Trump stoppt Offshore-Windkraft in den USA
Verbot neuer Windparks erschüttert Investoren und gefährdet milliardenschwere Projekte

US-Präsident Donald Trump hat kurz nach seinem Amtsantritt den Bau neuer Offshore-Windparks in den Vereinigten Staaten untersagt. Das von ihm unterzeichnete Dekret verbietet die Pacht neuer Gebiete auf dem Outer Continental Shelf entlang nahezu der gesamten US-Küste. Die Regelung bleibt bestehen, bis der Präsident das Verbot widerruft. Darüber hinaus sollen bestehende Projekte einer umfassenden Überprüfung unterzogen werden, um deren Auswirkungen auf nationale Sicherheit, Strompreise, Netzstabilität und Artenvielfalt zu bewerten. Auch bereits genehmigte Anlagen könnten auf ihre Zukunftsfähigkeit hin untersucht werden.
Trump hatte bereits vor seinem Amtsantritt deutlich gemacht, dass unter seiner Regierung keine neuen Windkraftanlagen errichtet werden sollen. In einer Rede vor Anhängern bezeichnete er Windkraft als teuer und behauptete, dass sie Wale töte und alle Anlagen aus China stammten. Wissenschaftler bestreiten jedoch einen Zusammenhang zwischen Windkraftanlagen und dem Tod von Walen. Zudem stammen laut US-Energieministerium 95 Prozent der Windkraftkomponenten aus anderen Ländern, darunter Dänemark, Deutschland und Spanien. Auch die Wirtschaftlichkeit der Windkraft ist laut der US-Investmentgesellschaft Lazard gegenüber fossilen Energieträgern vielfach günstiger, obwohl die Kosten für den Bau durch Inflation und steigende Rohstoffpreise zuletzt angestiegen sind.
Windenergie gehört zu den am schnellsten wachsenden Stromquellen in den Vereinigten Staaten. Laut US-Energieministerium entfielen 2022 rund 22 Prozent der neu installierten Kapazitäten auf Windstrom. Derzeit sind Projekte mit einer Leistung von mehr als 80 Gigawatt in Planung. Insgesamt beschäftigt die Branche mehr als 125.000 Menschen. Besonders betroffen von dem Verbot sind europäische Unternehmen, die in Offshore-Windkraft in den USA investiert haben. Der dänische Energiekonzern Ørsted betreibt oder plant Anlagen mit fast drei Gigawatt Leistung entlang der Ostküste. RWE hat Projekte in einer Größenordnung von sechs Gigawatt in verschiedenen Regionen gesichert.
Die Unsicherheit über die Zukunft der Branche hat bereits Auswirkungen auf die Aktienkurse der Unternehmen. Seit Trumps Wahlsieg haben die Aktien von Ørsted um 26 Prozent nachgegeben, Vestas verzeichnete ein Minus von 27 Prozent, und Nordex verlor sieben Prozent. Am Dienstag reagierten die Märkte erneut negativ: Ørsted meldete Wertminderungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro für das vierte Quartal. Der Konzern begründete dies mit Verzögerungen und gestiegenen Kosten für sein Sunrise-Windprojekt vor der Küste von New York. Auch Siemens Energy, RWE und Nordex mussten Kursverluste hinnehmen.
Trumps Widerstand gegen Windkraft ist nicht neu. Bereits 2006 führte er einen jahrelangen Rechtsstreit gegen die schottische Regierung, weil ein geplanter Windpark die Aussicht von einem seiner Golfplätze beeinträchtigen sollte. Er unterlag vor Gericht und musste fast 300.000 Dollar an Prozesskosten an Schottland zahlen. In seiner Antrittsrede kündigte er zudem an, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen austreten und der Green Deal seines Vorgängers Joe Biden beendet werden soll. Zudem plant er die Ausrufung eines "nationalen Energienotstands", obwohl die USA weltweit der größte Ölproduzent sind.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseSollte Trump seine ablehnende Haltung gegenüber Windkraft auch auf Anlagen an Land ausweiten, könnte er innerhalb der eigenen Partei auf Widerstand stoßen. Republikanisch geführte Bundesstaaten wie Texas, Iowa und Wyoming haben in den vergangenen Jahren massiv in Windenergie investiert. In Texas stammen bereits 22 Prozent der Stromerzeugung aus Windkraft, in Iowa liegt der Anteil bei 59 Prozent.


