Trump kritisiert ExxonMobil und Chevron wegen Übergewinnen scharf
US-Präsident Trump fordert die Ölgiganten auf, Benzinpreise zu senken – beide Konzerne erzielten zusammen 26,5 Milliarden Dollar Gewinn.

US-Präsident Donald Trump hat ExxonMobil und Chevron öffentlich für ihre massiven Quartalsgewinne kritisiert. Auf der Plattform Truth Social forderte er die Unternehmen auf, ihre Einzelhandelsölpreise „JETZT" zu senken. In einem Gespräch mit Reportern im Weißen Haus erklärte Trump mehrfach, beide Konzerne hätten im vergangenen Quartal „zu viel Geld verdient".
Trump äußerte sich unmissverständlich: „Sie verdienen zu viel Geld, okay? Aufgrund einer Knappheit verdienen sie zu viel Geld. Das gefällt mir nicht. Sie sollten einen Teil davon an die Öffentlichkeit zurückgeben. Und sie sollten besser den Einzelhandelspreis senken: den Verbraucherpreis. Sie sind überrascht, dass ich das sage? Ich sage es laut und deutlich: Ich bin nicht glücklich darüber." Die Aktien beider Unternehmen sind seit Jahresbeginn um mehr als 25 Prozent gestiegen – die Wall Street zeigte sich also durchaus erfreut über die Ergebnisse.
Die Quartalszahlen im Überblick
ExxonMobil meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 116 Milliarden Dollar – ein Anstieg von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 81,5 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn verdoppelte sich auf 14,5 Milliarden Dollar, verglichen mit 7,1 Milliarden Dollar im zweiten Quartal des Vorjahres. Die Fördermengen blieben mit 4,6 Millionen Barrel pro Tag nahezu unverändert, was darauf hindeutet, dass vor allem die gestiegenen Ölpreise für den Gewinnanstieg verantwortlich waren.
Chevron legte ebenfalls beeindruckende Zahlen vor: Der Umsatz stieg um 56 Prozent auf 70,1 Milliarden Dollar. Noch deutlicher fiel der Gewinnanstieg aus – mit 12,1 Milliarden Dollar erzielte Chevron ein Plus von 385 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem förderte das Unternehmen weltweit 20 Prozent mehr Öl und Gas als im Vorjahresquartal und produzierte 4 Millionen Barrel pro Tag. Zusammen erzielten beide Konzerne im Quartal einen Gewinn von 26,5 Milliarden Dollar.
Trump hatte angedeutet, eines der Unternehmen habe „das Zwölffache dessen verdient, was es im Vorjahr verdient hat" – also einen Anstieg von 1.200 Prozent. Die tatsächlichen Zahlen zeigen jedoch, dass keiner der Zuwächse auch nur annähernd an diese Behauptung heranreicht.
Warum Preissenkungen nicht so einfach sind
Hinter den hohen Gewinnen steckt vor allem der durch den Krieg im Iran ausgelöste Anstieg der Öl- und Kraftstoffpreise. Doch können ExxonMobil und Chevron die Benzinpreise einfach senken? Experten und Marktbeobachter sagen: Nein – zumindest nicht ohne weiteres. Ein Großteil des von beiden Unternehmen geförderten Rohöls gelangt gar nicht in die USA, sondern fließt im Rahmen langfristiger Verträge an Überseekunden, aus denen die Konzerne nicht einfach aussteigen können.
Darüber hinaus sind beide Unternehmen in ein vernetztes inländisches System aus Bohrlöchern, Pipelines, Terminals und Raffinerien eingebunden. Da zahlreiche Unternehmen auf vielfältige Weise miteinander verflochten sind, kann kein einzelner Konzern seine Preise willkürlich erhöhen oder senken, ohne die gesamte inländische Lieferkette zu stören. Eine einseitige Preissenkung durch ExxonMobil oder Chevron wäre daher praktisch kaum umsetzbar.
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Zur AktienanalyseTrumps eigentlicher Hebel: Der Krieg im Iran
Trump selbst deutete in seiner Erklärung an, welchen Hebel er tatsächlich in der Hand hat. Er sagte: „Wissen Sie, Sie werden sehen, dass das Öl – wenn wir mit dem Iran fertig sind – die Preise ins Bodenlose fallen werden." Der andauernde Krieg im Iran gilt als wesentliche Ursache für die gestiegenen Ölpreise und damit für die Übergewinne der Konzerne.
Sollte Trump den Konflikt zu einem raschen Ende bringen und die Straße von Hormus wieder öffnen, würde sich das weltweite Ölangebot erholen. Die Folge wären sinkende Ölpreise – und damit auch niedrigere Benzinpreise für US-Verbraucher sowie rückläufige Umsätze und Gewinne der Ölkonzerne. Bis dahin dürften Anleger jedoch weiterhin mit hohen Gewinnen bei den großen Ölmultis rechnen – und mit anhaltender Frustration bei Verbrauchern und Politikern.


