Trump und Warsh: Politischer Druck auf die US-Notenbank Fed
Regelmäßige Anrufe von Präsident Trump bei Fed-Chef Warsh schüren Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank.

Die US-Notenbank Federal Reserve steht unter zunehmendem Beobachtungsdruck. Laut einem Bericht des Wall Street Journal telefoniert Präsident Donald Trump seit dem Amtsantritt von Fed-Chef Kevin Warsh im Mai regelmäßig mit dem Notenbankchef. Die Themen sollen dabei Künstliche Intelligenz und der Iran-Krieg umfassen – nicht aber Zinssätze.
Das Journal beschreibt das Muster der Kontaktaufnahme als „schubweise": Trump rufe „mehrmals innerhalb weniger Tage an, gefolgt von längeren Pausen", berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Trump suche Warshs Rat zu wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges im Iran sowie zum rasanten Aufstieg der Künstlichen Intelligenz. Zinspolitik sei dabei kein Thema gewesen.
Dennoch sorgt die Berichterstattung für Unruhe an den Finanzmärkten. Der Hintergrund ist heikel: Trump hatte bereits Warshs Vorgänger Jerome Powell wiederholt öffentlich zu Zinssenkungen gedrängt. Diese Vorgeschichte erhöht die Sensibilität des Anleihemarktes gegenüber Anzeichen politischer Einflussnahme auf die Fed erheblich.
Warshs schwieriger Start als Fed-Chef
Warshs erste Pressekonferenz im vergangenen Monat löste an der Wall Street bereits eine skeptische Reaktion aus. Die Renditen langfristiger Staatsanleihen stiegen an, da der Anleihemarkt einen sogenannten „Glaubwürdigkeitsaufschlag" einforderte. Analysten kritisierten eine Diskrepanz zwischen Warshs falkenhafter Rhetorik zur Preisstabilität und der gleichzeitigen Entscheidung der Fed, die Zinsen trotz dreier interner Gegenstimmen unverändert zu lassen.
Zusätzlich verunsicherte Warshs bewusster Schritt, die detaillierte Forward Guidance zu beenden, die Investoren. Die mangelnde Klarheit über künftige Zinspfade gilt als weiterer Belastungsfaktor für das Vertrauen der Märkte in die neue Fed-Führung. Einige Analysten sehen die Fed in der Gefahr, an Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Anleihemarkt im Spannungsfeld
Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen war am vergangenen Freitag auf ein 19-Jahres-Hoch gestiegen – die inflationssensitivste Laufzeit am Markt. In den drei darauffolgenden Handelssitzungen bis Mittwoch sank sie jedoch wieder. Auch die zinssensitive 2-jährige Rendite ist zuletzt gefallen, liegt aber weiterhin deutlich über dem effektiven Leitzins der Fed – ein Zeichen dafür, dass der Markt nach wie vor eine Zinserhöhung einpreist.
Fed-Funds-Futures bewerten die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im kommenden Monat derzeit als ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Ob die Renditen ihren Höhepunkt bereits erreicht haben oder weiter steigen und damit den Druck auf die Fed für eine Erhöhung verstärken werden, bleibt offen.
Inflation, Iran und die nächste Fed-Sitzung
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Zur AktienanalyseMehrere Risikofaktoren bewegen sich gleichzeitig in einer Grauzone der Ungewissheit. Der im Juli anstehende Bericht zur US-Verbraucherinflation wird wichtige Hinweise darüber liefern, ob der durch den Iran-Krieg verursachte Anstieg des Preisdrucks vorübergehender Natur ist. Berichte über ein mögliches Abkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus für mehr Energieexporte könnten den Inflationsdruck in den kommenden Monaten mildern.
Sollte sich die Lage entspannen, könnte sich die abwartende Haltung der Fed im Nachhinein als weitsichtig erweisen. Optimisten verweisen auf den jüngsten Rückgang der 30-jährigen Renditen als positives Signal. Die September-Sitzung der Fed, die neue Wirtschaftsprognosen enthalten wird, dürfte für Warsh zur nächsten großen Bewährungsprobe werden – zumal der Bericht über Trumps Anrufe die Aufmerksamkeit bei seiner nächsten Pressekonferenz erheblich steigern wird.
Die Kombination aus politischen Fragen rund um Trumps Einfluss auf Warsh, anhaltenden Inflationsrisiken und einer verunsicherten Anleihemarktgemeinde schafft die Voraussetzungen für anhaltende Volatilität. Eines ist laut Beobachtern klar: Sollten die Renditen wichtiger Staatsanleihen einen neuen Anlauf nach oben nehmen, wäre dies ein deutliches Signal dafür, dass der Anleihemarkt das Vertrauen in die Fed verliert.


