Trump gegen Powell: Machtkampf um die Fed
Spekulationen um Entlassung erschüttern Märkte und stellen Notenbank-Unabhängigkeit infrage

US-Präsident Donald Trump sorgt erneut für Aufsehen – diesmal mit Spekulationen über eine mögliche Entlassung von Fed-Chef Jerome Powell. Zunächst verbreitete die republikanische Kongressabgeordnete Anna Paulina Luna auf der Plattform X, Trump wolle Powell bald absetzen. Die Nachricht basierte auf einem Treffen mit Kongressabgeordneten, bei dem Trump nach Angaben von Teilnehmern bereits einen Entwurf für ein Kündigungsschreiben vorgelegt haben soll. Unterstützung für dieses Vorhaben sei aus dem Kreis der Abgeordneten durchaus erkennbar gewesen.
Die Meldung schlug an den Märkten ein wie eine Bombe. Der Leitindex S&P 500 sowie der Nasdaq rutschten zeitweise um rund ein Prozent ab, der Dollarindex fiel unter die Marke von 98 Punkten – ein deutlicher Rückgang gegenüber den fast 110 Punkten zu Jahresbeginn. Auch bei Staatsanleihen kam es zu spürbaren Bewegungen: Vor allem langfristige US-Papiere wurden abgestoßen, ihre Renditen stiegen entsprechend. Der Markt reagierte damit auf die drohende politische Einflussnahme auf die Notenbank – ein Szenario, das bislang kaum ernsthaft erwartet worden war.
Nur einen Tag später ruderte Trump öffentlich zurück. Er erklärte, Powell nicht entlassen zu wollen – jedenfalls vorerst. Die Märkte beruhigten sich daraufhin rasch und drehten sogar leicht ins Plus. Doch seine anschließenden Aussagen ließen viele Fragen offen: Zwar betonte der Präsident, man plane nichts Konkretes, schloss eine Entlassung jedoch auch nicht aus. Sollte sich etwa ein Betrugsfall ergeben, so Trump, wäre ein Rauswurf denkbar. Hintergrund seien angeblich aus dem Ruder gelaufene Sanierungskosten der Fed-Zentrale, für die Powell keine ordnungsgemäße Genehmigung eingeholt habe. Trump deutete an, dies werde derzeit untersucht.
Zugleich erneuerte Trump seine Kritik an der Zinspolitik der US-Notenbank. Der Leitzins in den USA liegt zwischen 4,25 und 4,5 Prozent – für Trump ein Ärgernis, da hohe Zinsen die Refinanzierung der enormen Staatsschulden verteuern. Dass die Europäische Zentralbank ihre Zinsen zuletzt wieder senkte, dürfte diese Sichtweise noch verstärken.
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Zur AktienanalyseAnalysten der Deutschen Bank sehen in Trumps Vorgehen ein erhöhtes Risiko für eine tatsächliche Abberufung Powells. Die hohen Sanierungskosten könnten als Vorwand dienen, um ein entsprechendes Verfahren zu rechtfertigen. Die Unabhängigkeit der Notenbank und das Vertrauen in den Dollar stehen dabei auf dem Spiel – mit möglicherweise weitreichenden Folgen für die globalen Finanzmärkte.


