Trump und der Iran-Krieg: Eine Bilanz der Ziele
Drei Monate nach Kriegsbeginn liegt ein vorläufiges Friedensabkommen vor – doch was hat Trump tatsächlich erreicht?

Mit einem vorläufigen Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran stellt sich die entscheidende Frage: Hat US-Präsident Donald Trump seine selbst gesteckten Ziele in diesem Konflikt erreicht? Die Antwort fällt je nach Betrachtungsfeld unterschiedlich aus – einige Ziele wurden teilweise erfüllt, andere blieben unerreicht.
Vor Kriegsbeginn verfügte der Iran über das größte Arsenal an ballistischen Raketen im Nahen Osten – zwischen 2.500 und 6.000 Raketen verschiedener Typen. Einige davon konnten Israel mit Reichweiten von bis zu 2.000 Kilometern erreichen, andere waren mit Streumunitions-Sprengköpfen bestückt, die schwerer abzuwehren sind. Zudem war der Iran ein bedeutender Hersteller von Langstreckendrohnen, insbesondere der Einweg-Drohne vom Typ Shahed.
Militärische Schlagkraft deutlich geschwächt
Etwa einen Monat nach Kriegsbeginn berichteten US-Quellen gegenüber Reuters, dass ein Drittel des iranischen Arsenals zerstört worden sei, während ein weiteres Drittel wahrscheinlich beschädigt, zerstört oder vergraben wurde. US-Admiral Brad Cooper teilte dem US-Kongress am 14. Mai mit, dass die Fähigkeit des Irans, Raketen und Langstreckendrohnen zu bauen und zu lagern, um Jahre zurückgeworfen wurde. Er gab an, dass mehr als 1.500 Raketen und 6.000 Drohnen während des Konflikts von den USA und ihren Verbündeten abgefangen wurden.
Cooper berichtete dem Kongress außerdem, dass das US-Militär 161 iranische Marineschiffe zerstört und 82 Prozent der iranischen Luftverteidigungssysteme ausgeschaltet habe. Die iranische Luftwaffe, die vor dem Krieg bis zu 100 Einsätze täglich flog, führe nun überhaupt keine Missionen mehr durch. Dennoch besitzt der Iran weiterhin die Fähigkeit, Verbündete der USA zu erreichen: Am 6. Juni wurden Salven auf Kuwait und Bahrain abgefeuert, am 7. Juni richteten sich Raketen gegen Israel – die betroffenen Länder erklärten jedoch, dass die Angriffe keinen nennenswerten Schaden angerichtet hätten.
Ein weiterer Punkt, der Trumps Bilanz trübt: Der Iran war in der Lage, die strategisch wichtige Straße von Hormus während der gesamten Konfliktdauer effektiv zu sperren. Durch den Einsatz von Schnellbooten, Minen, Drohnen und Raketenbooten wurden Handelsschiffe blockiert, die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Erdgasangebots transportieren – mit erheblichen Folgen für die globalen Energiemärkte.
Das Atomprogramm bleibt das zentrale Problem
Trumps erklärtes Hauptziel war stets, den Iran an der Entwicklung einer Atomwaffe zu hindern. Doch der Krieg hat die nuklearen Kapazitäten des Irans nicht wesentlich verändert. US-Geheimdienste schätzten im vergangenen Monat, dass der Iran weniger als ein Jahr benötigen würde, um eine Atomwaffe herzustellen – derselbe Zeitrahmen wie nach den Angriffen auf iranische Atomanlagen im Juni 2025. Das iranische Atomprogramm wird daher ein zentrales Thema für die Unterhändler sein, sobald das Rahmenabkommen formell unterzeichnet wird. Trump fordert, dass das angereicherte Uran des Irans außer Landes gebracht werden muss, während der Oberste Führer Ayatollah Mojtaba Khamenei laut Quellen darauf beharrt, dass es nicht ins Ausland geschickt werden darf.
Auch beim Thema Stellvertretergruppen zeigt sich ein gemischtes Bild. Trump hatte am 2. März erklärt, der Iran dürfe keine bewaffneten Gruppen im Irak, im Libanon, im Gazastreifen und im Jemen mehr bewaffnen und finanzieren. Der Iran hat seit Kriegsbeginn keine Bereitschaft gezeigt, diese Unterstützung einzustellen. Allerdings kommen US-militärische und unabhängige Einschätzungen zu dem Ergebnis, dass das Stellvertreternetzwerk des Irans weitaus weniger effektiv ist als früher.
Irans Proxys bereits vor dem Krieg geschwächt
Vieles davon war bereits vor Kriegsbeginn im Gange. Israel hatte nach dem Angriff vom 7. Oktober 2023 viele führende Köpfe der Hamas und Tausende ihrer Kämpfer getötet sowie weite Teile der Hisbollah-Führung im Libanon eliminiert. Mit dem Zusammenbruch der Herrschaft von Bashar al-Assad in Syrien im Jahr 2024 verlor der Iran zudem einen wichtigen Kanal für Waffenlieferungen an die Hisbollah. Sanktionen und wirtschaftliche Not untergruben zusätzlich die Finanzierungsfähigkeit dieser Gruppen.
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Zur AktienanalyseDie Hisbollah trat am 2. März in den Krieg ein, als sie Raketen und Drohnen auf Israel abfeuerte. Dies veranlasste Israel zu Luftangriffen und einer Bodeninvasion, bei denen fast 3.700 Menschen getötet und 1,2 Millionen im Libanon vertrieben wurden. Auf israelischer Seite kamen bisher etwa 28 Soldaten und vier Zivilisten ums Leben.
Führungswechsel in Teheran als Teilerfolg
Trump hatte ursprünglich den Sturz der theokratischen Regierung des Irans gefordert und den Tod des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei am 28. Februar als „einzigartige Chance" für iranische Demonstranten bezeichnet, die Regierung zu übernehmen. Am 6. März erklärte er noch, der Krieg werde nur mit einer „bedingungslosen Kapitulation" des Irans enden. Den tatsächlich eingetretenen Führungswechsel – Khamenei wurde durch seinen Sohn Ayatollah Mojtaba Khamenei ersetzt – charakterisierte Trump am 29. März als „ein neues und vernünftigeres Regime". In den letzten Wochen hat Trump seine Forderungen nach einem Sturz der iranischen Führung nicht mehr wiederholt.


