Trump telefonierte heimlich mehrfach mit Fed-Chef Warsh
Berichte von Bloomberg und WSJ enthüllen nicht offengelegte Anrufe – ausgerechnet in einer kritischen Phase für die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank.

Präsident Donald Trump hat seit der Bestätigung von Kevin Warsh als Fed-Vorsitzenden im Mai 2026 mehrfach telefonisch mit ihm gesprochen. Das bestätigte Bloomberg nach einem Exklusivbericht des Wall Street Journals vom Donnerstag. Die Anrufe erfolgten zu einem besonders heiklen Zeitpunkt für die Unabhängigkeit der US-Notenbank.
Warshs erste FOMC-Pressekonferenz am 29. Juli sorgte für erhebliche Turbulenzen an den Finanzmärkten. Die Fed ließ die Zinsen mit 9 zu 3 Stimmen unverändert – eine Entscheidung, die einen massiven Ausverkauf am Anleihemarkt auslöste. Die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen stiegen daraufhin auf rund 5,2 Prozent, den höchsten Stand seit etwa 19 Jahren. Händler stellten die Entschlossenheit der Zentralbank im Kampf gegen die Inflation offen infrage.
Zwei Berichte, zwei Bewertungen
WSJ und Bloomberg stimmen in den grundlegenden Fakten überein, gewichten diese jedoch unterschiedlich. Das Wall Street Journal berichtete, Trump habe Warshs Einschätzungen zu Themen wie den wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Krieges und dem Aufstieg der künstlichen Intelligenz eingeholt. Warsh habe dem Präsidenten dabei oft ein positives Bild der Wirtschaft vermittelt.
Bloomberg hingegen legte den Schwerpunkt stärker auf Trumps weitergehende Ambitionen und charakterisierte den Kontakt als Teil der „massivsten Intervention in die Entscheidungsfindung der Zentralbank seit Jahrzehnten". Laut Bloomberg-Quellen hat Trump sich nach Warshs Prognosen und Meinungen erkundigt, ihn jedoch nicht zu einem bestimmten Kurs gedrängt. Eine Person beschrieb die Anrufe als unregelmäßig, eine andere nannte sie selten. Ob die beiden direkt über die Geldpolitik gesprochen haben, bleibt von beiden Medien unbestätigt.
Das Weiße Haus bestritt die Anrufe nicht. Sprecher Kush Desai erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme: „Präsident Trump hat wiederholt betont, dass er dem Vorsitzenden Warsh den nötigen Raum gibt, um das Vertrauen und die Kompetenz in die Entscheidungsfindung der Fed wiederherzustellen." Gleichzeitig betonte Desai, Trump habe „wiederholt die Unabhängigkeit des Vorsitzenden Warsh und der Fed bekräftigt". Die Fed selbst lehnte eine Stellungnahme ab.
Warsh weicht Fragen zur Kommunikation aus
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die fehlende Transparenz. Bloomberg hob hervor, dass frühere Fed-Vorsitzende nach Treffen mit dem Präsidenten Pressemitteilungen herausgaben. So hatte der damalige Vorsitzende Jerome Powell im Mai 2025 öffentlich erklärt, er habe seine geldpolitischen Aussichten nicht mit Trump besprochen. Warsh hat keine vergleichbare Erklärung abgegeben – ein Bruch mit der jüngeren Praxis, den Bloomberg als Teil eines Musters der Einflussnahme durch das Weiße Haus wertet.
Bei einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats am 15. Juli wich Warsh einer direkten Frage aus, ob er seit seinem Amtsantritt mit Trump kommuniziert habe. „Ich möchte mich einfach nicht darauf einlassen, Gespräche preiszugeben, die der Präsident und ich führen", sagte Warsh. Er betonte jedoch, ein „unabhängiger Typ" zu sein, und erklärte, es bereite ihm kein unbehagliches Gefühl, einen Anruf vom Präsidenten zu erhalten.
Uneinigkeit im FOMC und schwache Wirtschaftsdaten
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Zur AktienanalyseInnerhalb des Offenmarktausschusses (FOMC) herrscht erhebliche Uneinigkeit über den weiteren Kurs. Jeff Schmid, Präsident der Fed von Kansas City, fordert eine straffere Geldpolitik, um die seiner Meinung nach „zu hohe" Inflation zu bekämpfen. Anna Paulson, Präsidentin der Fed von Philadelphia, erklärte, sie bleibe in Bezug auf die Zinsen „offen". Gouverneurin Lisa Cook signalisierte Bereitschaft zu Zinserhöhungen, falls die Inflation nicht nachlasse.
Die jüngsten Wirtschaftsdaten verschärfen das Dilemma. Die ISM-Preise für das nicht-verarbeitende Gewerbe stiegen im Juli auf 70,3 – deutlich über der Prognose von 65,0 – und erhöhen damit den Druck auf eine restriktivere Geldpolitik. Gleichzeitig enttäuschten die ADP-Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft mit lediglich 44.000 neuen Stellen im Juli massiv: Der Konsens hatte 68.000 erwartet, im Vormonat waren es noch 95.000 gewesen.
Die Märkte preisen eine Zinserhöhung im September derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent ein. Der offizielle Arbeitsmarktbericht (Non-Farm Payrolls) am Freitag gilt als nächster entscheidender Datenpunkt. Besonders wichtig wird zudem der Verbraucherpreisindex (VPI) für Juli, der am 12. August veröffentlicht wird – der Vorjahreswert lag zuletzt bei 3,5 Prozent und damit deutlich über dem Fed-Ziel von 2 Prozent. Ebenfalls am 12. August findet eine Auktion 10-jähriger Staatsanleihen statt, deren Nachfrage zeigen wird, ob das Anlegervertrauen in die Warsh-Fed nach den jüngsten Turbulenzen wieder Fuß fasst.


