Trump und Warsh: Schicksalsgemeinschaft an der Spitze der US-Wirtschaft
Mit Kevin Warshs Amtsantritt als Fed-Chef trägt Trump nun die volle Verantwortung für die US-Wirtschaftspolitik – ohne Sündenbock.

Mit der Vereidigung von Kevin Warsh als neuem Vorsitzenden der US-Notenbank Federal Reserve hat Präsident Donald Trump nun die gesamte Führungsebene der amerikanischen Wirtschaftspolitik nach seinen Vorstellungen besetzt. Die feierliche Zeremonie fand am Freitag im Weißen Haus statt – in einer Atmosphäre, die Beobachtern zufolge eher an eine Wahlkampfveranstaltung erinnerte. Kabinettsmitglieder, Richter des Obersten Gerichtshofs und hochrangige Berater des Weißen Hauses nahmen teil.
Trump nutzte die Gelegenheit für eine längere Rede und erklärte, er wolle, dass Warsh „sein eigenes Ding mache und einen großartigen Job abliefere". Gleichzeitig machte er seine wirtschaftspolitischen Erwartungen deutlich: „Kevin versteht, dass eine boomende Wirtschaft etwas Gutes ist. Wir wollen, dass sie boomt. Wir wollen nicht, dass sie abgewürgt wird."
Das Ende des bequemen Sündenbocks
Bislang hatte Trump seinen früheren Fed-Chef Jerome Powell als Zielscheibe für wirtschaftliche Missstände genutzt – von hohen Hypothekenzinsen bis hin zum schleppenden Wirtschaftswachstum. Powell war Trump in seiner ersten Amtszeit von Beratern wie dem damaligen Finanzminister Stephen Mnuchin empfohlen worden, was Trump stets als Argument nutzte, um Distanz zu schaffen. Mit Warsh ist das anders: Er ist Trumps eigene, bewusste Wahl. Die politische Verantwortung für die wirtschaftlichen Ergebnisse liegt damit klar beim Präsidenten selbst.
Richard Stern, Wirtschaftspolitik-Analyst am konservativen Think Tank Advancing American Freedom, bringt es auf den Punkt: „Powell war für Trump ein wirklich großartiger Sündenbock für Probleme, die nichts mit Powell zu tun hatten." Nun, so Stern, „wird es Trumps Wirtschaft sein."
Trübe Wirtschaftsdaten belasten Trumps Zustimmungswerte
Die wirtschaftliche Ausgangslage für Warsh ist alles andere als einfach. Rund 90 Minuten vor seiner Vereidigung wurden Daten zum Verbrauchervertrauen veröffentlicht, die eine gedrückte Stimmung in der amerikanischen Bevölkerung zeigen. Besonders alarmierend: Das Wirtschaftsvertrauen bei unabhängigen Wählern – einem entscheidenden Block für die bevorstehenden Kongress-Zwischenwahlen – und selbst bei Republikanern fiel auf den niedrigsten Stand seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit.
Trumps Zustimmungswerte in Wirtschaftsfragen sind seit seinem Wahlsieg drastisch gesunken. Dabei hatte er seinen Wahlkampf mit dem Versprechen gewonnen, die Preise zu senken und die Probleme bei der Bezahlbarkeit für US-Haushalte anzugehen. Die Realität sieht anders aus: Der Inflationsindikator, den die Fed zur Festlegung ihres 2-Prozent-Ziels verwendet, hat sich seit März 2025 von 2,3 Prozent auf 3,5 Prozent beschleunigt.
Auch am Immobilienmarkt bleibt die Lage angespannt. Der Zinssatz für 30-jährige Hypotheken ist wieder auf über 6,5 Prozent gestiegen – ein Neunmonatshoch, das den ohnehin schwächelnden Markt weiter belastet. Hinzu kommt der Benzinpreis: Eine Gallone kostete zuletzt im Durchschnitt 4,55 US-Dollar, verglichen mit weniger als 3 Dollar, bevor Trump Ende Februar Angriffe auf den Iran startete.
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Zur AktienanalyseZwischenwahlen als entscheidender Prüfstein
Wie stark Warshs Leistung als Fed-Chef die Aussichten der Republikanischen Partei bei den Zwischenwahlen beeinflussen wird, ist noch offen – birgt aber erhebliche Risiken. Eine hohe Inflation schadet traditionell den regierenden Parteien, deren Wähler um ihre Kaufkraft fürchten. Die Bekämpfung der Inflation erfordert jedoch in der Regel Zinserhöhungen – eine Maßnahme, die selten populär ist und von Trump mit Sicherheit nicht begrüßt würde.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Fed ein vielschichtiges Gremium ist, in dem ein neuer Vorsitzender seine Autorität erst schrittweise aufbauen muss. Gleichzeitig beobachtet die Welt genau, ob und wie stark Trump Einfluss auf die eigentlich unabhängige Zentralbank nimmt. Die Schicksale von Trump und Warsh sind damit untrennbar miteinander verknüpft – im Guten wie im Schlechten.


