschätzung von Beobachtern den schwersten Energieschock der Weltgeschichte ausgelöst hat. Trump hat zudem signalisiert, dass Xi Washington im weiteren Jahresverlauf besuchen soll, was die erste Reise des chinesischen Führers in die US-Hauptstadt seit zehn Jahren wäre.
Seltene Erden und Lieferketten unter Druck
Chinas Entscheidung, den Export einer breiten Palette Seltener Erden und zugehöriger Magnete auszusetzen sowie Halbleiter des Unternehmens Nexperia China zu verbieten, hat globale Lieferketten erschüttert. Besonders betroffen sind Automobilhersteller in Europa, Japan und Südkorea, für die diese Materialien zentral sind. Die wirtschaftlichen und politischen Folgen dieser Maßnahmen reichen weit über Asien hinaus.
Hochrangige Beamte beider Seiten bereiten den Gipfel intensiv vor. Der chinesische Vize-Premierminister He Lifeng und US-Finanzminister Scott Bessent treffen sich am Mittwoch vor dem Gipfel in Südkorea, um Wirtschafts- und Handelsfragen zu erörtern. Laut Gabriel Wildau, Geschäftsführer der Politikberatung Teneo, könnten sie dabei versuchen sicherzustellen, dass jüngste Eskalationen – darunter US-Sanktionen gegen chinesische Raffinerien, die iranisches Rohöl kaufen, sowie Pekings Gegenmaßnahmen – einen im vergangenen Jahr vereinbarten Waffenstillstand nicht gefährden.
Taiwan: Das brisanteste Thema
Sowohl die USA als auch China haben erklärt, dass Taiwan ganz oben auf der Tagesordnung stehen wird. Berichten zufolge hat Peking die Trump-Regierung gedrängt, ihre Sicherheitszusagen zurückzufahren und die offizielle US-Politik gegenüber der Insel zu revidieren. China beansprucht die demokratisch regierte Insel als eigenes Territorium – ein Anspruch, den Taiwan zurückweist – und kritisiert seit Langem die US-Waffenverkäufe an Taipeh.
Bonnie Glaser, Geschäftsführerin des Indopazifik-Programms beim German Marshall Fund of the United States, warnte, dass jede rhetorische Aufweichung seitens Trumps – selbst wenn sie zweideutig wäre – das „destabilisierendste Ergebnis" des Gipfels wäre. Chinas Chefdiplomat Wang Yi bezeichnete Taiwan in einem Telefonat mit US-Außenminister Marco Rubio am 30. April als den „größten Risikopunkt" in den bilateralen Beziehungen.
Energiekrise und die Straße von Hormus
Die Straße von Hormus ist ein weiteres zentrales Thema, das besonders Südostasien betrifft. Die Region ist stark von Öl aus der Golfregion abhängig und hat die Hauptlast des durch den Nahostkonflikt ausgelösten Energieschocks getragen. Vertreter Singapurs haben wiederholt vor den wirtschaftlichen Folgen gewarnt und gleichzeitig die freie Durchfahrt durch die Meerenge gefordert.
Sollten Trump und Xi eine Einigung über gemeinsame Bemühungen zur Wiederöffnung der Straße von Hormus erzielen, könnte dies kurzfristige Entlastung in der Energiekrise bringen. Einige Analysten halten ein solches Ergebnis jedoch für unwahrscheinlich.
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Ein Gipfelerfolg könnte für Europa und Japan paradoxerweise Nachteile bringen. Ein potenzielles Energieabkommen, bei dem Peking zustimmt, mehr US-Öl und -Erdgas zu kaufen, könnte die globalen Rohstoffpreise in die Höhe treiben, warnt Matt Gertken, Chefstratege bei BCA Research. Zudem könnten chinesische Zusagen für Direktinvestitionen in die US-Wirtschaft japanische und europäische Marktanteile verdrängen.
Auch Moskau verfolgt den Gipfel aufmerksam. Die Unterstützung aus China hat für Russland zuletzt erheblich an Bedeutung gewonnen. Das letzte persönliche Treffen zwischen Trump und Xi im Oktober veranlasste russische Beamte dazu, schnell zu handeln, um Moskaus Bündnis mit Peking zu bekräftigen. Russlands Präsident Wladimir Putin soll Peking nächste Woche besuchen – nur wenige Tage nach Trumps Abreise.
Die künftige Entwicklung der Beziehungen zwischen Washington und Peking – ob in Richtung Kooperation oder Konfrontation – wird massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Ein kontroverser Gipfel, der die Spannungen verschärft, könnte die wirtschaftliche und geopolitische Volatilität verlängern und den Welthandel sowie das globale Wachstum lähmen.

