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Trump lobt Fed-Chef Warsh trotz ausbleibender Zinssenkungen

US-Präsident Trump verteidigt seinen selbst ernannten Notenbankchef Kevin Warsh, obwohl die Fed die Zinsen erneut nicht senkt.

Trump lobt Fed-Chef Warsh trotz ausbleibender Zinssenkungen

US-Präsident Donald Trump hat sich am Mittwoch demonstrativ hinter seinen selbst ausgewählten Federal-Reserve-Chef Kevin Warsh gestellt – obwohl die US-Notenbank die von Trump dringend geforderten Zinssenkungen erneut nicht geliefert hat. „Er ist ein brillanter Kerl", sagte Trump vor Journalisten im Oval Office. Die Aussichten auf baldige Zinssenkungen sind dabei alles andere als rosig.

Die Fed hielt die Leitzinsen bei ihrer jüngsten Sitzung erneut in der Spanne von 3,50 % bis 3,75 % stabil. Es war bereits die zweite geldpolitische Entscheidung unter Warsh, seit dieser im Mai die Nachfolge von Jerome Powell angetreten hatte. Powell war von Trump zuvor wiederholt scharf angegriffen worden, weil er die Zinsen nicht so aggressiv gesenkt hatte, wie der Präsident es forderte.

Trump räumte zwar ein, dass das Fed-Gremium die Zinsen hochhalten wolle, gab Warsh dabei aber eine Mitläuferrolle: „Ich weiß, dass er gerne niedrigere Zinsen sehen würde, aber er hat ein Gremium, und es ist ein politisches Gremium, und sie wollen die Zinsen hochhalten. Aber wir kämpfen uns durch die Zinsen." Diese Darstellung steht jedoch im deutlichen Widerspruch zu Warshs eigenen Aussagen.

Warsh signalisiert eher Zinserhöhung als Zinssenkung

Auf der Pressekonferenz nach der Fed-Entscheidung deutete Warsh an, dass er angesichts steigender Kerninflation und eines robusten Arbeitsmarkts eher zu einer Straffung der Geldpolitik neige. „Jeder Notenbanker, insbesondere ein Notenbanker, bei dem die Arbeitsmärkte mehr oder weniger im Gleichgewicht sind, neigt eher dazu, die Geldpolitik zu straffen, wenn er oder sie sieht, dass die Kerninflation steigt", erklärte Warsh. „Das ist meine Reaktionsfunktion."

Diese Aussagen sind bemerkenswert: Warsh, den Trump einst als Hoffnungsträger für niedrigere Zinsen ins Amt gehievt hatte, positioniert sich nun klar als Hüter der Preisstabilität – und nicht als verlängerter Arm der Regierung. Damit setzt er die Tradition der Fed-Unabhängigkeit fort, die Trump stets ein Dorn im Auge war.

Besonders aufschlussreich ist der Blick ins Innere des Fed-Gremiums: Bei der Sitzung in dieser Woche stimmten bereits drei von Warshs neuen Kollegen für eine Zinserhöhung. Das zeigt, wie stark der Inflationsdruck innerhalb der Notenbank wahrgenommen wird.

Märkte rechnen mit Zinserhöhung im September

Die Finanzmärkte haben die Signale der Fed bereits eingepreist. Laut Zinsterminkontrakten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt beim nächsten Fed-Treffen im September bei mehr als 60 %. Für deutsche Anleger und Investoren mit US-Engagements ist das eine wichtige Größe: Ein höheres US-Zinsniveau stützt in der Regel den US-Dollar und erhöht den Renditedruck auf Anleihen und Aktienmärkte.

Die Situation verdeutlicht das grundlegende Spannungsfeld zwischen politischem Druck und institutioneller Unabhängigkeit der Notenbank. Trump hatte Powell über Monate hinweg öffentlich attackiert und schließlich durch Warsh ersetzt – in der Hoffnung auf eine lockerere Geldpolitik. Doch auch Warsh folgt offenbar den wirtschaftlichen Daten und nicht den Wünschen des Weißen Hauses.

Für Anleger bleibt die Lage damit vorerst unverändert: Die Fed hält an ihrem restriktiven Kurs fest, solange Inflation und Arbeitsmarkt keine klare Entspannung signalisieren. Eine Zinswende in den USA ist in naher Zukunft nicht in Sicht – im Gegenteil.

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