Trump kippt Bidens Klimaoffenlegungspflicht für US-Börsenunternehmen
Die SEC will eine Biden-Regel zur Klimarisiko-Offenlegung abschaffen – das Ende eines jahrzehntelangen Regulierungsprojekts.

Die US-Börsenaufsicht SEC hat vergangene Woche vorgeschlagen, eine zentrale Klimaregel aus der Biden-Ära zu kippen. Die Regelung hätte Unternehmen verpflichtet, Emissionsdaten offenzulegen und klimabezogene Geschäftsrisiken – von Regulierungen bis hin zu Extremwetterereignissen – detailliert darzustellen. Damit droht einem der aufwendigsten Regulierungsprojekte der jüngeren US-Finanzgeschichte das endgültige Aus.
Für viele Befürworter ist der Schritt ein herber Rückschlag. „Es gleicht eher einer 20-jährigen Reise", sagte Mindy Lubber, Leiterin der Nachhaltigkeits-Non-Profit-Organisation Ceres. Lubber gehört zu den frühen Verfechterinnen der Offenlegung klimabezogener Risiken und arbeitet seit Mitte der 2000er-Jahre daran, Investoren für diese Idee zu gewinnen.
Ein jahrzehntelanger Kampf um Klimatransparenz
Die Geschichte dieser Regulierung reicht weit zurück. Bereits im Jahr 2010 schlug die SEC Unternehmen vor, offenzulegen, wie sie vom Klimawandel betroffen sein könnten. Regulierungsbehörden in anderen Ländern gingen in den Folgejahren weiter, während freiwillige klimabezogene Offenlegungen weltweit zunahmen. Im Jahr 2021 beschloss die SEC unter der Biden-Administration schließlich, ihre Leitlinien deutlich zu verschärfen.
Was folgte, war ein beispielloser Verfahrenskampf. Der erste Aufruf zur Stellungnahme rief bereits 600 Schreiben hervor. Der eigentliche Regelentwurf der SEC aus dem Jahr 2022 – an dem laut Dokument 52 Mitarbeiter beteiligt waren – zog sogar 4.500 Antworten nach sich, Standardbriefe nicht mitgerechnet. Die US-Handelskammer allein argumentierte auf 141 Seiten gegen den Vorschlag, den sie als zu belastend für Unternehmen bezeichnete. Ein Computerfehler komplizierte das Verfahren zusätzlich und zwang einige Befragte, ihre Beiträge erneut einzureichen.
Die Regel wurde schließlich im Jahr 2024 genehmigt – nach jahrelangem Ringen. Doch die Freude der Befürworter währte kurz. Mit dem Amtsantritt der Trump-Administration und der Ernennung von Paul Atkins zum neuen SEC-Chef zeichnete sich eine Kehrtwende ab. Atkins hatte sich stets für eine lockerere Auslegung dessen ausgesprochen, was für Investoren als wesentlich gilt. Er warnte zudem, dass zusätzliche Offenlegungspflichten Unternehmen von einem Börsengang abschrecken könnten.
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Zur AktienanalyseFür europäische und deutsche Investoren ist die Entwicklung in den USA bemerkenswert, da die EU mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) einen entgegengesetzten Kurs fährt und Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen verbindlich macht. Der Rückzug der USA aus verbindlichen Klimaoffenlegungen könnte den regulatorischen Druck auf international tätige Unternehmen ungleich verteilen.
Das Schicksal der SEC-Klimaregel reiht sich in eine Liste ambitionierter Projekte ein, die trotz enormen Aufwands nie vollständig umgesetzt wurden. Ob die Idee einer verpflichtenden Klimaberichterstattung in den USA endgültig begraben ist oder bei einem erneuten Regierungswechsel wiederkehrt, bleibt offen.


